Neu an der UDE: Daniel Scholl
Wie guter Unterricht entsteht
- von Dr. Alexandra Nießen
- 15.07.2026
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Unterricht professionell zu planen, durchzuführen und auszuwerten, ist anspruchsvoll. Wie Lehrkräfte dafür ausgebildet und unterstützt werden können, lehrt und erforscht Prof. Dr. Daniel Scholl. Der 47-Jährige hat die Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Allgemeine Didaktik an der Fakultät für Bildungswissenschaften angenommen.
[Dr. Alexandra Nießen:] Wie würden Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen zusammenfassen?
[Prof. Dr. Daniel Scholl:] Ich untersuche, was Lehrkräfte wissen und können müssen, um Unterricht professionell zu planen, durchzuführen und auszuwerten. Ein Ziel meiner Arbeit ist es, Kompetenzen von Lehrkräften genauer zu beschreiben, empirisch zu erfassen und gezielt zu fördern. Dabei geht es etwa um die Frage, wie sie lernrelevante Unterrichtssituationen wahrnehmen und aus der Analyse von Unterricht lernförderliche didaktische Entscheidungen ableiten können.
Welche Themen liegen Ihnen dabei besonders am Herzen?
Besonders wichtig ist mir die Unterrichtsplanung. Sie gehört zu den zentralen Aufgaben von Lehrkräften, wurde aber lange weniger intensiv untersucht als andere Bereiche des Unterrichtens. Mich interessiert, wie Lehrkräfte didaktische Entscheidungen treffen und wie sie dabei Ziele, Inhalte, Methoden, Medien und die Voraussetzungen der Lerngruppe aufeinander beziehen. Unterricht zu planen heißt eben nicht, einzelne Bausteine nacheinander auszufüllen. Gute Planung verlangt, viele Entscheidungen zugleich im Blick zu behalten und ihre Folgen für das Lernen der Schüler:innen abzuschätzen.
Daran schließt die Frage an: Wie anspruchsvoll ist diese Planungsarbeit eigentlich für das Denken von Lehrkräften? Wenn angehende Lehrkräfte Unterricht planen, müssen sie viele Informationen gleichzeitig verarbeiten. Ich untersuche daher auch, wie didaktische Modelle helfen können, diese Komplexität besser zu ordnen, und wo sie Lernende in der Lehrkräftebildung möglicherweise überfordern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf digitalen Diagnose- und Förderformaten. Solche Instrumente können Lehrkräften und Fortbildenden helfen, eigene professionelle Stärken und Entwicklungsbedarfe genauer wahrzunehmen. Entscheidend ist dabei der pädagogische Nutzen: Digitale Werkzeuge sollen professionelles Lernen verständlich, gezielt und auf den jeweiligen Entwicklungsbedarf abgestimmt unterstützen.
Welche Pläne möchten Sie an der UDE außerdem angehen?
Ich möchte den Arbeitsbereich Allgemeine Didaktik so aufbauen, dass systematische Theoriebildung, empirische Unterrichtsforschung und Lehrkräftebildung eng miteinander verbunden werden.
Zudem werde ich einen Schwerpunkt auf Modellierung und Messung von Planungskompetenz legen. Ich möchte herausfinden, wie Lehrkräfte mit Komplexität beim Planen von Unterricht umgehen und wie sich diese Kompetenz in der universitären Lehrkräftebildung fördern lässt.
Zugleich möchte ich meine Arbeiten zu digitalen Diagnose- und Förderformaten weiterführen. Geplant sind Kooperationen mit Kolleg:innen aus den Bildungswissenschaften, den Fachdidaktiken, der Psychologie, dem Zentrum für Lehrkräftebildung (ZLB), dem Interdisziplinären Zentrum für Bildungsforschung (IZfB) sowie mit Partnern aus Schule, Fortbildung und Bildungsadministration.
Warum haben Sie sich für die UDE entschieden?
Die UDE bietet für meine Arbeit sehr gute Bedingungen. Bildungswissenschaften, Lehrkräftebildung, Schulentwicklungsforschung und Fachdidaktiken liegen hier eng beieinander.
Mich reizt außerdem die Arbeit an einer großen Universität, an der Fragen von Bildungsgerechtigkeit, Professionalisierung und Unterrichtsentwicklung einen unmittelbaren Bezug zu gesellschaftlichen Herausforderungen haben. Die UDE ist für mich eine Universität, an der wissenschaftliche Breite, regionale Verantwortung und die Weiterentwicklung von Bildung zusammengedacht werden können.
Welche Möglichkeiten bietet Ihnen die Region für Ihre wissenschaftliche Arbeit?
Ich nehme die Region als einen ungewöhnlich dichten Bildungs- und Forschungsraum wahr. Für die Lehrkräftebildung ist das eine besondere Stärke, weil Forschung, universitäre Ausbildung, Vorbereitungsdienst und Schulpraxis hier gut miteinander ins Gespräch gebracht werden können.
Besonders interessant ist für mich die Verbindung von UDE, Universitätsallianz Ruhr und der Bildungsregion Ruhrgebiet. Viele Fragen, die meine Arbeit betreffen, stellen sich hier konkret: Wie gelingt Unterricht unter unterschiedlichen sozialen, sprachlichen und institutionellen Bedingungen? Wie können Lehrkräfte professionell auf diese Vielfalt vorbereitet werden? Und wie lassen sich wissenschaftliche Erkenntnisse so in Studienstrukturen, Fortbildung und schulische Entwicklung übersetzen, dass sie im Schul- und Unterrichtsalltag nutzbar werden?
Ein Blick in seinen Lebenslauf zeigt, wie wichtig Prof. Dr. Daniel Scholl die Lehrkräftebildung findet und wie er sich dafür bereits vor seiner Berufung an die UDE engagiert hat. Von 2024 bis 2025 war er Leiter des Zentrums für Lehrkräftebildung und Bildungsforschung an der Universität Siegen und von 2019 bis 2021 Leiter des Zentrums für Lehrer*innenbildung an der Universität Vechta.
Zur Person: Daniel Scholl
- Seit April 2026
Professor für Erziehungswissenschaft, Schwerpunkt Allgemeine Didaktik an der UDE - September 2021 bis März 2026
Professor für Erziehungswissenschaft, Schwerpunkt Schulpädagogik an der Universität Siegen dort außerdem: Direktor des Zentrums für Lehrkräftebildung und Bildungsforschung (2024-2025) - Februar 2018 bis August 2021
an der Universität Vechta: Professor für Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik sowie Direktor des Zentrums für Lehrer*innenbildung (2019-2021) - Dezember 2009 bis Januar 2018
Akademischer Rat am Institut für Allgemeine Didaktik und Schulforschung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln - April 2015 bis März 2016
Vertretung der Professur für Allgemeine Didaktik und Theorie der Schule am Bonner Zentrum für Lehrer*innenbildung der Universität Bonn - Oktober 2006 bis November 2009
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeine Didaktik und Schulforschung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln
- Habilitation (2018): „Theorie der Didaktik“
- Promotion (2008) zum Dr. phil.: „Sind die traditionellen Lehrpläne überflüssig? Zur lehrplantheoretischen Problematik von Bildungsstandards, Kernlehrplänen und Vergleichsarbeiten“
- Magisterstudium (1999-2005) der Pädagogik, Philosophie und Soziologie an der Universität zu Köln
Weitere Informationen:
Institut für Schulentwicklung, Prof. Dr. Daniel Scholl, Tel. 0201/18-34582, daniel.scholl@uni-due.de
Redaktion: Dr. Alexandra Nießen, Tel. 0203/37-91487, alexandra.niessen@uni-due.de