Claudia Berger


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  • Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Historisches Institut - DFG Graduiertenkolleg 1919

Projektskizze

Zukunftshandeln und Netzwerkdynamiken im Vorfeld der Gründung der Union of South Africa (1910) mit besonderem Bezug auf die Wahlrechtsfrage

Um im südlichen Afrika einer erneuten militärischen Konfrontation der von burischen Siedlern dominierten Oranjefluss-Kolonie und des Transvaals mit der von britischen Siedlern dominierten Kapkolonie und dem Natal vorzubeugen, wurde nach dem Friedensschluss von Vereeniging 1902, der den South African War beendete, weithin eine „Closer Union“ gefordert. Unter diesem Begriff wurde eine politisch und konzeptionell noch näher auszugestaltende, engere politische Verbindung der Kolonien gefasst. Einer solchen standen allerdings massive wirtschaftliche, soziale und politische Unterschiede zwischen den einzelnen Kolonien entgegen. Besonderer Streit- und zugleich Kumulationspunkt vieler Hoffnungen wie auch Ängste war die Wahlrechtsfrage des neuen Staatengebildes.

Die neuzugründende Union of South Africa sollte aus Sicht der tonangebenden Politiker den Schlusspunkt dieser gesamtgesellschaftlichen Debatte um die Gestaltung des Wahlrechts der vormaligen vier britischen Kolonien (Kapkolonie, Natal, Oranjefluss-Kolonie und Transvaal) und die Konsolidierung der herrschenden kolonialen Ordnung darstellen. Doch während der politische Prozess zur Union of South Africa sich als mit politischem Geschick manipulierbar erweisen sollte, konnte die gesamtgesellschaftliche Debatte von den politischen Initiatoren nicht mehr ohne Weiteres eingehegt werden. Schließlich hatte Großbritannien während des South African War die Unterstützung breiter südafrikanischer Bevölkerungsschichten erhalten, die von der Hoffnung getragen war, dass mit einem Sieg des Empires die uneinheitlichen Wahlrechtsregelungen der Kolonien zugunsten des in der Kapkolonie vorherrschenden, „farbenblinden“ Zensuswahlrechts abgelöst werden würden. Dies hätte der Bevölkerungsmehrheit statt des politischen Ausschlusses aufgrund rassistischer Kategorien zumindest theoretisch den sozialen Aufstieg und die daraus folgende politische Partizipation ermöglicht. Dieses Versprechen hatte Großbritannien in den Friedensverhandlungen 1902 jedoch nicht eingelöst.

Die Aushandlungsprozesse um die „Closer Union“ war für die so Enttäuschten die nächste Möglichkeit, die Metropole an ihre Pflichten gegenüber der südafrikanischen Bevölkerung zu erinnern. Gleichzeitig erkannte man durchaus auch die Gefahr, dass nun umgekehrt die Wahlrechtsregelung der Kapkolonie zur Disposition stünde und in den Verhandlungen aufgegeben werden könnte. Beteiligt an dieser politischen Auseinandersetzung waren also nicht nur Politiker aus den betroffenen Kolonien oder Repräsentanten der Kolonialpolitik und –verwaltung. Ihre Besonderheit war gerade der Beitrag vieler südafrikanischer Intellektueller und politischer Aktivisten, die sogar durch spezifische Netzwerke Teile der (mitunter analphabetischen) Stadt- und Landbevölkerung einbanden und informierten.

Das vorliegende Dissertationsprojekt widmet sich diesem Zeitraum krisenhafter und zugleich chancenreicher Zuspitzung, der sich vom Ende des South African War 1902 bis zur Gründung der Union of South Africa 1910 erstreckte. Hierbei liegt der Fokus auf der Analyse spezifischer Akteursnetzwerke, die in diesem Zeitraum eine gesamtgesellschaftliche Debatte über die Ausgestaltung der künftigen demokratischen Institutionen des neuen Staates ins Leben riefen. Damit machten sie einen eigentlich isolierten politischen Prozess, nämlich jenen der Vereinigung der vier Einzelkolonien zu einem gemeinsamen Staat, medial einer breiten Öffentlichkeit zugänglich, welcher der direkte Zugang zu den politischen Institutionen aufgrund der rassistischen Hierarchisierung der kolonialen Gesellschaft versagt geblieben war. Vielversprechend scheint hier, nach den jeweiligen sozialen Techniken zu fragen, die diese Akteure anwandten, und welchen Nutzen sich selbige davon versprachen, bzw. welchen sie tatsächlich mit ihnen, mittelbar und unmittelbar, erzielten.

Curriculum Vitae

Lebenslauf

  • seit 2016: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Graduiertenkolleg 1919 „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln".
  • 2015-2016: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Außereuropäische Geschichte (Prof. Dr. Christoph Marx), Historisches Institut, Duisburg-Essen; im Rahmen dessen Redaktionsmitglied von „Dhau – Jahrbuch für außereuropäische Geschichte“, herausgegeben von Christoph Marx et al.
  • 2004-2014: Studium der Neueren und Neuesten Geschichte (mit Schwerpunkt auf der Außereuropäischen Geschichte) sowie der Anglistik; Abschluss: Magister Artium. Titel der Abschlussarbeit war „Die Lancaster-House-Konferenz 1979. Mit allen Mitteln zum Erfolg? Die politische Zielsetzung und diplomatische Strategie der britischen Verhandlungsleitung in Bezug auf die Waffenstillstandsverhandlungen der Lancaster-House-Konferenz“. Studiumsbegleitend: langjährige Tätigkeit in der Redaktion eines Essener Verlages sowie umfassendes hochschulpolitisches Engagement und Beschäftigung als Tutorin am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit (Prof. Dr. Stefan Brakensiek). Im Anschluss an das Studium folgten einzelne Lektoratsprojekte.

Vorträge

  • Die indische Community in Südafrika. Entstehung und frühe Politisierung (18.06.2016, Freiburg im Breisgau) im Rahmen der offenen studentischen Tagung „Strangers in a strange land. Migration als historisches Phänomen“ des Historischen Seminars der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.