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Neu an der UDE/am UK Essen: Julia Jäkel

Was Kinder stark macht

Warum entwickeln sich manche Kinder trotz schwieriger Startbedingungen gut, während andere mit Problemen kämpfen? Prof. Dr. Julia Jäkel, neue Professorin für Medizinische Entwicklungspsychologie, erforscht, wie biologische und soziale Faktoren die Entwicklung von Kindern prägen – von den Folgen einer Frühgeburt bis zu Sprachbarrieren bei multilingual aufwachsenden Kindern. Am Universitätsklinikum Essen will die 45-Jährige insbesondere untersuchen, welche Schutzfaktoren Kindern gute Entwicklungschancen eröffnen.

[Dr. Alexandra Nießen:] Wie würden Sie Ihre Forschung jemandem außerhalb Ihres Fachgebiets erklären?

[Prof. Dr. Julia Jäkel:] Ich forsche zu Risiko und Resilienz in langfristiger Entwicklung. Frühgeborene Kinder beispielsweise wachsen mit einem hohen Risiko auf, kognitive, sozial-emotionale und Aufmerksamkeitsprobleme zu entwickeln. Gleichzeitig gibt es Schutzfaktoren, die eine gesunde und erfolgreiche Entwicklung fördern. Ich untersuche auch, wie sich Sprachbarrieren auf die Schulreife multilingualer Kinder auswirken und wie wir Barrieren abbauen können.

Was fasziniert Sie persönlich an diesem Thema?

Menschliche Entwicklung ist unglaublich komplex, insbesondere die ständige Wechselwirkung von Anlage und Umwelt in unseren heutigen Gesellschaften. Das möchte ich besser verstehen. Gleichzeitig will ich mit meiner Forschung zeigen, wo und wie wir investieren sollten, um für alle Kinder Bedingungen zu schaffen, die glückliche, gesunde, erfüllte Lebensverläufe ermöglichen.

Was möchten Sie am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) in den nächsten Jahren voranbringen?

Wir untersuchen in der Kinderklinik I am Universitätsklinikum bereits seit einigen Jahren eine große Kohorte frühgeborener Kinder bis ins Schulalter. Mehr als 50% dieser Risikokinder hat einen Migrationshintergrund und wächst multilingual auf. Wir schauen uns Sprachbarrieren und Schutzfaktoren an.

Ich plane, diese Kohortenstudie systematisch zu erweitern, Fachleute aus Medizin, Bildungs- und Sozialwissenschaften stärker zusammenzubringen und unsere Forschung breit an die Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger zu kommunizieren. Das Ruhrgebiet ist ein Schmelztiegel mit faszinierender Diversität, diese Stärke können wir bewusst fördern.

Welches Missverständnis über Ihr Fachgebiet würden Sie gerne ausräumen?

1. Psycholog:innen können das Verhalten einzelner Menschen nicht hundertprozentig vorhersagen oder komplett verstehen.

2. Die Entwicklungspsychologie ist kein „Kuschelfach mit Babys“, unsere Disziplin ist stark biologisch und evolutionär geprägt und umfasst die gesamte Lebensspanne.

 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Julia Jäkel, Universitätsklinikum Essen, Medizinische Entwicklungspsychologie, Julia.Jaekel@uk-essen.de

Redaktion: Dr. Alexandra Nießen, alexandra.niessen@uni-due.de

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