GeiWi/Hist. Inst.
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Universitätsstr. 2
45141 Essen
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R09 S03 B86

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  • Doktorand/in, Geschichte

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Projektskizze Zukunftsgestaltung durch Schulreformen. Gesamtschulen und das Fach Gesellschaftslehre als Formen des social engineering

In den 1970er Jahren wurden in Nordrhein-Westfalen Gesamtschulen gegründet und das Fach Gesellschaftslehre als Integrationsfach aus Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde konzipiert. Beide Institutionen prägen die Schullandschaft bis heute. Doch deren Entstehungsprozesse sind bislang noch nicht von der geschichtswissenschaftlichen Forschung in den Blick genommen worden. Das Dissertationsprojekt fragt deshalb aus geschichtsdidaktischer und zeitgeschichtlicher Perspektive nach dieser Entstehungsphase seit den ausgehenden 1960er Jahren. Das Projekt versteht diesen Prozess als aktive Gestaltung einer neuen zukünftigen Gesellschaft durch die Schulreform. Mithilfe der neuen Schulform Gesamtschule und des im Zuge dieser Entwicklung entstandenen Verbundfaches Gesellschaftslehre sollte der Weg in diese zukünftige Gesellschaft geebnet werden. Im Fokus der Untersuchung steht das Land Nordrhein-Westfalen, das im Rahmen eines Schulversuchs (1969 bis 1980) Gesamtschulen einführte. Eingebettet ist dieser Gesamtschulversuch in den kontingenten Zeitraum der 1970er Jahre, in dessen Rahmen die Zukunftsfähigkeit sowohl des traditionellen dreigliedrigen Schulsystems als auch die des eigenständigen Faches Geschichte in Zweifel gezogen wurde. Beides galt in den bestehenden Formen als wenig geeignet für die Ausbildung und Qualifikation einer zukünftigen Generation. Insbesondere die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler zu demokratischen und politisch aufgeklärten Individuen zu erziehen, konnte angeblich durch das bestehende Schulsystem nicht mehr ausreichend gewährleistet werden. Die vor diesem Hintergrund als bildungs- und gesellschaftspolitische Herausforderung wahrgenommene Krisensituation galt es, mithilfe der Gesamtschule und des Unterrichtsfaches Gesellschaftslehre als deren zukunftsweisenden Symbol zu bewältigen.

Für den Forschungskontext des Graduiertenkollegs ist der Forschungsgegenstand insofern relevant, als die reformerischen Praktiken als Zukunftshandeln und somit als Bewältigungsstrategie einer sich sukzessiv entwickelnden Kontingenz des Schulsystems sowie dessen Fächerkanons zu verstehen sind. Folgende Aspekte sind dabei von besonderem Forschungsinteresse: Die Aktionen und Reaktionen von Beteiligten der Gesamtschulversuche in Nordrhein-Westfalen, die Aushandlungspraktiken und damit verbundene Diskurse sowie die dadurch bedingte Entstehung und Gestaltung von neuen Kontingenzen. In diesem Zusammenhang ist es spannend, die unterschiedlichen Perspektiven der Akteurinnen und Akteure auf die aktive Planung und Gestaltung einer zukünftigen Gesellschaft miteinander zu verknüpfen. Als übergeordneter Zugang dient das Konzept social engineering. Vor diesem Hintergrund ist anzunehmen, dass die Gesamtschule und das Fach Gesellschaftslehre das Verhalten von individuellen Schülerinnen und Schülern gestalten sollten. Mit dieser Schulreform wurde eine Reform der gesamten Gesellschaft angestrebt, die gemäß den in den 1970er Jahren länderübergreifend vorherrschenden Vorstellungen von Demokratisierung, politischer Partizipation und Emanzipation eine Gesellschaftsveränderung bewirken sollte.

Curriculum vitae Lebenslauf

Seit 11/2019: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg 1919: "Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln" am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen

2019: Master of Education (Titel der Abschlussarbeit: Die Auseinandersetzung um die Entstehung des Faches Gesellschaftslehre in Nordrhein-Westfalen)

2016 - 2019: Masterstudium für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen an der Universität Duisburg-Essen, Studienfächer: Geschichte, Deutsch und Bildungswissenschaften

2012 - 2016: Bachelorstudium für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen an der Universität Duisburg-Essen, Studienfächer: Geschichte, Deutsch und Bildungswissenschaften

2012: Abitur am Gymnasium Remigianum in Borken

Studentische/Wissenschaftliche Hilfstätigkeiten

2018 - 2019: Wissenschaftliche Hilfskraft am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen im Bereich der Didaktik der Geschichte bei Prof. Dr. Markus Bernhardt

Vorträge

Zukunftsgestaltung durch Schulreformen. Gesamtschulen und das Fach Gesellschaftslehre als Formen des social engineering (Geschichtsdidaktisches Forschungskolloquium, 19.11.2019, Universität Duisburg-Essen)

Betreuende Forscher

1. Betreuer: Prof. Dr. Markus Bernhardt

2. BetreuerIn:Prof. Dr. Christoph Marx