Lena Kaiser


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    Projektskizze

    Frühneuzeitliche Getreidespeicher- und Getreidehandelspolitik als Instrumente der Vorsorge und Voraussicht

    Die menschliche Klugheit erfordere es, „sich so viel man kann, wegen der Zukunft in Sicherheit zu setzen“ stellte der Coppenbrügger Pfarrer Adam Friedrich Ernst Jacobi 1773 treffend fest und forderte in diesem Sinne die Einrichtung öffentlicher Getreidespeicher zur Kornversorgung der Bevölkerung auch in Zeiten des Mangels.

    Die Versorgung mit Nahrung stellte und stellt in allen Gesellschaften einen grundsätzlichen Aspekt der Zukunftssicherung dar. Getreide hatte dabei einen besonderen Stellenwert, da es in der Frühen Neuzeit und darüber hinaus das Hauptnahrungsmittel vieler Menschen war.   Nahrungsunsicherheit war in vormodernen Gesellschaften ein steter Kontingenzbereich, der durch zahlreiche Maßnahmen, vornehmlich die Speicherung und den Verkauf von Getreide betreffend, bewältigt werden sollte.

    In meinem Dissertationsprojekt möchte ich die Getreidespeicher- und Getreidehandelspolitik des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel in den Jahren 1750 bis 1800 betrachten. In diese Zeit fällt zum einen eine verstärkte Auseinandersetzung mit Themen des Getreidespeicherns und Getreidehandelns, welche unter anderem durch den Einfluss freihändlerischer Theorien ab der Mitte des 18. Jahrhunderts ausgelöst wurde. Zum anderen kam es in den Jahren 1770 bis 1772 zu einer schweren Getreideteuerung, welche sich vielerorts zu einer Hungersnot entwickelte. Diese Krise stellte die Obrigkeiten vor die Herausforderung das Fürsorgeversprechen ihren Untertanen gegenüber einzulösen, gleichzeitig aber auch eine stabile Wirtschaftspolitik zu betreiben. Obwohl während der Krise noch überwiegend auf althergebrachte Sicherungsmaßnahmen zurückgegriffen wurde, wurden diese im Untersuchungszeitraum vermehrt kritisiert und in Frage gestellt.

    Das Projekt will die Getreidespeicher- und Getreidehandelspolitik sowohl in der Krise als auch in Jahren normaler Versorgung betrachten. Dabei soll untersucht werden, welche Effekte Getreidemagazine hatten und wie sie geplant, finanziert und betrieben wurden. Zudem soll das Zusammenspiel von Getreidespeichern und Getreidesperren betrachtet werden, wie auch die Regulierungen und Freiheiten des Getreidehandels. Alle diese Strategien sind als aktive Maßnahmen zur Kontingenzbewältigung zu verstehen. Das Dissertationsprojekt möchte somit einen Beitrag zur Diskussion über die Zukunft als potentiell offenen und gestaltbaren Prozess im Übergang von der Vormoderne zur Moderne leisten.

    Curriculum Vitae

    Lebenslauf

    • seit 11/16: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-GK 1919 „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln.“ am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen
    • 10/13-09/16: Masterstudium Geschichte und Germanistik an der Universität Duisburg-Essen. Titel der Abschlussarbeit: „Weil er geführt ein Wolff leben. Hintergründe, Rezeption und Deutungen des Werwolfprozesses gegen Peter Stump im späten 16. Jahrhundert.“
    • 09/07-03/13: Bachelorstudium Geschichte und Germanistik an der Universität Duisburg-Essen. Titel der Abschlussarbeit: „Die Zauberer-Jackl-Prozesse als Instrument zur Vernichtung der Unterschicht?“

    Veröffentlichungen

    • Rezension zu: Dohms, Peter (Hg.): Kleine Geschichte der Kevelaer-Wallfahrt – Von den Anfängen bis heute. Kevelaer 2008. In: Niederrhein-Magazin 7 (2009). Seite 26f.

    Stipendien

    • 10/2015 – 09/2016: UDE-Stipendium im Rahmen des Deutschlandstipendiums