Projektskizze Das politische Handeln von Hofeunuchen im Oströmischen Reich (395–636)

Eunuchen lassen sich als Phänomen über die gesamte Menschheitsgeschichte hinweg in den unterschiedlichsten Kulturen greifen. Besonders bekannt sind Palasteunuchen, ­­die im Chinesischen Kaiserreich, dem Osmanischen Reich, dem Perserreich und dem Römischen Reich als Wächter des herrscherlichen Schlafgemachs und politische Berater in Spitzenpositionen aktiv waren. Als soziopolitischer Akteur stellen sie eine Besonderheit dar: in ihnen vereinen sich großer politischer Einfluss und Nähe zum autokratischen Herrscher mit sozialer Stigmatisierung, die extreme Unsicherheiten mit sich brachte.

Besonders im Oströmischen Reich der Spätantike gelang es den Hofeunuchen, die Politik zu beeinflussen. Durch ihre Entmannung stellten sie keine Gefahr für den Herrscher und seine Dynastie dar und waren damit besonders geeignet für die Aufgaben in seinem direkten Umfeld. Sie verdankten ihre herausgehobene Stellung jedoch allein dem Kaiser und waren ansonsten eine gesellschaftliche Randgruppe mit geringem Einfluss. Damit waren sie vom Phänomen der Kontingenz, das sich etwa in Form von Herrscherwechseln und politischen Krisen manifestieren konnte, in starkem Maße betroffen.

Wie die Eunuchen mit dieser prekären Position umgingen soll im Rahmen des Dissertationsvorhabens geklärt werden. So soll das politische Handeln der Eunuchen untersucht und insbesondere nach der Zukunftsorientierung ihres Wirkens gefragt werden. Für die Hofeunuchen stellte die Kontingenz Risiko und Chance zugleich dar. Als sozialen Außenseitern konnte ihnen ein Aufstieg in den innersten Machtzirkel gelingen, der für viele andere Akteure nicht vorstellbar war: Der Eunuch Eutropius erlangte im Jahr 399 die Konsulwürde, ehe er nur wenig später all seiner Ämter enthoben und verbannt wurde. Während die Ernennung zum Konsul von vielen antiken Autoren als unverzeihlicher Normbruch gesehen wurde, illustriert sie zugleich die Möglichkeiten, die die Kaisernähe den Eunuchen bieten konnte.

Es stellt sich daher die Frage, inwieweit sich die Hofeunuchen ihrer Situation und damit auch der Kontingenz bewusst waren und wie sie damit umgingen. Die Betrachtung konzentriert sich räumlich und zeitlich auf das Oströmische Reich im Zeitraum von der faktischen Reichsteilung im Jahr 395 bis zum Jahr 636, mit dem das Ende Ostroms als globale Großmacht einherging. Eine Analyse der politischen Handlungen der Hofeunuchen scheint für das Verständnis der Geschichte Ostroms dabei fundamental wichtig, da sie als bestimmendes Phänomen über den gesamten Zeitraum greifbar sind und die Geschicke des Reichs maßgeblich beeinflussten.

Curriculum Vitae Lebenslauf

seit November 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter:
DFG-Graduiertenkolleg 1919: "Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln" an der Universität Duisburg-Essen.

seit November 2019 Promotionsstudium:
an der Universität Duisburg-Essen, Thema: „Das politische Handeln von Hofeunuchen im Oströmischen Reich (395-636)“, Betreuer: Prof. Dr. Wolfgang Blösel.

04/2017 – 05/2019 Masterstudium:
Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Abschlussarbeit: „Ein Außenseiter im Zentrum der Macht? Die Handlungsspielräume des praepositus sacri cubiculi in Ostrom im 5. Jahrhundert“, Betreuer: Prof. Dr. Bruno Bleckmann).

10/2015 – 09/2018 Bachelorstudium:
Business Management an der Hochschule Mittweida (Abschlussarbeit: Krisenkommunikation in sozialen Medien. Eine Analyse von Erfolgsfaktoren anhand von Fallbeispielen aus der Automobilindustrie, Betreuer: Prof. Dr. Stephan Heller).

10/2012 – 09/2015 Bachelorstudium:
Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Abschlussarbeit: „Die Religionspolitik der Vandalenkönige im spätantiken Nordafrica“, Betreuer: Prof. Dr. Bruno Bleckmann).

Veröffentlichungen

Rezension zu: Nechaeva, Ekaterina, Embassies – Negotiations – Gifts. Systems of East Roman Diplomacy in Late Antiquity, Stuttgart 2014, in: Journal of Ancient History and Archaeology 6/2 (2019), 89-90. Abrufbar hier.

Forschungsinteressen

  • Spätantike
  • Eunuchen
  • Spätantikes Kaisertum
  • Höfische Kultur

Betreuende Forscher

1. Betreuer: Prof. Dr. Wolfgang Blösel

2. Betreuerin: t.b.a.