Frederike Schotters

Projektskizze Chance oder Schaden - Die französische Sicherheitspolitik zwischen „New Cold War“ und „New Détente“ 1981-1990

Die französische Sicherheitspolitik der 1980er Jahre war geprägt von einem Nebeneinander ambivalenter Handlungsimpulse, die die Entspannungspolitik zwischen Ost und West mal förderten und mal blockierten. Diese Janusköpfigkeit gründete auf der Wahrnehmung der Détente als Chance, die ‚Ordnung von Jalta‘ zu überwinden, und zugleich als Risiko für die nationale Unabhängigkeit und Verteidigung Frankreichs. Während ein ‚Überleben im Kalten Krieg‘ keine grundsätzlich neue Erfahrung darstellte, verband sich mit der Erwartung, die bestehende Ordnung könne sich plötzlich auflösen, eine zusätzliche Herausforderung für die französischen Akteure. Einerseits als Bedrohung für die nationale, europäische und globale Sicherheit gesehen, stellt sich die Frage, inwieweit der antizipierte Untergang der Sowjetunion andererseits als Chance gesehen wurde, eine neue Ordnung aktiv und nach eigenen Vorstellungen mit zu gestalten.

Das Mitterrand’sche Lavieren hat in der Forschung lange Anlass gegeben, sein Handeln kontrovers und zum Teil als widersprüchlich zu charakterisieren, anstatt es auf Realitätswahrnehmungen und Zukunftsbilder zurückzuführen. Die Studie soll daher Praktiken und Medien in Beziehungsgeflechten und Kommunikationssituationen sicherheitspolitischer Akteure in den Blick nehmen, die die Perzeption von Wirklichkeit steuern. Von der konstruierten Realität leiten sich spezifische Erwartungen an die Zukunft ab, die in Handeln umgesetzt ihrerseits über spezifische Medien und Praktiken nach außen kommuniziert wurden.

Das Abwägen unterschiedlicher politischer Szenarien richtete sich darauf, Schäden durch vorausschauendes Handeln kalkulierbar zu machen und dadurch Handlungsspielräume zu eröffnen. Diese Form des Risikomanagements sollte Kontingenzen der Zukunft in Sicherheit transformieren. Mit einer neuen Perspektive auf die 1980er Jahre, in der Akteure verschiedene Ideen und Konzepte für die Neuordnung des internationalen Koordinatensystems entwickelten, soll die französische Sicherheitspolitik neu bewertet werden. Die Entwicklung von Zukunftskonzepten für eine internationale Ordnung nach dem Kalten Krieg macht diese Periode zu einer Vorgeschichte der Gegenwart und öffnet den Blick für Kontinuitäten gegenüber der Zäsur von 1989/91.

 

Curriculum Vitae Lebenslauf

  • 2006 Abitur am Gymnasium BMV-Schule in Essen
  • 2006-2010 Studium des Zwei-Fach-Bachelor Geschichte und Germanistik an der Universität Duisburg-Essen; Titel der Abschlussarbeit: „Gorbatschows Perestroika: Programm und Praxis im Wandel, 1985-1991“
  • 2008/09 Studium an der Université de Nice Sophia Antipolis
  • 2010-2013 Master-Studium der Geschichte an der Universität Duisburg-Essen; Titel der Abschlussarbeit: „Die Sicherheitspolitik der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow, 1985-1990“
  • seit März 2013 Doktorandin am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen; Arbeitstitel: „Chance oder Schaden - Die französische Sicherheitspolitik zwischen „New Cold War“ und „New Détente“, 1981-1990“, Betreuer: Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Loth
  • seit November 2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Graduiertenkolleg „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln.“ am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen
  • 21.09.2017 Disputation und Abschluss des akademischen Teils des Promotionsverfahrens
  • seit Oktober 2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere Geschichte der Eberhard Karls Universität Tübingen (Prof. Dr. Ewald Frie)

Publikationen

  • Frederike Schotters: Rezension zu Roland Dumas: Politiquement incorrect. Secrets d’État et autres confidences. Carnets 1984-2014, Paris 2015, in: Francia-Recensio 2016/1; URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2016-1/zg/dumas_schotters
  • Frederike Schotters: Die Inszenierung eines politischen Kurswechsels? Medien der relations franco-soviétiques 1981-1984, in: Peter Hoeres/Anuschka Tischer (Hrsg.): Medien der Außenbeziehungen, Köln/Weimar/Wien 2017.
  • Mitterrand’s Europe: Functions and Limits of „European Solidarity“ in French Policy During the 1980s, in: European Review of History 24 (2017) 6, S. 973-990.

Studentische/Wissenschaftliche Hilfstätigkeiten

  • Oktober 2010-Februar 2013 Studentische Hilfskraft am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen
  • Oktober 2011-Februar 2012 Tutorin am Historischen Institut, Universität Duisburg-Essen
  • Oktober-November 2012 Praktikum im Institut für Zeitgeschichte, Abteilung Auswärtiges Amt, Berlin
  • Februar 2013 Recherche-Assistentin von Frau Dr. Angela Romano im Bundesarchiv in Koblenz

Stipendien

  • Oktober 2011-Februar 2013 Stipendiatin des Deutschlandstipendiums der Universität Duisburg-Essen
  • Oktober 2014-Dezember 2014 Stipendiatin des Deutschen Historischen Instituts Paris

Dissertation erschienen

Die Dissertation von Frau Schotters ist nunmehr im Druck erschienen und bei de Gruyter erhältlich.

 

Glückwünsche zur erfolgreichen Disputation

Frau Frederike Schotters hat am 21. September 2017 ihre Arbeit erfolgreich verteidigt, wozu ihr alle Mitglieder des Graduiertenkollegs 1919 herzlich gratulieren.

Wechsel nach Tübingen

Frau Frederike Schotters ist nach Abschluß des akademischen Teils ihrer Promotion als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Lehrstuhl für Neuere Geschichte von Prof. Dr. Frie an der Universität Tübingen gewechselt. Weitere Angaben sowie Kontaktdaten finden Sie hier.

Projektposter

Das von Frau Schotters für die DFG-Begutachtung des Graduiertenkollegs im September 2017 erstellte Poster zu ihrem Projekt können Sie hier in höherer Auflösung abrufen.

Betreuende Forscher

1. Betreuer:

Prof. Dr. Dr. Wilfried Loth

2. Betreuer:

Prof. Dr. Stefan Brakensiek