Constantin Maximilian März

GeiWi/Hist. Inst.

Anschrift
Universitätsstr 2
45117 Essen
Raum
R09 S03 B80

Funktionen

  • Doktorand/in, Geschichte

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Projektskizze In Zeiten „undenkbarer“ Zukunft. Produktion, Charakter und Funktion von Nuklearkriegsszenarien als Kontingenzmanagement in den USA des Kalten Krieges (1957 - 1987)

Der Kalte Krieg als Epoche des globalen Systemgegensatzes zwischen zwei hochgerüsteten Machtblöcken, barg in wechselnder Intensität stets die Potentialität einer zukünftigen Eskalation in sich. Er verlief dabei „im Schatten der Bombe“[1] oder stand „im Bann einer apokalyptischen Vision, von der man nicht müde wurde zu behaupten, sie sei 'ganz real' – und vor allem auch 'ganz nah'“[2]. Diese Alternative Nuklearkrieg, in der „gegenwärtige Zukunft“ und „zukünftige Gegenwart“[3] ineinander flossen, besaß in Bezug auf ihre umfassenden destruktiven Konsequenzen einen durchaus totalen Charakter. Herman Kahn, damaliger Vordenker des “Undenkbaren”, schrieb zu dieser Totalitätsannahme im Jahr 1962: „The deterring or fighting of a thermonuclear war certainly needs specialists in and out of uniform; but it involves all of us and every aspect of society.”[4] Diese Untersuchung richtet den Blick auf jene US-amerikanischen Individuen, Gruppen und Institutionen, die sich mit der übergeordneten Praktik des Entwerfens von Nuklearkriegsszenarien beschäftigten. Vier übergeordnete Akteursgruppen lassen sich hier identifizieren, differenzieren und miteinander in Verhältnis setzen; dies nicht nur in Bezug auf unterschiedliche Bewältigungskonzepte von nuklearer Zukunft, sondern auch den Fortpflanzungsprozess von Ideen. Bei jenen Gruppen handelt es sich um: A. Politisch-militärische Sicherheitsinstitutionen / B. Transversale Wissensinstitutionen / C. Konservativer/(Republikanischer) Aktivismus / D. Liberaler/(Demokratischer) Aktivismus. Alle vier traten im Verlauf der Untersuchungszeitraumes 1957-1987 als Produzenten von thermonuklearem Zukunftswissen in Erscheinung, illustrieren die Transformations- und Fortpflanzungsprozesse von atomaren Zukunftsbildern und suchten die politische Gegenwart ihrer Zeit durch den Einsatz von Szenarien zu beeinflussen. Übergreifend fokussiert sich die Untersuchung auf die Rationalisierung und Irrationalisierung des Atomkrieges als „Denkbarkeit“. Dabei geht es um die gesamtgesellschaftliche Popularisierung der Auseinandersetzung mit einer atomaren Zukunft und die Frage, wie die Akteure die Notwendigkeit artikulierten, sich einer solchen Zukunft zu stellen. Der Innovationsgehalt des Projekts ergibt sich aus a) der breiten Akteursauswahl über Grenzen zwischen militärisch, staatlich und zivil hinweg, b) den Szenarien und ihren Erschaffern als dezidierter Ausgangsbasis sowie Ankerpunkt des Untersuchungswinkels, c) dem dabei in vier Perspektiven inhärenten Fokus auf den Umgang mit Kontingenz über den Wechsel von frühem Kalten Krieg, Entspannungsphase und Zweitem Kalten Krieg hinaus. Das Untersuchungsdesign zielt aber nicht auf eine bloße lineare Abhandlung darüber ab, welche Szenarien zu welchem Zeitpunkt von welchem Akteur in welchen Teilen des Quellenapparats aufgefunden werden können. Vielmehr soll es beim Umgang mit dem ultrakontingenten Sachverhalt Nuklearkrieg um die in den Szenarien enthaltenen Bewältigungslogiken, Denkweisen, Grundannahmen, Selbst- und Fremdverständnisse, Handlungsimperative, Lösungskonzepte oder Zukunftsbilder gehen.

 

[1] Mattfeldt, Rudolf: Politik im Schatten der Bombe, München 1963.

[2] So die Kulturwissenschaftlerin Eva Horn: Horn, Eva: Die apokalyptische Fiktion. Weltende und Zukunftsmodellierung im Kalten Krieg, in: Patrick Bernhard/Holger Nehring (Hg.): Den Kalten Krieg denken. Beiträge zur sozialen Ideengeschichte seit 1945, (Frieden und Krieg. Beiträge zur historischen Friedensforschung, Bd. 19), Essen 2014, S. 43-61, hier: S. 43.

[3] In Anlehnung an den Gesellschaftstheoretiker Niklas Luhmann. Siehe: Luhmann, Niklas: Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität, (UTB, Bd. 2185), Stuttgart ⁴2000, S. 24.

[4] Kahn, Herman: Thinking About the Unthinkable, New York, NY 1962, S. 34.

Project Layout In Times of "Unthinkable" Future. Production, Character, and Function of Nuclear War Scenarios as Contingency Management in the Cold War United States (1957 - 1987)

The Cold War period with its global systematic contrast of two highly armed opposing power blocks bore in itself, with varying intensity, the potential of future escalation. It was domineered by the “shadow of the bomb”[1] and “under the spell of an apocalyptic vision one never tired of claiming that it was 'very real' and above all 'very close'”[2]. The nuclear war alternative merged “present future” and “future present”[3] into one and with respect to its overwhelming destructive consequences its character was truly total. Herman Kahn – then pioneer of the “unthinkable” – wrote on this assumption in 1962: “The deterring or fighting of a nuclear war certainly needs specialists in and out of uniform; but it involves all of us and every aspect of society.”[4] This study focuses on those U.S. individuals, groups, and institutions that engaged in the overarching practice of designing nuclear war scenarios. Four groups of actors can be identified, differentiated, and related here; not only in terms of different coping concepts of nuclear futures, but also regarding the propagation of ideas. Those are: A. Political-Military Security Institutions / B. Transversal Knowledge Institutions / C. Conservative/(Republican) activism / D. Liberal/(Democratic) activism. All four generated thermonuclear future knowledge over the course of the study period 1957-1987, illustrating the transformational and reproductive processes of nuclear futures and seeking to influence the political present of their time through the use of scenarios. The comprehensive study focuses on the rationalization and irrationalization of nuclear war as "thinkability." It also takes a close look at how discussing a nuclear future became popular across U.S. society and how actors articulated the need to confront such a future. The innovative nature of the project results from a) the broad selection of actors across military, state, and civilian boundaries, b) the scenarios and their creators as a decided starting point as well as an anchor point of the angle of investigation, c) the inherent focus on dealing with contingency across the change from early Cold War, détente phase, and Second Cold War in four perspectives. The research design, however, does not aim at a mere linear treatise on which scenarios can be found at which point in time by which actors in which parts of the source apparatus. Rather, in dealing with the ultra-contingent facts of nuclear war, the focus is on coping mechanisms, ways of thinking, basic assumptions, understanding of self and others, imperatives for action, concepts for solutions, or images of the future contained in the scenarios.

 

[1] Mattfeldt, Rudolf: Politik im Schatten der Bombe, München 1963.

[2] As put by the cultural scientist Eva Horn: Horn, Eva: Die apokalyptische Fiktion. Weltende und Zukunftsmodellierung im Kalten Krieg, in: Patrick Bernhard/Holger Nehring (Eds.): Den Kalten Krieg denken. Beiträge zur sozialen Ideengeschichte seit 1945, (Frieden und Krieg. Beiträge zur historischen Friedensforschung, Vol. 19), Essen 2014, pp. 43-61, here: p. 43.

[3] Based on the concept by Niklas Luhmann. See: Luhmann, Niklas: Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität, (UTB, Vol. 2185), Stuttgart ⁴2000, p. 24.

[4] Kahn, Herman: Thinking About the Unthinkable, New York, NY 1962, p. 34.

Curriculum Vitae Lebenslauf

Seit November 2019

Universität Duisburg-Essen: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg 1919: "Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln"

August 2019 – Oktober 2019

Eberhard Karls Universität Tübingen: Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rahmen des DFG-Sonderforschungsbereichs 923: „Bedrohte Ordnungen“, Kurzzeitprojekt im Rahmen einer Auslauffinanzierung (Americanist Extremism? Barry Goldwater und Donald Trump.)

Juli 2019

Eberhard Karls Universität Tübingen: Abschluss des Master of Arts Geschichtswissenschaft, Schwerpunkt: Neuere und Neueste Geschichte, Masterarbeit: Herman Kahns Hauptwerk „On Thermonuclear War“ als zeitgeschichtliches Denkkonzept des Undenkbaren - Wirkung und Transformation seiner Thesen im ersten und zweiten Kalten Krieg (1957-1986). Eine Untersuchung über die Vorstellungswelten des Nuklearkrieges in den Vereinigten Staaten von Amerika und das Ringen um die Deutungshoheit über das Unvorstellbare, Betreuer: Prof. Dr. Georg Schild und Jun. Prof. Dr. Johannes Großmann

September 2015

Eberhard Karls Universität Tübingen: Abschluss des Bachelor of Arts Geschichtswissenschaft (Hauptfach) und Internationale Literaturen (Nebenfach), Bachelorarbeit: Neukonzeption des Undenkbaren: Der Niedergang der Mutual Assured Destruction-Doktrin und der nukleare Paradigmenwechsel von Presidential Directive/NSC-59 im Kontext der Debatte um die sowjetische Nukleardoktrin in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre, Betreuer: Prof. Dr. Georg Schild

Studentische Hilfstätigkeiten, Praktika und Projektarbeit

Oktober 2016 – September 2018

Tätigkeit als studentische Hilfskraft am Seminar für Zeitgeschichte der Eberhard Karls Universität Tübingen. Arbeit als Mentor, Tutor und Recherchekraft für die Lehrstühle von Prof. Dr. Jan Eckel, Prof. Dr. Georg Schild sowie Jun. Prof. Dr. Johannes Großmann

April 2019 – Juni 2019

Praktikum am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Tätigkeit für Dr. Frank Reichherzer

April 2016 – Juli 2016 und September 2016 – Dezember 2016

Praktikum am Institut Culturel Franco-Allemand (ICFA). Tätigkeit im Bereich Assistenz des Direktors Dr. Matthieu Osmont. Parallel zum Praktikum Forschungsprojekt zur Lokalgeschichte des ICFA

 Juli 2015 – Oktober 2015

Mitarbeit am Public History-Projekt Die Franzosen in Tübingen, (www.franzosen-tuebingen.de) des Seminars für Zeitgeschichte und des ICFA, beide Tübingen

Veröffentlichungen

Fachwissenschaftlich

März, Constantin: Americanist Exeptionalism: Goldwaterism (1964) und Trumpism (2016), [Aufsatz in Vorbereitung]

März, Constantin: Die mongolische Herausforderung der christlich-lateinischen Episteme. Religiösideologische Fremdheitserfahrung in den Reiseberichten von Carpini, Rubruk und Polo, in: Ellen Widder/Richard Winkler (Hg.): Ansätze zur Globalgeschichte des Mittelalters [in Vorbereitung]

Populärwissenschaftlich

März, Constantin/et al.: 70 Jahre. Das Institut Culturel Franco-Allemand, 1946-2016: Eine wechselhafte Geschichte, Tübingen 2016 [Eigenpublikation des ICFA]

Vorträge

10.09.2021, The Team B Experiment and its Strategic Aftermath: Controversies on US Nuclear Threat Assessment between Intelligence, Military and Government (1976-1980), Online-Tagung: The Clandestine and the Military since the 19th Century: Actors and Actions between “Information” and “Intelligence”, Annual Conference of the Arbeitskreis Militärgeschichte e. V. in Cooperation with the Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Nachrichtendienste, and the Universität der Bundeswehr München, Center for Intelligence and Security Studies

30.11.2020, Essen: Fortschritt und Stand des Dissertationsprojektes Vorhersagen des „Undenkbaren“, Kolloquium zur Neueren und Neuesten Geschichte/Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Duisburg-Essen

09.09.2020, Berlin: Vorhersagen des „Undenkbaren“. Produktion, Charakter und Funktion von Nuklearkriegsszenarien als Kontingenzmanagement in den USA des Kalten Krieges (1957 – 1987), Workshop “Cold War Studies” für Nachwuchswissenschaftler*innen, organisiert von: Berliner Kolleg Kalter Krieg/Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, Veranstaltungsort: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Blog

  • WarGames und DEFCON, Kriegsspiel/Spielkrieg. Über Simulationen einer sehr speziellen historischen Zukunftspraktik: thermonuklearen Krieg führen", Beitrag vom 03.02.2020, hier abrufbar: https://grk1919.hypotheses.org/800

Forschungsinteressen

  • Kulturgeschichtliche Blickwinkel auf die Militärgeschichte
  • Ideengeschichte sozialer Bewegungen
  • „Cold War Studies“/Globalgeschichte des Kalten Krieges
  • Visual History
  • US-amerikanische Außenpolitik und politischer Wettbewerb seit 1945
  • Geschichte der beiden deutschen Staaten von 1945 bis 1990

Betreuende Forscher

1. Betreuerin: Prof. Dr. Frank Becker

2. BetreuerIn: Prof. Dr. Christoph Marx