Aktuelle Forschungsprojekte

Prof. Dr. Frank Becker

Menschenökonomie". Arbeitswissen und Arbeitspraktiken in Deutschland 1925-1945

Seit dem Ersten Weltkrieg wurde die menschliche Arbeitskraft zunehmend als eine Ressource begriffen, die nachhaltig bewirtschaftet werden musste. Unterschiedliche Formen des Vorsorgehandelns sollten sicherstellen, dass die Arbeitenden nicht ausbrannten, sondern ihre Arbeitsenergie dauerhaft behielten. Das Projekt untersucht dieses Vorsorgehandeln am Beispiel der Weimarer Republik und der NS-Zeit.

Marcus Coesfeld, M.Ed.

Kampfsport im Deutschen Reich

Die Geschichte der Kampfsportarten im Deutschen Reich ist bislang kaum erforscht. Bei dem Projekt handelt es sich um eine kulturhistorische Betrachtung der öffentlichen Debatten um die Sportarten Boxen, Ringen, Jiu-Jitsu, Judo und Fechten.

Lena Heerdmann, M.A.

Der Blick auf den Nationalsozialismus vor Ort. Erfahrungsgeschichte und Alltagswahrnehmung untersucht am Beispiel der Aufzeichnungen eines Viersener Volksschullehrers 1929-1938

Für Volksschullehrer wird aufgrund der hohen Resonanz völkisch-mythologischer Narrativen in ihrem Milieu häufig eine prädestinierte Nähe zum Nationalsozialismus angenommen. Gleichzeitig lagen die Wahlergebnisse der NSDAP am katholischen, durch die Zentrumspartei geprägten linken Niederrhein bei den Reichstagswahlen 1932 und 1933 deutlich unter dem reichsweiten Durchschnitt. Das von der Heresbach-Stiftung geförderte Dissertationsprojekt untersucht anhand von Aufzeichnungen eines katholischen Volksschullehrers aus Viersen das Spannungsfeld zwischen Nationalsozialismus, Schulalltag, Katholizismus und „Heimatkunde“ am Niederrhein in der Zeit zwischen 1929 und 1938. Dabei soll insbesondere nach persönlichen Lebenswelten, Umbrüchen, Netzwerken, Handlungsspielräumen und Zukunftsentwürfen gefragt werden. 

Angela Luise Heinemann

Gemeinschaft bewahren in ungewisser Zukunft-Turner und Burschen im frühen 19.Jahrhundert (1811-1820)

Die Berliner Turner und die Jenaer Urburschenschaft bildeten völlig neue Formen von Gemeinschaft aus und waren höchst heterogene Gruppen, was die führenden Protagonisten vor eine schwierige Aufgabe stellte. Der Zusammenhalt musste gestärkt, ein einheitliches Denken und Fühlen befördert werden. Vor diesem Hintergrund untersucht das  Dissertationsprojekt verschiedene Stabilisierungspraktiken, wie beispielsweise das Singen patriotischer Lieder. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Rolle und Funktion von Gefühlen und Emotionen.

Moritz Herzog-Stamm

Die Gegenwart ordnen, die Zukunft schaffen. Die politischen Beamten Badens und Preußens, 1918-1932

Die Beamtenschaft des Kaiserreichs und seiner Gliedstaaten überstand die Novemberrevolution 1918/19 bekanntermaßen recht unbeschadet. Ein großflächiger Austausch der „alten Verwaltung“ unterblieb, sodass sich die wilhelminisch sozialisierte Beamtenschaft plötzlich als Diener eines neuen Staates wiederfand. Das Projekt nimmt diese Kontingenzerfahrung als Ausgangspunkt und fragt am Beispiel der Verwaltungseliten Badens und Preußens nach den Strategien, mit denen die Akteure versuchten, nach der Revolution Handlungsfähigkeit und Deutungshoheit über das Geschehen wiederzuerlangen. Besonders im Fokus steht hierbei die Selbstverortung der alten Beamtenschaft im „neuen Staat“ und damit verbunden die Frage danach, wie versucht wurde, tradierte Vorstellungen von Verwaltung und Beamtentum erfolgreich mit der neuen republikanischen Staatsform zu synchronisieren.

PD Dr. Claudia Hiepel

Die grenzüberschreitende und interregionale Zusammenarbeit in einem „Europa der Regionen"

„Die grenzüberschreitende und interregionale Zusammenarbeit in einem „Europa der Regionen“ gehört zu einem der wichtigen Politikfelder der Europäischen Union. Exemplarisch werden die Euregios im deutsch-niederländischen Grenzgebiet seit den 1950er Jahren in den Blick genommen. Es wird nach ihrer Rolle im europäischen Integrationsprozess gefragt wie nach ihrem Beitrag zur Herausbildung neuer „euregionaler“ Identitäten und Raumwahrnehmungen.“

Max Keilhau

Mediale Kontroversen um geschlechtliche (Un-)Eindeutigkeit. Transsexualität und Transvestitismus in der Medienberichterstattung der BRD (1970-2000)

Die Möglichkeiten geschlechtsanpassender Operationen wurden in der BRD seit den 1970er Jahren zunehmend popularisiert. Zugleich forderten Phänomene geschlechtlicher Ambiguität die medialen Beobachtungsinstanzen heraus, schien doch die Anwendung tradierter Zuordnungsmechanismen – in der binären Codierung ‚Frau/Mann‘ – zu misslingen. Im Jahr 1980 folgte mit der Verabschiedung des sogenannten Transsexuellengesetzes (TSG) ein legislativer Kulminationspunkt, der Geschlechtsanpassungen eine juristische Form gab. Zielsetzung des Dissertationsprojektes ist es, die medialen Beobachtungsformen und Narrative über Transsexualität und Transvestitismus in Printmedien sowie Fernseh- und Radiobeiträgen zu dechiffrieren.

Constantin März

Vorhersagen des „Undenkbaren“. Produktion, Charakter und Funktion von Nuklearkriegsszenarien als Kontingenzbewältigung in den USA des Kalten Krieges (1957 - 1987)

Die Existenz von nuklearen Massenvernichtungswaffen und der (zumindest) ideell existente Willen zu deren Einsatz erzeugten im Kalten Krieg immense Kontingenzüberschüsse. Das Forschungsprojekt betrachtet hierbei Szenarien der nuklearen Eskalation als Lösungskonzepte, mit denen dieses Übermaß an Zukunft bewältigt wurde oder bewältigt werden sollte. Es richtet dabei den Blick auf jene Akteure und Institutionen, die mit der übergeordneten Praxisform des Erstellens von Szenarien beschäftigt waren. Dabei drehte es sich letztlich um den vermeintlichen Tag X und die Frage nach einer/der Zukunft danach. Zentraler Untersuchungsgegenstand sind somit Kalkulationen des Nuklearkrieges, die in der U.S.-amerikanischen Öffentlichkeit, Wissenschaft und politisch-militärischen Sphäre zwischen 1957 und 1987 zirkulierten.

Hendrik Schemann

Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens 1933-1938: Ausbrechen aus der Nation – Aufbrechen in die Welt

Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V.) entwickelte sich von seiner Gründung 1893 bis hin zu seiner Zwangsauflösung 1938 zeitweise zur größten Organisation des deutschen Judentums. In ihm fanden sich die akkulturierten deutschen Jüdinnen und Juden zusammen und kämpften für den Erhalt ihrer rechtlichen Emanzipation und gegen jede Form des Antisemitismus. In der NS-Zeit konnten sich der C.V. und seine Mitglieder angesichts zunehmenden Verfolgungsdrucks auch einer transnationalen Vernetzung nicht verschließen: zum einen, um den Emigrationsforderungen der Mitglieder nachzukommen, zum anderen, um weitere Verbündete im eigenen Existenzkampf zu finden. Das Projekt fragt nach dieser zunehmenden nationalen und transnationalen Vernetzungen des C.V.  und ihrer Bedeutung für die Handlungen und Zukunftsvorstellungen des Vereins in Zeiten größter Bedrängnis.

Anna Maria Schmidt

Von den Chancen und Risiken des Erbsenzählens. Gentechnologie als Fall menschen-gemachter Kontingenz

Aufgrund eines seit den ausgehenden 1970er Jahren gemeinsam empfundenen Informationsdefizits gründeten sich zahlreiche gesellschaftliche Akteursgruppen, die Wissen über die Chancen und Risiken der Gentechnologie sammelten, organisierten und verbreiteten. Die Entstehung dieser Initiativen, ihre Organisations- und Kommunikationsstrukturen, die Formen der Wissenssammlung und –organisation sowie ihre politischen Einflussmöglichkeiten stehen im Zentrum des Dissertationsprojekts.

Dominik Sekulak, M. A.

Nationale Identität im Wandel. Gouvernementale Selbstwahrnehmung in der Zeit des Verfalls des British Empires. 1936- 1958.

Das British Empire hatte im Jahre 1922 seine größte Ausdehnung erreicht und umfasste fast ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung. Zudem übte Großbritannien einen großen Einfluss auf andere Staaten, beispielsweise in Europa, aus. Doch schon während des Zweiten Weltkriegs und seinen Folgen zeichnete sich eine Verschiebung des weltweiten Einflusses zugunsten der neuen Weltmächte USA und UdSSR ab. Dieses Dissertationsprojekt untersucht anhand von Protokollen der britischen Kabinettssitzungen sowie Briefen und Memoiren britischer Regierungsmitglieder, wie diese den steten Verfall der britischen Weltmacht wahrnahmen. Zeitlich eingegrenzt wird diese Arbeit durch die Ereignisse der Rheinlandbesetzung (1936) bis zur Suezkanalkrise und dem Test der ersten britischen Wasserstoffbombe (1957).

Anna Strommenger, M.A.

Zwischen revolutionärem Aufbruch und nationaler Integration. Heimatkonzepte der deutschsprachigen sozialistischen Arbeiterbewegung (1863-1933)

Das Dissertationsprojekt fragt nach der Bedeutung verschiedener Heimatkonzepte in der deutschsprachigen sozialistischen Arbeiterbewegung. Von besonderem Interesse ist dabei das Wechselspiel der Lancierung alternativer Konzepte von Heimat einerseits, der Adaption bürgerlicher Konzepte von Heimat andererseits. Ein solches Forschungsvorhaben ermöglicht nicht allein eine umfassendere Bewertung der virulenten Heimatdiskurse in Kaiserreich und Weimarer Republik, sondern erlaubt es ebenfalls, den aktiven Umgang der Arbeiterbewegung mit Zukunftsunsicherheit zu problematisieren.

abgeschlossene Forschungsprojekte

Arno Barth

Der lange Weg „des Westens" zum Bevölkerungsaustausch von Lausanne

Dieses Projekt soll der Frage nachgehen, wie und warum es in den frühen 1920er Jahren zu dieser völkerrechtlich sanktionierten Zwangsmigration von über 1,5 Millionen Menschen kam. In den Mittelpunkt stellt die Studie dabei die Rolle der westlichen Hauptalliierten des Ersten Weltkrieges und der entstehenden internationalen Gemeinschaft, institutionalisiert durch den frühen Völkerbund.

Dr. Antonia Gießmann-Konrads

England im politischen Humor deutscher Karikaturen

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich damit, wie England im politischen Humor deutscher Karikaturen wahrgenommen wurde. Anhand dreier Fallbeispiele im Zeitraum von 1853 bis 1902 werden Entstehungsbedingungen und Wandel des englandbezogenen Humors untersucht. Welche Funktion er dabei als Kommunikationsmedium übernahm, ist von besonderem Interesse. Methodisch baut die Arbeit auf Erkenntnisse der aktuellen Humorforschung auf.

Dr. Darius Harwardt

Amerikabilder deutscher Rechtsintellektueller in der Bundesrepublik

Das Forschungsprojekt untersucht die ideologischen Modernisierungsbestrebungen rechtsintellektueller Netzwerke in der Bundesrepublik anhand ihrer Amerikabilder. Amerikabilder werden als analytische Sonde verstanden, um einen Zugriff auf das politische Selbstverständnis verschiedener Rechtsintellektueller zu erhalten. Anhand von Fallbeispielen wie der Debatte um den NATO-Doppelbeschluss Anfang der 1980er Jahre oder dem 11. September 2001 und den daran anschließenden Irakkrieg wird gefragt, wie und in welchen Kontexten Amerikabilder zur Anwendung kamen und welche politischen Deutungen damit transportiert wurden.

Professur der
Abteilung

Prof. Dr. Frank Becker

Sekretariat: Stephanie Hück

apl. Professoren

Prof. Dr. Claudia Hiepel

Juniorprofessur

Jun.-Prof. Dr. Berna Pekesen

Wissenschaftliches
Personal

Dr. Arno Barth

Angela Heinemann (DFG-GRK 1919)

Moritz Herzog-Stamm (DFG-GRK 1919)

Max Keilhau (DFG-FOR 2600)

Dr. Anna Michaelis

Constantin März (DFG-GRK 1919)

Hendrik Schemann (DFG-GRK 1919)

Anna M. Schmidt (DFG-GRK 1919)

Anna Strommenger (DFG-GRK 1919)

Privatdozenten

PD Dr. Stefan Müller

PD Dr. Henning Türk

Ehemaliges wissenschaftliches Personal

Prof. Dr. Simone Derix

Dr. Antonia Gießmann-Konrads

Dr. Darius Harwardt

Publikationen

Chronologische Publikationsliste der Mitarbeiter/Innen am Lehrstuhl für die Neuere und Neueste Geschichte.

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