Projektskizze Vorsorge durch Forschung: zur Funktion der Architektur von Forschungseinrichtungen, 1950 – 1980

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts konstituierte sich mit der Industrieforschung eine Form unternehmerischen Zukunftshandelns, wirtschaftlichen Erfolg durch die Produktion von Innovationen abzusichern. Mit Hilfe der Wissenschaft sollten neue Handlungsmöglichkeiten für die Unternehmen generiert werden, die angesichts einer ungewissen Zukunft ihren Handlungsspielraum erweiterten. Da die prinzipielle Offenheit der Wissenschaft aber nicht nur Chancen bietet, sondern auch das Risiko der Erfolgs- und Ergebnislosigkeit beinhaltet, entstand mit dem industriellen Forschungslaboratorium eine räumlich-materielle Struktur, die Wissenschaft für die Unternehmen planbar machen und damit Sicherheit schaffen sollte.

Dieses Modell erwies sich als so erfolgreich, dass es fortlaufend reproduziert und optimiert wurde, indem bewährte und effiziente Forschungspraktiken in die Laboratorien eingeschrieben wurden. Im Kontext einer Geschichte der Normalisierung im 20. Jahrhundert verweist diese Entwicklung auf eine zunehmende Normung von Gebäudestrukturen als Instrument, um ökonomischen Erfolg durch die Konfiguration spezifischer Praktiken zu fördern und abzusichern.

Dieser Umgang mit Materialität soll im Dissertationsvorhaben vergleichend am Beispiel ausgewählter Unternehmen der chemischen Industrie zwischen 1950 bis 1980 untersucht werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Unternehmen mittels räumlichmaterieller Strukturen Wissenschaft als Mittel zur Kontingenzbewältigung im Spannungsfeld von Chance und Risiko organisierten, um Forschung für die Unternehmen zukunftssicher zu gestalten.

In Rückgriff auf technik- und wissenschaftssoziologische Ansätze, die Architektur als mit Akteuren interagierendes und Verhalten strukturierendes Artefakt konzipieren, sollen dazu die ausgewählten Beispiele in einem dreistufigen Verfahren analysiert werden. Dabei wird zuerst die Planungsphase der Gebäude hinsichtlich der an ihr beteiligten Akteure, ihrer Motivation und Vorstellungen und den daraus resultierenden Handlungen untersucht, folgend die Benutzungsphase in Bezug auf die intendierten Folgen und schließlich mögliche nicht intendierte Nebenfolgen und daraus resultierende Konsequenzen.

 

Curriculum Vitae Lebenslauf

  • 2004-2009 Bachelorstudium der Fächer Geschichte und Geographie an der Ruhr-Universität Bochum
  • 2009-2013 Studium des Masterstudiengangs "History, Philosophy and Sociology of Science" an der Universität Bielefeld und der Universität Uppsala
  • seit November 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Graduiertenkolleg 1919 „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“ an der Universität Duisburg-Essen
  • 19. Juli 2018 erfolgreiche Disputation, Fakultät Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen

Veröffentlichungen

  • Gschaider, Dennis; Köster, Markus; Spieker, Christoph: Münster 1968. Vom Krieg der Väter zum Protest der Söhne. Drei Filme – Drei Perspektiven. Begleitheft zur DVD, hg. vom LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster 2011.

Mitgliedschaften

  • Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschland

Glückwünsche zur erfolgreichen Disputation

Herr Dennis Gschaider hat am 19. Juli 2018 seine Arbeit erfolgreich verteidigt, wozu ihm alle Mitglieder des Graduiertenkollegs 1919 herzlich gratulieren.

Betreuende Forscher

1. Betreuerin:

Prof. Dr. Ute Schneider

2. Betreuer:

Prof. Dr. Christoph Marx