Paul-Simon Ruhmann

GeiWi/Hist. Inst.
Anschrift
Universitätsstr. 2
45141 Essen
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R09 S03 B91

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  • Doktorand/in, Geschichte

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Projektskizze Bekennen mit ‚Mund und Herz‘? Religiöse Protestbewegungen im Erzstift Salzburg und den österreichischen Erbländern (1680-1780)

Der Schutz konfessioneller Minderheiten im römisch-deutschen Reich der Frühen Neuzeit blieb auch nach dem ‚Zweiten Religionsfrieden‘ von 1648 strukturell prekär. Zwar galten seither für Untertanen, die vom landesherrlichen Bekenntnis abwichen, erweiterte Schutzgarantien – darunter mindestens das Recht auf geregelten Abzug. Wer jedoch solche Rechte unter welchen Bedingungen und in welchen Teilen des Reichs einfordern konnte, blieb im Einzelnen vielfach umstritten.

Vor diesem Hintergrund kam es im Erzstift Salzburg sowie den österreichischen Erbländern zu einer Reihe aufsehenerregender Religionsunruhen. Lange nach der vermeintlich erfolgreichen Rekatholisierung dieser Territorien bekannten sich dort Untertanen jeweils phasenweise in den 1680er, 1730er, 1750er und 1770er Jahren offen zum protestantischen Glauben. Damit hatten sie einen äußerst schweren Stand, zumal es sich durchweg um einfache Bauern, Handwerker und Tagelöhner handelte, deren Glaubwürdigkeit und religiöse (Um‑)Entscheidungskompetenz in Zweifel gezogen wurden. Freiheitsentzug, Zwangsrekrutierung, Ausweisung und Deportation waren die Folge. Wenn sich diese Leute dennoch ihrer Obrigkeit stellten, konnte hinter solchen Bekenntnissen dann mehr als religiöse Verblendung und restlose Verzweiflung stecken? Im Unterschied zum bürgerkriegsgeplagten Frankreich der 1700er Jahre etwa kam es in den genannten Territorien nie zu gewalttätigen Ausschreitungen; eine von apokalyptischen Prophetien getragene „guérilla d’inspirés“ blieb aus. Welcher Art also waren diese evangelischen Bekenntnisbewegungen und was verlieh ihnen ihre spezifische Prägung?

Ziel des Projekts ist es, Formen, Modalitäten und Wirkungsweisen von religiösem Protest unter den spezifischen Bedingungen monokonfessioneller Herrschaft im römisch-deutschen Reich zu erforschen. Gemessen am Untersuchungszeitraum erscheinen die betrachteten Konfliktdynamiken dabei auf den ersten Blick erstaunlich invariant: Eine charakteristische Dialektik aus Bekenntnisdrang und Bekenntnisverfolgung rechtfertigt die Rede von geradezu zyklischen Krisenverläufen. Gleichwohl war der Schritt zum offenen Bekenntnis aus Akteursperspektive immer wieder aufs Neue unwägbar, entsprechend voraussetzungsreich der Bruch mit langjährigen Dissimulationskulturen. Selbst im vermeintlich starren Gehäuse des Alten Reiches wandelten sich dabei mit den Mentalitäten, zeitgebundenen Erfahrungen und politischen Konstellationen letztlich auch die Formen, mittels deren religiöse Dissidenten neue Handlungsspielräume innerhalb der vorgefundenen Ordnung erschlossen. Ihr Protest gegen den obrigkeitlichen Bekenntniszwang nahm im Spannungsfeld von Unverfügbarkeit und Kontingenz allerdings durchweg hybride Züge an. Das kompliziert lineare Erzählungen und klare Rollenzuweisungen (‚Vorkämpfer der Toleranz‘). Wie in einem Brennglas bündelt die Geschichte der Minderheitenkonflikte des 17. und 18. Jahrhunderts so auch die Paradoxien und widerstreitenden Tendenzen der nachwestfälischen Zeit.

Curriculum vitae Lebenslauf

seit 11/2019: wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg 1919: „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“ an der Universität Duisburg-Essen

10/2015 – 5/2019: Master of Arts Geschichte an der Universität Münster (Schwerpunkt: Frühe Neuzeit); Abschlussnote: 1,0

Masterarbeit mit dem Titel Bekenntnisdrang und Bekenntnisverfolgung: Die evangelische Bewegung im Herzogtum Kärnten in den 1730er Jahren (GutachterInnen: Prof.’in Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, Prof. Dr. Matthias Pohlig)

4/2012 – 2/2015: Zwei-Fach-Bachelor Geschichte & Politik (fachwissenschaftlich) an der Universität Münster; Abschlussnote: 1,2

Bachelorarbeit mit dem Titel Der Stellenwert der Christologie im Bilderstreit des 8. Jahrhunderts. Zu Konfiguration und Funktion christologischer Dogmatisierungs-Diskurse in der Bilderfrage am Beispiel der Konzilien von 754 und 787 (Gutachter: Prof. Dr. Wolfram Drews, Prof. Dr. Michael Grünbart)

9/2010 – 3/2012: Deutsch-französischer Doppeldiplomstudiengang Internationale und Europäische Governance in Lille und Münster

9/2009 – 8/2010: Freiwilliges Soziales Jahr mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) am Service Social Juif in Brüssel, Belgien

Hilfskrafttätigkeiten

9/2018 – 10/2019: Lektorats- und Redaktionsarbeiten am Sonderforschungsbereich Kulturen des Entscheidens der Universität Münster, Abteilung Z, bei Herrn Dr. Philip Hoffmann-Rehnitz

10/2015 – 8/2018: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Münster bei Herrn Prof. Dr. Ulrich Pfister

5/2014 – 4/2015: Studentische Hilfskraft am Exzellenzcluster Religion & Politik der Universität Münster im Teilprojekt C2-17 (Universaler Anspruch und nationale Identitäten: Die Haltung des Vatikans zu Nationalitätenkonflikten in der Zwischenkriegszeit) bei Herrn Dr. Thies Schulze

Betreuende Forscher

1. Betreuer: Prof. Dr. Stefan Brakensiek

2. Betreuer: Prof. Dr. Ralf-Peter Fuchs