Projektskizze Die Konvertiten des Königs. Fürsorge als Vorsorge im (spät)mittelalterlichen England

Im Jahr 1232 gründete Heinrich III., König von England, am Rande Londons eine Fürsorgeeinrichtung ganz besonderer Art. Seine domus conversorum diente als Zen­­­­trum der Beherbergung, Versorgung und des Unterrichts von zum Chris­ten­tum konvertier­ten Ju­den aus dem ganzen Land. Sah die historische Forschung hierin bislang vor allem eine Ins­titution zur Missionierung der englischen Juden, so gilt es heute, diese These auf Basis neuer Überlegungen grundlegend zu hinterfragen. Heinrichs Vorgehen wird hierbei als Beispiel für Schadensabwehr durch Vorsorge verstanden. Der Schaden, den es abzuwehren galt, bestand in einer möglichen zukünftigen Uneindeutigkeit der Identität der Konvertiten.

Konversion bedeutete nach zeitgenössischem Ideal einen vollständigen Umbruch im Leben der neuen Christen. Religion als zentrales Differenzierungskriterium mittelalterlicher Gesellschaften erlaubte ihnen kein Verbleiben in den alten Lebenskontexten. Dennoch lässt sich dieses Verbleiben immer wieder beobachten. Konvertiten gehörten häufig nicht nur einer Welt an: ihr Umfeld, ihre Praktiken und fremde Zuschreibungen machten sie zu Grenzgängern zwischen den Religionen, zu Akteuren hybrider Identität. Solche Ambiguität bedeutete eine große Gefahr auf sozio-religiöser Ebene und wurde nicht zuletzt durch die Päpste angeprangert.

Ziel der domus conversorum war es, solche Uneindeutigkeiten gar nicht erst entstehen zu lassen. Hierzu bediente sich die englische Krone verschiedener präventiver Praktiken wie der  Registrierung von Konvertiten, Eignungsprüfungen und räumlicher Isolation von den Juden. Die domus conversorum Heinrichs III. und die auch sonst vielfältigen Beziehungen der englischen Könige zu den Konvertiten ihres Reiches sollen unter diesen Voraussetzungen neu beleuchtet und erklärt werden. Dabei soll nicht nur ein Beitrag zum Verständnis des englischen Falls geleistet werden, sondern zum gesamteuropäischen Phänomen der Konvertitenfürsorge.

 

Curriculum Vitae Lebenslauf

  • 2008-2011 Bachelorstudium der Fächer Geschichte und Germanistik an der Universität Duisburg-Essen und der Universität von Bergen, Norwegen
  • 2011 Bachelor of Arts Universität Duisburg-Essen
  • 2011-2013 Masterstudium der Fächer Geschichte und Germanistik  an der Universität Duisburg-Essen (Studentische Hilfskraft an verschiedenen Lehrstühlen des Historischen Instituts und der germanistischen Mediävistik an der Universität Duisburg-Essen)
  • 2013 Master of Arts an der Universität Duisburg-Essen
  • seit November 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-GRK 1919 „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“ an der Universität Duisburg-Essen
  • 18. April 2018 Disputation und Abschluss des akademischen Teils des Promotionsverfahrens

Stipendien

  • Mai 2015 bis August 2015 Stipendiatin des Deutschen Historischen Instituts London

Veröffentlichungen

  • Tagungsbericht zur Abschlusstagung des DFG-Netzwerks „ZeitenWelten. Zur Verschränkung von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung im frühen und hohen Mittelalter“ mit Anja Hoppe und Christian Hoffahrt: http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6013
  • Philomela und Prokne. Von der Nachtigall und ihrem Sohn, in: Jörg Wesche (Hg.): Antike Mythen der Kunst, Duisburg 2013.
  • Franz Ernst v. Platen-Hallermund. Premierminister, Hofmann, Diplomat, in: Gaby Herchert / Hermann Cölfen / Karl Helmer (Hg.): Aller Ehre werth und nicht leicht zu ersetzen… Adel, Hof und Höflichkeit (AEET. Arbeitsstelle Edition und Editionstechnik 4), Duisburg 2015.
  • Rezension zu: Uhrmacher, Martin: Lepra und Leprosorien im rheinischen Raum vom 12. bis zum 18. Jahrhundert (Beiträge zur Landes- und Kulturgeschichte 8, Publications du CLUDEM 36), Trier 2011, in: Niederrhein-Magazin 14 (2012).

 

Mitgliedschaften

  • Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschland

Neue Stelle

Frau Dr. Klein ist - nach ihrem Ausscheiden aus dem Graduiertenkolleg - zur Zeit am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte im Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen beschäftigt.

Glückwünsche zur erfolgreichen Disputation

Frau Franziska Klein hat am 18. April 2018 ihre Arbeit erfolgreich verteidigt, wozu ihr alle Mitglieder des Graduiertenkollegs 1919 herzlich gratulieren.

Projektposter

Das von Frau Klein für die DFG-Begutachtung des Graduiertenkollegs im September 2017 erstellte Poster zu ihrem Projekt können Sie hier in höherer Auflösung abrufen.

Betreuende Forscher

1. Betreuer:

Prof. Dr. Benjamin Scheller

2. Betreuerin:

Prof. Dr. Amalie Fößel