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Projektskizze „Eine undurchdringliche Phalanx gegen Rohheit und Grausamkeit“ – Internationale Tierschutzkongresse im 19. Jahrhundert

Nachdem 1824 in London der weltweit erste Tierschutzverein gegründet wird, treffen im Juni 1860 die Deputierten der deutschen, österreichischen und helvetischen Tierschutzvereine erstmals zusammen. Die Männer und Frauen haben sich zum Ziel gesetzt ihre Kräfte zu bündeln und eine grenzüberschreitende Gemeinschaft für den Tierschutz zu gründen. Die Idee zu einem internationalen Zusammenschluss besteht bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein namenloser Gesandter des Pariser Tierschutzvereins hat sowohl den Berliner als auch den Schlesischen Generalverein von der Idee eines internationalen Kongresses überzeugt. Zuerst sollte sich das Treffen auf die deutschsprachigen Vereine beschränken. Im Laufe der Vorbereitungen, in denen der designierte Austragungsort von Frankfurt, nach München und schließlich nach Dresden wechselt, wird eine internationale Öffnung beschlossen, die jedoch beim ersten Kongress noch nicht wahrgenommen wird.

Zwischen 1860 und dem Ersten Weltkrieg finden 14 Kongresse in unregelmäßigen Abständen statt. Die Themen der Vorträge sind vielfältig und greifen zeitnahe Diskurse auf. Die Tierschützer diskutieren über die Rinderseuche und den Eisenbahntransport von Vieh, auch das Schächten, den Umgang mit der gewalttätigen Jugend und das Ziel neue und bessere Gesetze zum Schutz der Tiere zu etablieren, spielen eine Rolle.

In der vorliegenden Arbeit wird die These behandelt, dass die internationalen Tierschutzkongresse zu den sich im 19. Jahrhundert entstehenden (I)NGO's ((International) Nongovernmental Organizations) zählen und ihre Teilnehmer ein Netzwerk aufbauen, welches die Politik und Gesetzgebung grenzüberschreitend beeinflusst. In der Arbeit wird mit Hilfe der Netzwerkanalyse die Verbindung zwischen den einzelnen Tierschützern, den Vereinen und die Kontakte der Tierschützern zu Politikern, Theologen und Journalisten (Presse), aber auch zu anderen Interessensvereinigungen (z.B. Veterinärmediziner und Frauenvereinen), beleuchtet. Untersucht werden die Einflüsse, welche die Tierschützer auf die neu entstehenden Tierschutzgesetze und Polizeiordnungen haben.

Die Arbeit wird in Hinblick auf folgende Fragen bearbeitet; erstens inwieweit sich die Tierschutzvereine international verbinden. Zweitens in welchem Maße die Kongresse zu einer Verdichtung des Netzes beitragen oder diesem vielleicht sogar entgegenwirken. Drittens, welche Beschlüsse der Kongresse von den Vereinen auf regionaler, staatlicher, nationaler und internationaler Ebene umgesetzt werden (sollen). Und viertens wird betrachtet in wie weit sich die Tierschützer in der Aufgabe sehen ihre Umgebung zu erziehen, in welchem Maße und mit welchen Mitteln sie vorgehen.

Als Hauptquelle der Arbeit dienen die Kongressberichte, die für jeden Kongress von dem ausrichtenden Verein gedruckt werden. Die Berichte liegen, je nach Tagungsort und Überlieferung in französischer, deutscher oder englischer Sprache vor. Die meisten Vereine bedienen sich der lokalen und regionalen Tageszeitungen als Sprachrohr, bevor sie eigene Zeitschriften gründen. Um ein Bild der Selbstdarstellung der Vereine und ihren Taten erstellen zu können, werde die Tageszeitungen und die eigenen Vereinszeitschriften ebenfalls in die Analyse aufgenommen. Weiterhin werden die Jahresberichte und Vereinsberichte der jeweiligen Tierschutzvereine untersucht. Um zu zeigen inwieweit die Tierschützer Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren geltend machen können, werden die Gesetzestexte und Polizeiordnungen des Untersuchungszeitraums, sowie die Petitionen der Tierschutzvereine miteinander verglichen. Zusätzliche Quellen sind Memoiren und Briefe der Tierschützer. Hinzu kommen Predigten und pädagogische Schriften, aus denen sich die von den Vereinen angestrebte Erziehung der jungen Menschen herauslesen lässt.

Curriculum Vitae Lebenslauf

Seit 11/2019: wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“ an der Universität Duisburg-Essen. Fortführung der Promotion „Eine undurchdringliche Phalanx gegen Rohheit und Grausamkeit“ – Internationale Tierschutzkongresse im 19. Jahrhundert (Arbeitstitel), Betreuerin: Prof. Dr. Ute Schneider.

04/2018-11/2019: Promotionsstudium an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, Thema: „Eine undurchdringliche Phalanx gegen Rohheit und Grausamkeit“ – Internationale Tierschutzkongresse im 19. Jahrhundert (Arbeitstitel), Betreuer: Prof. Dr. Wolfgang Behringer.

04/2018-09/2019: Externe Lehrbeauftragte am Lehrstuhl Frühe Neuzeit, Universität des Saarlandes, Saarbrücken.

09/2017-07/2018: studentische Hilfskraft am Lehrstuhl Frühe Neuzeit, Universität des Saarlandes, Saarbrücken.

10/2016-03/2018: studentische Angestellte in der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek, Universität des Saarlandes, Saarbrücken.

08/2015-07/2017: studentische Hilfskraft im Landesarchiv des Saarlandes, Scheidt-Saarbrücken.

10/2015-01/2018: Masterstudium an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, Master of Arts (Abschlussarbeit: „Gewalt, Tierschutz und Erziehung – Analyse der Gründe für die Entstehung der ersten Tierschutzvereine in London und Stuttgart”, Betreuer: Prof. Dr. Wolfgang Behringer, Lehrstuhl: Frühe Neuzeit).

10/2011-09/2015: Bachelorstudium an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, Bachelor of Arts (Abschlussarbeit: „Die internationalen Kooperationen der RAF in den 1970er Jahren”, Betreuer: Prof. Dr. Dietmar Hüser, Lehrstuhl: Europäische Zeitgeschichte).

Veröffentlichungen

Kim Schulz/et al., Tagungsbericht: Tiere und Hexen – Animal Turn in der Hexenforschung, 25.09.2019 – 28.09.2019 Weingarten, in: H-Soz-Kult, 16.12.2019. Abrufbar hier.

Ausstellungen

04/2017-10/2017: „Essen außer Haus – Vom Henkelmann zum Drehspieß. Eine Ausstellung an drei Orten“, Kunst und Kulturmuseum Dortmund, Mitarbeit im Rahmen eines Praktikums.

Forschungsinteressen

  • Internationalismus, Kongresse, Lobbyismus
  • Vereinsgeschichte
  • Human-Animal-Studies
  • Medizingeschichte
  • Rechtsgeschichte
  • Soziale Bewegungen

Betreuende Forscher

1. Betreuerin: Prof. Dr. Ute Schneider

2. Betreuer: Prof. Dr. Ralf-Peter Fuchs