© UDE/Cathrin Becker

Ausbildung in der Holzwerkstatt

96 von 100 Punkten

Lautlos gleitet die Schublade zurück in die elegante Kommode mit Keramikplatte. Öffnet man die mit einem Fischgrätmuster versehene Tür des schlanken TV-Boards, scheint einem warmes Licht entgegen. Man müsste die beiden Möbel, die in der Holzwerkstatt der UDE stehen, noch nicht einmal öffnen, um beeindruckt zu sein. Schon ein erstes Betrachten reicht. Auch eine unabhängige Jury ist überzeugt: 96 von 100 möglichen Punkten haben Lucie Niedereichholz und Alexander Hielscher für ihre Gesellenstücke bekommen. Und womit? „Mit Recht.“ Das sieht ihr Ausbilder Matthias Spehr ebenso wie die Jury des Innungswettbewerbs „Die Gute Form“, die die beiden Gesellen zudem auf Platz zwei für ihre Designideen gewählt hat.

Drei Jahre haben Lucie Niedereichholz und Alexander Hielscher sich mit drei Azubis aus weiteren Jahrgängen an der UDE zu Tischlerin bzw. Tischler ausbilden lassen. Statt, wie heute vielerorts üblich, Fenster und Türen zu bauen, konnten sie an der UDE an ganz anderen Projekten mitwirken: Neben Bänken für den Außenbereich oder Kücheneinrichtungen, standen auch Maßanfertigungen für Laborprojekte auf dem Ausbildungsplan.

Getüftelt haben die beiden auch an Sonderlösungen. „Einmal haben wir eine Transportbox für einen Laser gebaut, der von der Uni nach Japan geschickt wurde. So etwas kann man nicht kaufen, das ist schon spannend“, erinnert sich Alexander Hielscher. „Unsere Arbeit hier ist nicht Routine, sondern immer abwechslungsreich.“ Genauso sieht das seine Kollegin Lucie Niedereichholz. „Ich hatte damals die Ausschreibung zufällig gesehen. An eine Universität hatte ich als Ausbildungsplatz gar nicht gedacht, aber dann haben mich das angenehme Klima und das nette Team hier sofort überzeugt.“

Matthias Spehr, der selbst an der UDE lernte, dann zunächst ins Ausland ging und als Meister zurückkehrte, ist sichtlich stolz auf die Ergebnisse seiner Auszubildenden. „Schon deshalb, weil sie zweieinhalb Jahre in der Ausweichwerkstatt am Campus Duisburg arbeiten mussten. Gerade mal ein halbes Jahr konnten sie hier in der großen, frisch renovierten und eingerichteten Werkstatt in Essen arbeiten. Lucie und Alexander haben viel Flexibilität an den Tag gelegt und konnten trotz unseres Umzugs in hundert Stunden Gesellenstücke fertigstellen, die zu den Besten gehören, die unsere Holzwerkstatt bisher verlassen haben.“

Nun finden beide Objekte aus Eiche Ehrenplätze bei Lucie Niedereichholz und Alexander Hielscher zu Hause. Beide würden gerne beim Möbelbau bleiben. Bis Ende des Jahres tischlern sie noch für die UDE, dann sind beide gespannt darauf, was die Zukunft für sie bringt.

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