Post-Doc Dr. Tilman Haug

Historisches Institut; DFG-GK 1919
Anschrift
Universitätsstr. 2
45141 Essen
Raum
R09 S03 B78
Sprechzeiten
n.V.

Funktionen

  • Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in, Geschichte

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Habilitations-Projekt Die politische Ökonomie des Zufalls – Eine Kommunikations- und Praxisgeschichte der Lotterie in Deutschland und Europa (1700–1815)

Lotterien sind ein bis in die jüngste Zeit in der historischen Forschung unterschätztes und bislang eher punktuell untersuchtes, gerade im 18. Jahrhundert jedoch europaweit omnipräsentes ökonomisches und kulturelles Phänomen. An diesen in verschiedensten Formen vor allem als obrigkeitlichen Klassen-, Leibrenten- oder Zahlenlotterien durchgeführten Spielen beteiligten sich breite Kreise der Bevölkerung. Lotterien waren im Alten Reich wie in ganz Europa „Produkt, Symptom und Triebfeder“ (Mark Lutter) politisch-ökonomischer Wandlungsprozesse, indem sie neue Formen von Staatseinnahmen, Schuldenverwaltung und öffentlicher Wohlfahrtsfinanzierung ermöglichten oder die Entstehung von Konsumgesellschaften begleiteten. Insbesondere an den Zahlenlotterien entzündeten sich aufklärerische Debatten um die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft sowie um die Legitimität von Praktiken des frühmodernen Fiskalstaats und seine Grenzen.

Als aufwendige, oftmals territorienübergreifende Massengeldspiele mit hohen Teilnehmerzahlen stellten sie die betreibenden Obrigkeiten bzw. die von ihnen beauftragten Unternehmer jedoch auch vor enorme organisatorische Herausforderungen, die differenzierte und komplexe Organisationen hervorbrachten, in denen eine Vielzahl von Akteuren Prozesse des Organisierens durch Formen von „Mit-Unternehmerschaft“ und andere agencys ausgestalteten, und die gerade in den Territorien des Reiches oftmals auf konfliktbeladenen politischen und ökonomischen Kräftefeldern operierten.

Diese Prozesse untersucht das Projekt mit praxeologischen und organisationssoziologisch inspirierten Ansätzen vornehmlich an preußischen, kursächsischen und württembergischen Fallbeispielen. Das Projekt wird neben Planungs- und Entscheidungshandeln um die Einführung von Lotterien, die auch das zeitgenössische Phänomen der Projektemacherei betreffen, auch Praktiken der Koordination und Kontrolle der für die Annahme von Spielen bzw. den Verkauf von Losen und zuständigen weitläufigen kommerziellen Netzwerke in den Blick nehmen. Ebenso werden die personal- und papieraufwendigen bürokratische Praktiken des Zählens und Rechnens und des Risiko-Managements zeitgenössischer Zahlenlotterien in ihren Rückwirkungen auf administrative Prozesse des Organisierens betrachtet. 

Dabei eröffnet das Projekt auch neue Perspektiven auf das Handeln zeitgenössischer Obrigkeiten, die hier als unternehmerische, vom Vertrauen des «Publikums» abhängige Akteure mit diesem als Konsumenten bzw. Investoren kommunizierten, zugleich aber auch dessen Verhalten zu steuern suchten, um Konkurrenz einzudämmen und negative soziale und ökonomische Konsequenzen des Lotterie-Spiels zu regulieren. Das Projekt wird hierbei auch die Rolle von sozialmoralischer Kritik an Lotterien und deren Gebrauch durch verschiedene Akteursgruppen untersuchen.

Forschung

  • Abgeschlossene Dissertationsprojekt: „Amis et serviteurs du Roi – Asymmetrische Außenbeziehungen und grenzüberschreitende Patronage zwischen der französischen Krone und den geistlichen Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches 1648 -1679“.
  • Habilitationsprojekt: Die politische Ökonomie des Zufalls – Eine Kommunikations- und Praxisgeschichte der Lotterie in Deutschland und Europa (1700 – 1815).

Bildungsweg

  • Oktober 2012: Promotion (Erstgutachter: Prof. Dr. Christian Windler; Zweitgutachterin: Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger; Prädikat: summa cum laude).
  • Oktober 2007-Mai 2012: Doktoratsstudium an der Universität Bern
  • Juni 2007: Magister in Neuerer und Neuester Geschichte und Philosophie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Abschluss mit Bestnote 1,0)
  • Okt. 2001-Sept. 2007: Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und der Philosophie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS), Paris
  • Juni 2000: Abitur am Bildungszentrum Nord, Gymnasium, Reutlingen

 

Stipendien und universitäre Anstellungen

  • Seit November 2018: Post-Doktorand am Graduiertenkolleg 1919 « Vorsorge Voraussicht Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln» an der Universität Duisburg-Essen.
  • Oktober 2014 – Oktober 2018: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger).
  • Juni 2013-Juli 2013: Forschungsaufenthalt an der École Pratique des Hautes Études (Einladung: Prof. Dr. Jean-Claude Waquet)
  • Juni 2012 – September 2014: Wissenschaftlicher Assistent an der Abteilung für Neuere Geschichte des Historischen Instituts der Universität Bern (Prof. Dr. Christian Windler)
  • Jan.-Mai 2012: Mitarbeiter im SNF-Forschungsprojekt „Verstaatlichung von Aussenbeziehungen“ an der Universität Bern (Leitung: Prof. Dr. Christian Windler)
  • Nov.-Dez. 2011: Wissenschaftlicher Assistent an der Abteilung für Neuere Geschichte der Universität Bern (Prof. Dr. Christian Windler)
  • Juni-Nov. 2011: Promotionsstipendium des Instituts für Europäische Geschichte, Mainz, Abteilung für Universalgeschichte
  • Mai 2010- Mai 2011: Mitarbeiter am SNF-Forschungsprojekt „Verstaatlichung von Aussenbeziehungen“ an der Universität Bern (Leitung: Prof. Dr. Christian Windler)
  • April 2008-April 2010: Promotionsstipendium der Gerda-Henkel-Stiftung
  • Okt. 2007-April 2008: Wissenschaftlicher Assistent an der Abteilung für Neuere Geschichte der Universität Bern (Prof. Dr. Christian Windler)
  • Okt. 2006-Sept.2007: Tätigkeit als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte des Romanischen Westeuropa an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau (Prof. Dr. Jörn Leonhard) / Mitarbeit im Forschungsprojekt „Empires. Chancen und Krisen multiethnischer Großreiche im 19. und frühen 20. Jahrhundert“ (Leitung: Prof. Dr. Jörn Leonhard / PD Dr. Ulrike von Hirschhausen)
  • Okt. 2003-Sept. 2004: Tätigkeit als studentische Hilfskraft an der Professur für Geschichte des Romanischen Westeuropa an der Albert- Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau (Prof. Dr. Christian Windler)

Organisation von Tagungen und Tagungs-Sektionen

  • (gemeinsam mit Christian Windler und Nadir Weber) Tagung: Protegierte und Protektoren. Asymmetrische politische Beziehungen zwischen Partnerschaft und Dominanz (16. bis frühes 20. Jahrhundert)" (Bern, 3. – 5.4.2014).
  • (gemeinsam mit André Krischer): Tagung: Höllische Ingenieure – Attentate und Verschwörungen in kriminalitäts-, entscheidungs- und sicherheitsgeschichtlicher Geschichte (Münster, 3. – 5.12.2015).
  • (gemeinsam mit Mona Garloff): Kongress-Sektion: Neue Perspektiven auf irreguläre Markt- und Handelspraktiken im zentraleuropäischen Raum 1650-1800 (II. Kongress für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Integration und Desintegration Europas: Wirtschafts- und sozialhistorische Beiträge, Bonn, 20.4.2017)
  • (gemeinsam mit Christine Fertig): Tagung: Materielle Kultur in Bewegung. Transformative Bedeutung von Grenzüberschreitung (2. Arbeitstagung des Arbeitskreises Materielle Kultur und Konsum, Münster, geplant für: 9.-11.11.2017).

Weitere Stipendien

  • Juni 2013-Juli 2013: „Short stay“- Mobilitätsstipendium des Schweizer Nationalfonds in Paris zur Vorbereitung des PostDoc- Projektes Die politische Ökonomie des Zufalls – Frühneuzeitliche Lotterien zwischen Staatsfinanz, Spekulation und „Spielteufel“
  • August 2006-September 2006:  Förderstipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks in Paris zur Vorbereitung der Magisterarbeit.

Sonstige wissenschaftliche Aktivitäten

  • Inhaltliche und konzeptionelle Mitarbeit im Fachbeirat der Ausstellung «Wege zum Frieden» im LWL-Museum in Münster.
  • (gemeinsam mit Matthias Pohlig und Michael Sikora): Mitarbeit an Planung und Aufbau der Internetdatenbank «MueHSam» für historische Quelleneditionen.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monographie:

  • Ungleiche Außenbeziehungen und grenzüberschreitende Patronage. Frankreich und die geistlichen Kurfürsten 1648 – 1679 (Externa, 6), Köln / Weimar / Wien 2015 (538 S.)

Sammelbände / Herausgeberschaften:

  • (zusammen mit Nadir Weber und Christian Windler, Bern): Protegierte und Protektoren. Asymmetrische politische Beziehungen zwischen Partnerschaft und Dominanz (16. bis frühes 20. Jahrhundert), Köln / Weimar / Wien 2016.
  • (zusammen mit André Krischer): Höllische Ingenieure – Attentate und Verschwörungen in kriminalitäts-, entscheidungs- und sicherheitsgeschichtlicher Perspektive, Konstanz 2020 (in Vorbereitung).
  • Neue Diplomatiegeschichte (Basis-Texte Frühe Neuzeit), Stuttgart 2020 (in Vorbereitung).  

Aufsätze:

  • Vertrauen und Patronage in den diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und den geistlichen Kurfürsten in den ersten Jahrzehnten nach dem Westfälischen Frieden (1648 – 1679), in: Zeitschrift für Historische Forschung 39,2 (2012), S. 215–254.
  • „Plus d'amitié et de confiance que jamais“ ‐ Dimensionen der Freundschaft in den Beziehungen Frankreichs zum Heiligen Römischen Reich zwischen den Friedensschlüssen von Westfalen und Nimwegen (1648‐1679), in: Bertrand Haan / Christian Kühner (Hrsg.): Freundschaft. Eine politisch‐soziale Beziehung in Deutschland und Frankreich. DHIP discussions 8 (2013) (online‐publication auf perspectivia.net)
    Link:  http://www.perspectivia.net/publikationen/discussions/8-2013/haug_dimensionen
  • (zusammen mit Johanna Sprondel): What’s in a „promesse authentique“? Doubting and confirming authenticity in 17th century French diplomacy, in: Véronique Lacoste / Jakob R. E. Leimgruber / Thiemo Breyer (Hrsg.): Indexing Authenticity: Perspectives from linguistics and anthropology (Linguæ & Litteræ series), Berlin 2014, S. 344–365.
  • Komödianten und Ehrenmänner – Gesandte als Stellvertreter von Fürsten im 17. und 18. Jahrhundert, in: Malte Gruber / Sebastian Kühn (Hrsg.): Dreiecksverhältnisse: Aushandlung von Stellvertretung (Beiträge zur Rechts Beiträge zur Rechts‐, Gesellschafts‐ und Kulturkritik 13), Frankfurt am Main 2015, S. 177–192.  
  • Negotiating with “spirits of brimstone and saltpeter”. 17th century French political officials and their practices and representations of Anger, in: Karl A. E. Enenkel / Anita Traninger (Hrsg.): Discourses of Anger in the Early Modern Period (Intersections. Yearbook for Early Modern Studies), Leiden / Boston 2015, S. 381–402.
  • „D’égal à égal“? Französische Reichstagsgesandte zwischen europäischen und reichsständischen Repräsentationsformen, in: Harriet Rudolph u.a. (Hrsg.): Stadt – Reich – Europa. Multiple Perspektiven auf den Immerwährenden Reichstag (1663 – 1806), Regensburg 2015, S. 235–250.
  • Zweierlei Verhandlung? Zur Dynamik „externer“ und „interner“ Kommunikationspraktiken in den Beziehungen der französischen Krone zum Alten Reich nach 1648, in: Arndt Brendecke (Hrsg.): Praktiken der Frühen Neuzeit. Akteure–Handlungen–Artefakte (Frühneuzeit-Impulse, 3), Köln/Weimar/Wien 2015, S. 536–547.
  • „Theater des Friedens“, städtische Gesellschaften und ein Entführungsfall – Köln und Nimwegen als Kongressorte während des Niederländischen Krieges (1673 – 1679), in: Christian Windler (Hrsg.): Europäische Kongressorte der Frühen Neuzeit im Vergleich: Der Friede von Baden (1714), Köln / Weimar / Wien 2015, S. 189-205. 
  • Vormauern und Hintertüren – Die französische Krone und der Schutz der Reichsstände nach dem Westfälischen Frieden, in: Tilman Haug / Nadir Weber / Christian Windler (eds.): Protegierte und Protektoren. Asymmetrische politische Beziehungen zwischen Partnerschaft und Dominanz (16. bis frühes 20. Jahrhundert), Köln / Weimar / Wien 2016, S.107-123.
  • (zusammen mit Nadir Weber und Christian Windler): Einleitung, in: Dies. (eds.). Protegierte und Protektoren. Asymmetrische politische Beziehungen zwischen Partnerschaft und Dominanz (16. bis frühes 20. Jahrhundert), Köln / Weimar / Wien 2016, S.9-27.
  • Eine „Verkettung von Gedanken, zu welchen kein Mensch die Mittelglieder erraten würde“. Kleists „Zuschrift eines Predigers“ im Kontext der Problematisierungsformen von Lotterien im 18. und frühen 19. Jahrhundert. in: Kleist-Jahrbuch (2016), S.142-164.
  • Symbolisierte Beziehungen und entzauberte Gaben. Zur Praxis des Schenkens in den Außenbeziehungen Ludwigs XIV., in: Peter Hoeres / Anuschka Tischer (Hrsg.): Medien der Außenbeziehungen, Köln / Weimar / Wien 2016, S.120-143.
  • "Eine Unvereinbarkeit der Chargen“? – Wilhelm von Fürstenberg als Verräter an Kaiser und Reich, in: André Krischer (Hrsg.): Verräter – Archäologie eines politischen Deutungsmusters, Köln / Weimar / Wien 2016, S.153-174.
  • Fortuna’s little tools of knowledge. Die staatlichen Lotterien des 18. und 19. Jahrhunderts, in: Alexandre Fontaine (Hrg.): Expériences du tirage au sort en Suisse et en Europe. Un état des lieux, Bern 2018, S. 173–195.
  • Small Powers and Great Designs. Diplomacy, cross-border patronage and the negotiation of subsidy alliances in the North West of the Holy Roman Empire (late 17th century), in: Svante Norrhem / Erik Thomson (Hrgs.): Subsidies, War and Peace in Early Modern Europe, Manchester 2018 (im Druck).

  • Diplomatische Korrespondenz und Patronage im 17. Jahrhundert, in: Eve-Marie Becker et.al (Hrgs.): Handbuch Brief, 2 Bde., Berlin / New York 2020 (im Druck)

  • (zusammen mit André Krischer): Einleitung, in: Tilman Haug / André Krischer (Hrsgs.): Höllische Ingenieure – Attentate und Verschwörungen in kriminalitäts - und sicherheitsgeschichtlicher Perspektive, Konstanz 2017 (in Vorbereitung).
  • «Rasereien der Anarchie» und «moralische Krankheit». Politische Attentate und ihre Deutung und Medialisierung in Frankreich 1799–1815, in: Tilman Haug / André Krischer (Hrgs.): Höllische Ingenieure – Attentate und Verschwörungen in kriminalitäts- und sicherheitsgeschichtlicher Perspektive, Konstanz 2018 (fertiggestellt).

  • Die Medienrevolution kommt nach Krähwinkel. Intelligenzblätter und die Transformation städtischer Wirtschafts- und Alltagskommunikation im späten 18. Jahrhundert, in: André Krischer / Philip Hoffmann-Rehnitz (Hrgs.): Mediengeschichte der vormodernen Stadt, Frankfurt am Main 2020 (in Vorbereitung).

  • "Les lois ne sont plus en rapport avec cette fange de la société». Herrscherattentate und der Wandel von Praktiken und Akteuren der Sicherheit in Frankreich 1750-1815, in: Tilman Haug / André Krischer (Hrsgs.): Höllische Ingenieure – Attentate und Verschwörungen in kriminalitäts- und sicherheitsgeschichtlicher Perspektive, Konstanz 2017 (in Vorbereitung).

  • Rezensionen in Zeitschrift für Historische Forschung, Sehepunkte und Francia-Recensio.

Forschungsschwerpunkte

  • Sozial- und Kulturgeschichte von Außenbeziehungen
  • Patronage und Korruption in der Frühen Neuzeit
  • Verrat, Verschwörungen, Attentate / Sicherheitsgeschichte
  • Staatsbildung und Praktiken der Verwaltung in der Frühen Neuzeit
  • Kulturgeschichte der Ökonomie in der Frühen Neuzeit
  • Glücksspiel, Lotterien und Spekulation in der Frühen Neuzeit