Anna Strommenger


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GeiWi/Hist. Institut/Graduiertenkolleg 1919
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    Projektskizze

    Zwischen revolutionärem Aufbruch und nationaler Integration. Heimatkonzepte der deutschen sozialistischen Arbeiterbewegung (1863-1933)

    Mit dem Prozess der Industrialisierung und der Entstehung der kapitalistischen Gesellschaft veränderte sich nicht nur das unmittelbare Lebensumfeld bedeutender Teile der europäischen Bevölkerung gravierend, auch Massenmigration und Landflucht führten zu einer zunehmenden Auflösung traditioneller Vergesellschaftungsformen. Nicht allein aus der Rückschau lassen sich die beschriebenen ökonomischen und sozialen Umwälzungen als Systemumbruch deuten, durch den Kontingenz besonders intensiv erfahren werden konnte. Vielmehr charakterisierten schon Karl Marx und Friedrich Engels die damalige Revolutionierung der Verhältnisse als „ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände“. Diese begriffen die Autoren des Manifests der Kommunistischen Partei gleichwohl nicht in erster Linie als bedrohliche Unsicherheit, sondern betonten gerade die sich hierdurch neu eröffnenden Möglichkeiten, Einfluss auf die zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklungen zu gewinnen. Den wohl bekanntesten Ausdruck hat diese Vorstellung von einer gestaltbaren und zu gestaltenden Zukunft in dem Diktum „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ gefunden.

    Vor diesem Hintergrund fragt das Dissertationsprojekt danach, wie die entstehende Arbeiterklasse und deren politische Organisationen auf die kontingent werdende Zukunft und die damit einhergehende Ambivalenz von Risiko und Freiheit, Unsicherheit und Potentialität reagierten. Um sich diesem Problemkomplex zu nähern, untersucht es, welche theoretischen und praktischen Heimatentwürfe im sozialistisch geprägten Arbeitermilieu und dessen politischen Organisationen in Kaiserreich und Weimarer Republik vorherrschten. In der Forschung allenfalls am Rande berücksichtigt, verspricht ein solches Vorgehen für eine Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Bedeutung von Kontingenz in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung zu sein. Da Heimat zumeist dann in das Bewusstsein rückt, wenn ein als selbstverständlich vorausgesetztes Nahverhältnis zwischen Mensch und Umwelt zerbricht oder in die Krise gerät, lässt sie sich einerseits als Indikator von Kontingenzerfahrung deuten. Andererseits gibt Heimat – als Bewältigungsstrategie dieser Erfahrung verstanden – Auskunft über den aktiven Umgang mit Kontingenz.

    Galt Heimat lange Zeit als genuin konservatives Konzept, ermöglicht ein solches Forschungsvorhaben nicht allein eine umfassendere Bewertung der virulenten Heimatdiskurse in Kaiserreich und Weimarer Republik. Vielmehr erlaubt eine Rekonstruktion der verschiedenen sozialistischen Heimatkonzepte Fragen nach den aktiven Haltungen zur Zukunftsunsicherheit in der Arbeiterbewegung und daraus sich ergebender Handlungsoptionen zu adressieren. Dabei plant das Dissertationsprojekt auf drei Analyseebenen vorzugehen. Zunächst rücken die verschiedenen Konnotationen des Begriffs Heimat in den Fokus, die sich nur vor dem Hintergrund gesamtgesellschaftlicher Debatten nachvollziehen lassen. In einem zweiten Schritt werden die verschiedenen sozialistischen Bezugnahmen auf Heimat als Praktiken der Positionierung in der gesamtgesellschaftlichen Debatte untersucht. Darauf aufbauend geraten ausgewählte Heimatpraktiken in das Zentrum der Analyse. Auf allen drei Ebenen wird dabei mehreren zentralen Fragestellungen nachgespürt: In welchem Verhältnis stehen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Welche Räume werden als Heimat vorgestellt? Welche Formen der Zugehörigkeit sind prävalent? Welche Funktion erfüllen die verschiedenen Heimatkonzepte? Von besonderem Interesse ist dabei eine Vermittlung der verschiedenen Analyseebenen, um Konvergenzen und Divergenzen von Heimatentwürfen in Diskursen und Praktiken wie auch in der alltäglichen und der politischen Sphäre ausmachen zu können.

    Curriculum Vitae

    Lebenslauf

    • Seit November 2016 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-GK 1919 „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“ an der Universität Duisburg-Essen
    • Seit April 2016 Dissertationsprojekt unter dem Titel Zwischen revolutionärem Aufbruch und nationaler Integration. Heimatkonzepte der deutschen sozialistischen Arbeiterbewegung (1863-1919)
    • 2006-2015 Magisterstudium der Mittleren und Neueren Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität zu Köln mit der Magisterarbeit Der Begriff der Heimat in der Geschichtswissenschaft – Analyse und Kritik 

    Vorträge

    • Von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem. Einige Schlaglichter auf sozialistische Konzepte von Heimat (7. Kolloquium zur Geschichte der Arbeitswelten und der Gewerkschaften, 14.07.2017, Graduate School in History and Sociology der Universität Bielefeld)
    • Zwischen revolutionärem Aufbruch und nationaler Integration. Heimatkonzepte der deutschen sozialistischen Arbeiterbewegung (1863-1933) (Kolloquium zur Neueren und Neuesten Geschichte des Historischen Instituts der Universität zu Köln, 12.06.2017, Historisches Institut der Universität zu Köln)
    • Zwischen revolutionärem Aufbruch und nationaler Integration. Heimatkonzepte der deutschen sozialistischen Arbeiterbewegung (1863-1919) (Treffen des Netzwerks linker Historiker, 03.12.2016, Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim)
    • Zwischen revolutionärem Aufbruch und nationaler Integration. Heimatkonzepte der deutschen sozialistischen Arbeiterbewegung (1863-1919) (Tag der Forschung des Profilschwerpunktes Wandel von Gegenwartsgesellschaften, 01.12.2016, Universität Duisburg-Essen)

    Mitgliedschaften

    • German Labour History Association (GLHA)