Freiwilliges Soziales Jahr in der Physik
Mittendrin in der Forschung
- von Juliana Fischer
- 28.08.2026
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Ein freiwilliges Jahr nach dem Abi – das geht auch in der Forschung: Kay Hinsenkamp hat an der UDE Atome sichtbar gemacht, Solarzellen hergestellt und ein Experiment für die Schwerelosigkeit vorbereitet. An der Fakultät für Physik konnte sie ein Jahr lang verschiedene Forschungsbereiche kennenlernen, selbst mitarbeiten – und herausfinden, was zu ihr passt. Im Oktober beginnt sie ihr Studium in Energy Science an der UDE.
Kay, was hat dich an einem Freiwilligen Jahr in der Forschung gereizt?
Ich wollte nach dem Abi nicht direkt ins Studium starten, sondern erst einmal ausprobieren, was zu mir passt. Eigentlich wollte ich ein freiwilliges Jahr im Ausland machen, aber für die Angebote, die für mich infrage kamen, war ich mit 17 noch zu jung. Dann bin ich auf einer Berufsmesse auf das FJN gestoßen. An der UDE fand ich besonders spannend, dass ich mich nicht auf ein Forschungsgebiet festlegen musste: Ich konnte verschiedene Forschungsgruppen kennenlernen, selbst mitarbeiten und immer wieder Neues ausprobieren.
Was hast du während des FJN für dich entdeckt?
Astrophysik und besonders die Planetenentstehung fand ich schon vorher spannend. Aber ich habe auch Bereiche entdeckt, mit denen ich vorher kaum Berührungspunkte hatte. In der Oberflächenphysik habe ich zum Beispiel an einem Rastertunnelmikroskop mitgearbeitet. In der Schule lernt man, dass Atome und Moleküle so klein sind, dass man sie nicht einfach sehen kann – und plötzlich sitzt man vor einem Bildschirm und macht Strukturen auf atomarer Ebene sichtbar. Das fand ich faszinierend.
Auf Instagram hast du regelmäßig Einblicke in dein FJN gegeben. Was hast du in diesem Jahr alles gelernt?
Unglaublich viel: löten, Proben vorbereiten, mit Chemikalien umgehen oder winzige elektronische Bauteile verkabeln. Ich wurde in den Arbeitsgruppen überall sehr offen aufgenommen. Die Leute haben sich Zeit genommen, mir Dinge zu erklären, und mich schnell selbst ausprobieren lassen. Irgendwann bekommt man dann eine Aufgabe und muss überlegen: Wie löse ich das jetzt? Das ist etwas, das ich mitnehme: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind auch Lösungsfinder.
Was war dein persönliches Highlight?
Ganz klar der Fallturm in Bremen. Ich hatte mehrere Wochen an einem Experiment zur Planetenentstehung mitgearbeitet und dafür auch Proben vorbereitet. In Bremen konnte ich dann miterleben, wie das Experiment unter Schwerelosigkeit durchgeführt wurde. Der riesige Fallturm, die Halle voller Experimente, der Kontrollraum mit all den Bildschirmen – und mittendrin das Experiment, an dem ich selbst mitgearbeitet hatte. Das war wirklich wie im Film.
Im Oktober beginnst du dein Studium in Energy Science an der UDE.
Genau. Energy Science hatte ich schon vorher im Blick. Mich interessiert die Verbindung von Physik und Chemie und der Schwerpunkt auf Energie und Umwelt. Im FJN konnte ich bereits eine Vorlesung aus dem Studiengang besuchen. Vorher hatte ich Respekt vor dem Sprung von der Schule ins Studium. Danach wusste ich: Studieren ist etwas für mich. Besonders freue ich mich auf das Auslandsjahr. Im Studium würde ich nun gerne nach Südostasien.
Auch beim Raketenprojekt Maverick machst du weiter. Was genau habt ihr vor?
Ja, auf jeden Fall. Wir bauen ein Experiment, das mit einer Forschungsrakete in Schweden starten soll. Dabei untersuchen wir, wie sich kleine Aggregate unter Schwerelosigkeit verhalten. Ich kümmere mich um Social Media und Kommunikation, löte und teste aber auch Bauteile. Das Projekt von der Entwicklung bis zum Raketenstart begleiten zu können, ist schon ziemlich cool. Und wenn alles klappt, kann ich vielleicht sogar beim Start in Kiruna dabei sein.
Was nimmst du aus dem FJN mit?
Vor allem, dass es völlig in Ordnung ist, Fehler zu machen. In der Schule werden Fehler meistens bewertet. Hier habe ich gelernt, dass sie dazugehören – und dass man danach nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern weiter nach einer Lösung sucht. Und ich habe unglaublich viele Menschen kennengelernt, von denen ich viel mitnehmen konnte. Wenn ich noch einmal vor der Entscheidung stünde, würde ich das FJN sofort wieder machen.
Im Bild: Noch ist es ein Modell aus dem 3D-Drucker: Kay Hinsenkamp schraubt am Aufbau für das Raketenexperiment Maverick. Im Frühjahr 2027 soll das Experiment zur Planetenentstehung mit einer Forschungsrakete in Nordschweden starten und bis in rund 80 Kilometer Höhe fliegen.
Weitere Informationen
Was ist das FJN?
Ein Jahr lang Wissenschaft und Technik in der Praxis kennenlernen und dabei herausfinden, wie es nach der Schule weitergehen könnte: Das ermöglicht das Freiwillige Soziale Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit (FJN). Die Freiwilligen arbeiten an Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder in Organisationen aus Umwelt- und Energietechnik mit und lernen dabei unterschiedliche Forschungs-, Tätigkeits- und Berufsfelder kennen.
Die Fakultät für Physik der UDE bietet bereits im dritten Jahr in Folge einen FJN-Platz an. Das Besondere dort: Das Jahr folgt einem Baukastenprinzip. Je nach eigenen Interessen können die Freiwilligen nicht nur verschiedene Forschungsgruppen kennenlernen, praktisch mitarbeiten und im Laufe des Jahres zwischen ihnen wechseln, sondern auch weitere Einblick hinter die Kulissen der Fakultät (Organisation von Forschungsverbünden, Nacht der Physik, Öffentlichkeitsarbeit etc.) erhalten.