GeiWi/Hist. Inst.
Anschrift
Universitätsstr. 2
45141 Essen
Raum
R09 S03 B91

Funktionen

  • Doktorand/in, Geschichte

Aktuelle Veranstaltungen

Keine aktuellen Veranstaltungen.

Vergangene Veranstaltungen (max. 10)

Keine vergangenen Veranstaltungen.

Projektskizze Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens als Akteur des transnationalen Diasporajudentums 1933-1938

Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V.) entwickelte sich von seiner Gründung 1893 bis hin zu seiner Zwangsauflösung 1938 zeitweise zur größten jüdischen Organisation Deutschlands. Die akkulturierten deutschen Juden fanden sich in diesem Verein zusammen und kämpften gemeinsam für den Erhalt der jüdischen Emanzipation, ihrer deutsch-jüdischen Identität und gegen jegliche Form des Antisemitismus. Der politische Umbruch 1933 wurde sowohl von den Führern des C.V., als auch von seinen Mitgliedern als tiefgreifende Zäsur wahrgenommen, die sich in einer systematischen Eingrenzung jeglicher Lebens- und Handlungsspielräume äußerte. Die Jahre 1933 bis 1935 führten zunächst zur Desorientierung der Vereinsmitglieder und zu einer Neubewertung, sowie Erforschung möglicher Handlungsoptionen. Als maßgebliche Strategie zur Kontingenzbewältigung kristallisierte sich bereits seit 1933 die Verflechtung mit anderen jüdischen Organisationen heraus. Zunächst mit einem Schwerpunkt im Deutschen Reich im Modus der Selbsthilfe und dann auch transnational mit dem Ziel der Kontingenzgenerierung zum Erhalt der Existenz der Mitglieder. Diese Kontakte wurden für den C.V. mit zunehmendem Maße lebensnotwendig. Dies gilt insbesondere für die Verbindungen zur Jewish Colonization Association, HIAS, dem Verbund HICEM (bestehend aus HIAS, Emigdirekt und ICA), dem American Jewish Joint Distribution Committee und dem Central British Fund, die der C.V. nur zögerlich als neue Partner anerkannte. Es entstand ein neues Beziehungsgeflecht, was auch die Koordinaten des zuvor als selbsterklärend gedachten ´deutschen Judentums´ grundlegend verschob. Diese Neuverortung in der Welt und weniger der Nation mündete nach der Verabschiedung der Nürnberger Gesetze am 15. September 1935 letztlich im Bekenntnis des C.V. zum „deutschen Diasporajudentum“.[1]

Dieser, aus Migration, Kooperation und Reform bestehende Prozess zur Kontingenzbewältigung und -generierung in einem für die deutschen Juden existenzbedrohenden politischen Umbruch steht im Zentrum des Forschungsprojekts. Der angesprochene Zeitraum wird in diesem Zusammenhang als ambivalente Erfahrung verstanden. Die Verfolgung und Vertreibung verursachten größtes Leid, das die Betroffenen aufgrund ihres ausgeprägten Bewahrungswillen der ‘deutsch-jüdischen Kultur‘ kreativ nutzten. Diese Geschichte der Zwangsmigration ist damit auch eine Geschichte des Handelns und des Gestaltens. Damit steht im Kern des Interesses die Geschichte eines wachsenden jüdischen Kontingenzbewusstseins, dem durch die Verflechtung des C.V. mit anderen nationalen und internationalen Organisationen zum Zweck der Kontingenzgenerierung als Kategorie menschlichen Handelns begegnet wird. Das Projekt bietet deshalb die Möglichkeit, nach Zukunftshandeln im Judentum der Moderne und dessen Wandel in Zeiten größter Umbrüche und Bedrängnis zu fragen.

Die wichtigste Quelle bildet zunächst das wiederentdeckte C.V.-Archiv. Aus diesem wird zunächst ein Beziehungsgeflecht extrahiert werden. Da sich hingegen die C.V.-Führer einer Selbstzensur unterwarfen, um einem möglichen Verbot des Vereins zu entgehen, ist es zwangsläufig notwendig, auch die Gegenseite des transnationalen Beziehungsnetzwerks in den Blick zu nehmen, was in einem zweiten Arbeitsschritt geschehen wird.

 

[1] Siehe Jüdischer Centralverein E.V., Aufgaben / Satzung / Organisation, 11. Dezember 1936, Osoby-Archives, 721, 1, 88 - CAHJP, HM2/8694, 88, 2341-2361, hier 2345. 

Curriculum Vitae Lebenslauf

Seit 11/2019: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“ an der Universität Duisburg-Essen.

10/2017-11/2019: Master of Arts in Holocaust-Studies an der Universität Haifa, Israel

10/2015-11/2017: Master of Education (Geschichte / Evg. Religion) an der Universität Osnabrück. Abschlussarbeit: „Eric Isenburger – Ein Künstler im Zeitalter der Extreme“, Betreuer Prof. Dr. Christoph Rass / Jürgen Kaumkötter

10/2011-09/2015: Bachelor of Arts (Geschichte / Evg. Religion) an der Universität Osnabrück. Abschlussarbeit: „Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und seine juristisch-wirtschaftliche Beratungsstelle im Jahr 1933“, Betreuer Prof. Dr. Jochen Oltmer / Dr. Frank Wolff

Studentische Hilfstätigkeiten und Praktika

10/2018-10/2019: Wissenschaftliche Hilfskraft an der Deutschen Hochschule der Polizei im Fachbereich Einsatzmanagement der Schwerkriminalität

01/2018-08/2018: Wissenschaftliches Volontariat in den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem im Rahmen des Masterstudiengangs in Holocaust Studies an der Universität Haifa

10/2015-10/2017: Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Neueste Geschichte und dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück

04-09/2016: Mitarbeit im digitalen Publikationsprojekt Emanuel Hirsch (www.emanuel-hirsch.net) am Lehrstuhl für evangelische Theologie der Universität Osnabrück

10/2014-03/2015: Studentischer Tutor für das Seminar „Emigrieren oder Erdulden? Jüdische Überlebensstrategien im Dritten Reich 1933–1939“ an der Universität Osnabrück

01/2013-09/2015: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Neueste Geschichte und dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück

Publikationen

Der C.V. als Teil jüdischer Selbsthilfe im April 1933 – eine Momentaufnahme, in: Medaon Journal for Jewish Life in Research and Education, 13 (2019), Nr. 25, online verfügbar hier.

Betreuende Forscher

1. Betreuer: Prof. Dr. Frank Becker

2. Betreuer: Prof. Dr. Stefan Brakensiek