Andrew van Ross


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  • Doktorand/in Geschichte - Graduiertenkolleg 1919

Projektskizze Kontingenzbewältigung und -toleranz in der politischen Kultur der römischen Republik (4. - 1. Jhd. v.Chr.)

Ein junger Aristokrat, der sich in der römischen Republik anschickte, eine politische Karriere zu beginnen, betrat einen – so scheint es – geraden und gut einsehbaren Weg: Wenn keine fatal verlaufende Schlacht oder schwere Krankheit dazwischen kam, konnte er sich auf einen erwartbaren Lebenslauf (J. Kirov) einstellen, der ihm zwar nur eingeschränkte Handlungskapazitäten (J. Martin) bot, aber dafür in Richtung der höchsten Ehrenämter führte und vielleicht sogar von einem Triumph gekrönt wurde.

Abweichend von und zugleich ergänzend zu diesem Bild sollen in diesem Projekt gerade die Unwägbarkeiten und Kontingenzen politischer Werdegänge nach 367 v.Chr. in Augenschein genommen werden. Vor allem geht es dabei um die Bereitschaft der Protagonisten – als militärische Führungskräfte und Redner vor Gericht ohnehin im Umgang mit unvorhersehbaren Wendungen geübt –, diese Kontingenzen nicht nur zu tolerieren, sondern sogar zu provozieren und zu verstärken. So führte manch ein risikobereiter Magistrat bewusst den Dissens mit dem Senat herbei und setzten wagemutige Volkstribune ihre weiteren Karrieren aufs Spiel, indem sie es auf Konflikte mit angesehenen Imperiumsträgern und mächtigen Senatoren ankommen ließen. Solche Situationen lassen sich nicht allein über die hinlänglich bekannte inneraristokratische Konkurrenz erklären. Sie sind ferner kein ausschließliches Krisenphänomen des ersten Jahrhunderts v.Chr., sondern bereits in der mittleren Republik Bestandteil der politischen Kultur.

Im Rahmen des Promotionsprojektes werden vor allem auf Grundlage literarischer Quellen solche Momente der Kontingenz gesammelt, analysiert und typologisiert. Zu den anvisierten Zielen gehört a) die Beschreibung und Erklärung der Dispositionen zum Risikoverhalten römischer Adeliger, wobei familiale Herkunft, Rang und Karriereprofil der Akteure berücksichtigt werden. Damit einhergehend soll b) ermittelt werden, unter welchen situativen Konfigurationen diese Dispositionen besonders zum Tragen kommen. Dies schließt neben der politischen Großwetterlage die Differenzierung nach Situationstypen – etwa Wahlkämpfe, Gerichtsreden, Gesetzesinitiativen, Gesandtschaften und Konkurrenz um den Oberbefehl im Krieg – ein. Schließlich ist c) zu rekonstruieren, welche Mittel zur Verfügung standen, um sich gegen ein Scheitern in den bewusst herbeigeführten Risikosituationen abzusichern.

Curriculum Vitae Lebenslauf

  • 1996-2006 Ausbildung zum staatl. exam. Krankenpfleger (Herford); Anstellung (Bielefeld)
  • 2007-2010 B.A. Studium Geschichtswissenschaft und Philosophie an der Universität Bielefeld; Abschlussarbeit zur Handlungstheorie Herodots
  • 2009-2013 studentische Hilfskraft und Tutor am Lehrstuhl für Alte Geschichte und im SFB 584 „Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte“
  • 2010-2013 M.A. Studium Geschichtswissenschaft an der Universität Bielefeld; Abschlussarbeit zu den numismatischen Zeugnissen Römischer Reichsgeographie
  • Seit 2013 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Graduiertenkolleg 1919 der Universität Duisburg-Essen

Veröffentlichungen

  • Odds and Ends. Herodots historische Herrschafts- und Handlungstheorie, in: Göttinger Forum für Altertumswissenschaften 16 (2013), S. 221-36.
  • mit Uwe Walter et al., Cicero: Zweite Rede an das Volk gegen den Volkstribunen Publius Servilius Rullus über das Ackergesetz: Einführung, Kommentar zu §§ 1-46, Appendices, Bielefeld 2013.
  • Rez.: Linda-Marie Günther, Herodot, Tübingen 2012, in: Geschichte für heute 7 (2014), S. 91-2.

Stipendien

  • 2008-2013 Stipendiat des Studienfonds OWL

Mitgliedschaften

  • Mommsen-Gesellschaft, Verband der deutschsprachigen Forscherinnen und Forscher auf dem Gebiete des Griechisch-Römischen Altertums