© UDE/Fabian Strauch

Neu an der UDE: Stephanie Riehemann

Sprachbarrieren abbauen

Sprechen, verstehen, sich mitteilen: Sprache prägt unser Leben von klein auf. Doch nicht allen Kindern fällt das gleichermaßen leicht. Dr. Stephanie Riehemann, neue Professorin für Inklusive Bildung im Förderschwerpunkt Sprache, entwickelt am Institut für Sonderpädagogik unter anderem spezifische Sprachförderkonzepte für unterschiedliche Klassenstufen und Schulformen. Zudem bereitet die 49-Jährige angehende Lehrkräfte darauf vor, Kinder mit sprachlichen Entwicklungsstörungen gezielt zu unterstützen.

[Dr. Alexandra Nießen:] Wenn Sie Ihre Forschung Menschen außerhalb Ihres Faches – der Sonderpädagogik – erklären müssten: Worum geht es?

[Prof. Dr. Stephanie Riehemann:] Stellen Sie sich vor, Sie würden eine Vorlesung in einer Sprache besuchen, die Sie kaum beherrschen. So fühlen sich Kinder mit Sprach- und Kommunikationsstörungen in der Schule jeden Tag. Meine Forschung sucht nach evidenzbasierten und alltagstauglichen Wegen, die ihnen erfolgreiches Lernen und soziale Teilhabe in allen Klassenstufen und Schulformen ermöglichen. Dabei geht es ebenso um die Entwicklung spezifischer Sprachförderkonzepte wie um den Abbau von Sprachlernbarrieren im Unterricht.

Was fasziniert Sie persönlich an diesem Thema?

Sprache und Kommunikation sind Schlüsselkompetenzen in unserer Gesellschaft. Kinder, denen diese elementaren Fähigkeiten nicht ausreichend zur Verfügung stehen, haben im Schulalltag mit enormen Herausforderungen zu kämpfen. Das kann dazu führen, dass sie sich frustriert zurückziehen oder zunehmend aggressiv werden. Einer meiner Forschungsschwerpunkte ist daher die „kommunikative Resilienz“ – das heißt, die innere Widerstandskraft –, die sie benötigen, wenn Gespräche scheitern, Missverständnisse entstehen oder Erklärungen sehr komplex sind.

Was möchten Sie an der UDE in den kommenden Jahren voranbringen?

Ich bringe viel Erfahrung und ein großes Kooperationsnetzwerk mit an die UDE. Das ermöglicht mir einen partizipativen Forschungsansatz, in dem Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte aktiv einbezogen werden. Ich mache Forschung für Schulen und mit Schulen. Langfristig soll dazu neben unserer Sprachambulanz auch eine Beratungsstelle für multiprofessionelle Teamarbeit eingerichtet werden, denn in einem inklusiven Bildungssystem brauchen wir Lehrkräfte, die wissen, wie und mit wem sie zum Wohl der Lernenden erfolgreich kooperieren.

Welches Missverständnis über Ihr Fachgebiet würden Sie gerne ausräumen?

Sprachentwicklungsstörungen (SES) sind mit einer Prävalenz von 10 Prozent das häufigste Störungsbild im Kindesalter. Fast jede:r kennt ein Kind, das in logopädischer Behandlung ist. In jeder Grundschulklasse sitzen zwei bis drei Kinder mit SES. Trotzdem sind SES viel weniger bekannt als zum Beispiel Stottern oder Autismus. Als Professorin für inklusive Bildung im Förderschwerpunkt Sprache bedeutet meine Arbeit daher immer auch Aufklärungsarbeit und Vernetzung über die eigene Fachcommunity hinaus, damit die Betroffenen in der Schule angemessene Unterstützung erhalten.

 

Zur Person: Stephanie Riemann

Berufliche Laufbahn

  • Seit September 2026: Professorin für ‚Inklusive Bildung bei komplexen Beeinträchtigungen der sprachlich-kommunikativen Entwicklung‘, UDE
  • Februar 2016 bis August 2026: Studienrätin im Hochschuldienst (Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen der Sprache und Kommunikation), Universität zu Köln
  • September 2021 bis August 2022: Kommissarische Leitung ‚Sprachbehindertenpädagogik in schulischen und außerschulischen Bereichen, Universität zu Köln
  • April bis August 2018: Vertretungsprofessorin ‚Sprachbehindertenpädagogik‘, HU Berlin
  • August 2010 bis Januar 2016: Lehrerin, Förderschule Sprache, Wuppertal

 

Studium

  • 2009: Promotion
  • 2010: 2. Staatsexamen, 2003: 1. Staatsexamen
  • 1998 bis 2003: Lehramtsstudium für Sonderpädagogik, Universität zu Köln

 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. phil. Stephanie Riehemann, Fakultät für Geisteswissenschaften, Institut für Sonderpädagogik, stephanie.riehemann@uni-due.de

Redaktion: Dr. Alexandra Nießen, alexandra.niessen@uni-due.de

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