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Studie zu Präventionsmaßnahmen

Gewalt im Männerfußball

  • von Dr. Alexandra Nießen
  • 20.09.2019

Fußball spielen ohne Gewalt und Schiedsrichter: Essener Vereinskids können das schon gut. „Was dem Männerfußball noch fehlt, setzen sie vorbildlich um“, sagt Professor Ulf Gebken vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften. Er erforscht, wie Konflikte auf dem Platz ohne blutende Nasen gelöst werden können.

Seit vor einigen Jahren Auseinandersetzungen im Amateurfußball der Männer eskalierten, wird friedvolles Spielen auch von Vereinen gewünscht. In Essen gerieten besonders drei Migrantenfußballvereine in die Schlagzeilen. Ein Team verhielt sich so aggressiv, dass alle anderen es als Gegner ablehnten. „Essen wurde zur ‚Hauptstadt‘ der Gewaltvorfälle“, so der UDE-Wissenschaftler. Er und sein Team haben verschiedene Problemlösungen entwickelt. Umgesetzt werden sie vom Essener Sportbund, dem Fußballkreis Essen und den Sport- und Bäderbetrieben.

Dazu zählt etwa die ‚aufsuchende Beratung‘, bei der das Training von Vereinen besucht, (Risiko-)Spiele begleitet und beobachtet werden. „Ich habe fast 50 Gespräche auf Fußballplätzen geführt“, sagt Ulf Gebken. Er hält die Begegnung und den Austausch für sehr wichtig, denn erst auf Augenhöhe ließen sich Klischees abbauen und entstünden Wertschätzung und Anerkennung. „Dass Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln miteinander spielen wie in Essen und Verständnis für die andere Kultur entwickeln, ist zwischen den Sportvereinen und Spielern nicht selbstverständlich.“

Lob von den Verbänden

Zudem sollen Runde Tische mit den Fußballvereinen von Migranten ihre Interessen und das Vertrauen in den organisierten Sport stärken. „Viele engagieren sich freiwillig, bleiben aber meist in den Gremien, etwa im Sportausschuss der Stadt, im Essener Sportbund und im Fußballkreis unterrepräsentiert“, stellt der Professor fest. „Das muss sich im organisierten Sport ändern, Übungsleiter müssen besonders in Vereinen qualifiziert werden, die von Migranten geführt werden oder in denen es besonders herausfordernde soziale Probleme gibt.“ Weiterhin empfiehlt die Studie, am Essener Weg festzuhalten und einzelne Spieler aus den Vereinen oder Zuschauer auszuschließen, die zu gewaltbezogenen Aktionen anheizen.

Die Beratungsgespräche, Qualifizierungen und Projekte der UDE-Studie zeigen Wirkung. „Wir sind sehr zufrieden, dass das Miteinander auf den Fußballplätzen sich zum Positiven verändert hat“, sagt Professor Gebken. „Konflikte sind zwar nicht auszuschließen, aber die Stadt Essen und ihre Partner sind gut aufgestellt, um künftige Probleme lösen zu können. Auch der Deutsche Fußball-Bund und der Fußballverband Niederrhein haben den Essener Weg sehr gelobt.“
 

Weitere Informationen:
Broschüre „Gewaltvorfälle im Männerfußball. Präventionsmaßnahmen“
https://www.uni-due.de/imperia/md/content/sport-und-bewegungswissenschaften/broschu%CC%88re_gewalt_fussball.pdf
Prof. Dr. Ulf Gebken, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften, Tel. 0201/18 3-7610, ulf.gebken@uni-due.de

Redaktion: Alexandra Nießen, Tel. 0203/37 9-1487, alexandra.niessen@uni-due.de

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