Projektskizze Praktiken und Paradigmen der Hochwasservorsorge im Römischen Reich

Im Dissertationsprojekt sollen vorbeugende und schützende Maßnahmen im Umgang mit Hochwasser im Römischen Reich untersucht werden. Schriftliche Hauptquellen sind Inschriften, Rechtstexte und das Corpus der römischen Feldmesser (Corpus Agrimensorum Romanorum). Während erstere über ansonsten unbekannte Flutereignisse, Wiederaufbau- und zusätzliche Schutzmaßnahmen informieren, beschäftigen sich die anderen beiden hauptsächlich mit Grenzstreitigkeiten, die nach Hochwasser auftreten, und legen verschiedene Optionen zu deren Beilegung dar. Zudem geben sie Auskunft über vorbeugende Maßnahmen, um es gar nicht erst zu Flutschäden kommen zu lassen. Die Reichweite dieser Maßnahmen soll ebenso erforscht werden wie die ihnen zugrundeliegenden Vorstellungen, ideologischen Vorprägungen und technischen Möglichkeiten.

Da Hochwasservorsorge in anderen antiken literarischen Werken eher vereinzelt thematisiert wird, soll ein weiterer Schwerpunkt auf die Rolle und Entwicklung der Handlungen und Artefakte der historischen Akteure gelegt werden. Hinzu kommt, dass die Perspektivverschiebung auf praktische Maßnahmen des römischen Hochwasserschutzes dazu beitragen kann, eines der Missverständnisse über antikes religiöses Denken offenzulegen, das im westlichen Modernenarrativ noch immer vorherrschend ist: Die Präsenz transzendenter Konzepte, die aufs engste mit der Politik verknüpft waren, bedeutete noch lange keine Untätigkeit gegenüber Gefahrensituationen. Denn obwohl Überschwemmungen als göttliche Warnzeichen gedeutet werden konnten – aber nicht unbedingt mussten –, verfügte man über ein Repertoire von Vorsorgepraktiken, die an die Bedürfnisse der verschiedenen Gefahrenräume (urbane Zentren, landwirtschaftlich genutzte Zonen, Straßen / Schifffahrtskanäle) angepasst waren. Zusätzlich liefern römische Staudämme, Kanalbauten oder Trockenlegungsprojekte ein klares Bild dessen, wozu man sich befähigt sah. Trotz allem konnte ein Eingreifen in den natürlichen Wasserhaushalt zumindest auf lokal begrenzter Ebene bisweilen unerwünschte Nebeneffekte hervorrufen, die ihrerseits bearbeitet und behoben werden mussten. Die Erforschung der Bewältigung solcher durch menschliche Fehlplanung verursachter Gefahren soll ebenfalls Teil der Studie sein.

Zusammenfassend werden folgende Forschungsfragen in den Blick genommen: Wie gingen die politischen Akteure mit Flutgefahren um? Welche expliziten und impliziten Faktoren beeinflussten ihre Entscheidungen und woher nahmen sie ihr Wissen? Welche Ebenen (Kaiser / Senat, Statthalter, Stadtgemeinden) waren in welche Art von Entscheidungen involviert? Erweiterte die Bewältigung von Flutgefahren den Handlungsspielraum antiker politischer Akteure und nahmen sie die Chance wahr, diese neu gewonnenen Handlungskompetenzen und Möglichkeitshorizonte für zukünftige Ereignisse auf Dauer zu stellen und zu institutionalisieren?

 

Curriculum Vitae Lebenslauf

  • 11. April 2018 Disputation und Abschluss des akademischen Teils des Promotionsverfahrens
  • ab 01. November 2017 Wissenschaftliches Volontariat am Deutschen Schifffahrtsmuseum / Institut der Leibniz-Gemeinschaft in Bremerhaven
  • Juli-August 2017 Fortbildung im Graphikdesign für Online- und Printmedien
  • Dezember 2016-Januar 2017 Jacobi-Stipendium für einen Forschungsaufenthalt an der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäologischen Instituts in München
  • 2013-2016 Wissenschaftliche Mitarbeit am Graduiertenkolleg 1919 an der Universität Duisburg-Essen mit dem Dissertationsprojekt „Praktiken und Paradigmen antiker Hochwasservorsorge. Flusshochwasser im Römischen Reich aus technik-, kultur- und umweltgeschichtlicher Perspektive mit Fokus auf den Mittelmeerraum“ (eingereicht im Juli 2017)
  • Zwischen 2008 und 2012 Mitarbeit als Hilfskraft auf archäologischen Grabungen in Spanien und Deutschland (neolithisch, keltiberisch, provinzialrömisch) sowie in verschiedenen Museen und Kultureinrichtungen
  • 2011-2013 Hilfskraft am Lehrstuhl für Alte Geschichte an der TU Dresden)
  • 2010-2013 Studium des Master of Arts an der Technischen Universität Dresden in der Fachrichtung Altertumswissenschaften mit der MA-Arbeit „Q. Sertorius, proconsul und proscriptus. Überlegungen zu den Kommunikationsstrategien im Sertoriuskrieg“
  • 2010 Mitarbeit (Leonardo-da Vinci-Stipendium der EU) im Dokumentationszentrum „La Gavilla Verde“ zum Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939 und zur Diktatur Francos 1939-1975 in Santa Cruz de Moya (Cuenca, Spanien)
  • 2006-2010 Studium des Bachelor of Arts an den Universitäten von Konstanz und Salamanca (Spanien) in den Fächern Altertumswissenschaften und Geschichte mit der BA-Arbeit „Provinzialrömische Gesellschaften am obergermanisch-raetischen Limes. Dynamik und Möglichkeiten einer Grenzzone“
  • 2005-2006 Work & Travel Aufenthalt in Kanada
  • 2005 Abitur in Stuttgart

Auszeichnungen

  • Absolventenpreis (beste Master-Arbeit des Jahres 2013) an der Philosophischen Fakultät der TU Dresden

Veröffentlichungen

  • „Neues zum Kataster von Lacimurga. Die Darstellung der subseciva entlang des Ana, Chiron 47 (2017), 189-212.
  • „Antike Hochwasservorsorge“, in: DAMALS. Das Magazin für Geschichte 05/2017, 45-46.
  • Rezension zu S. von Reden / Chr. Wieland (Hrsg.), Wasser. Alltagsbedarf, Ingenieurskunst und Repräsentation zwischen Antike und Neuzeit (Umwelt und Gesellschaft 14), Göttingen 2015, in: H-Soz-Kult, 09.01.2017, http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-26023
  • „Von aqua magna bis diluvium. Eine systematische Annäherung an den Hochwasserbegriff in den antiken lateinischen Schriftquellen“, Orbis Terrarum 12 (2014, gedr. 2016), 109-129.
  • Tagungsbericht „Deltas in der griechisch-römischen Antike“ / École d'été „Les Deltas dans l'Antiquité gréco-romaine“. Sommerschule, 30.08.2015 – 04.09.2015 Tulcea (Rumänien), in: H-Soz-Kult, 20.10.2015, http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6213
  • „Der Beneficiarierweihebezirk von Osterburken“ und „UNESCO-Welterbe ‚Obergermanisch-Raetischer Limes‘“ in: J. Scheuerbrandt et al., Die Römer auf dem Gebiet des Neckar-Odenwald-Kreises. Grenzzone des Imperium Romanum (Beiträge zur Geschichte des Neckar-Odenwald-Kreises Bd. 3), Heidelberg 2009, Seiten 52-60 und 83-88.

Vorträge (in Auswahl)

  • „Von Göttern und Flussmaximalbreiten: Wie aus ‚religiöser Scheu‘ antike Hochwasservorsorge wird“ – Gastvortrag im Umwelt-/Klimahistorischen Kolloquium der Universität Bern im April 2017.
  • „Antike Hochwasservorsorge: Neues zum Kataster von Lacimurga“ – Vortrag an der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäologischen Instituts, München im Januar 2017.
  • „Flüsse und Straßen, Kataster und Meilensteine. Hispaniens periurbane Zonen“ – Netzwerk-Tagung Toletum VII, Hamburg im November 2016.
  • „An ‘Ecological Turn‘ in Roman Flood Management? Some Remarks and Observations“ – Abendvortrag bei „LAA zu Gast” (Exzellenz Cluster TOPOI), Berlin im Juni 2016.
  • „Managing contingency in watery contexts: Roman harbour sites in Hispania“ – Internationale Konferenz „Harbours as objects of interdisciplinary research – Archaeology + History + Geoscience“ des SPP 1630 Häfen, Kiel im Oktober 2015.
  • „Estuaries in Ancient Geography and in Ancient Flood Management Practices“ – Deutsch-Französische Sommerschule „Deltas in der griechisch-römischen Antike“ des DAI Berlin und der ENS de Paris, Tulcea (Rumänien) im September 2015.
  • Aquae magnae und Hochwasserschutz: Überlegungen zum Stellenwert des Wassers in der römischen Antike“ – Internationale Tagung „Wasser im Altertum“ der Ernst Kirsten Gesellschaft und der DWhG, Berlin im Juli 2014.
  • „Ressourcenmanagement bei den Römern: Aspekte des Wasserbaus und des Wasserrechts in den Hispaniae“ – Netzwerk-Tagung Toletum IV, Hamburg im Oktober 2013.
  • „Räume eigenen Rechts in der ausgehenden römischen Republik. Ein Fallbeispiel“ – Tagung „Räume eigenen Rechts“ der DGS und der Universität Leipzig, Leipzig im Februar 2013.
  • „Q. Sertorius, proconsul und proscriptus. Überlegungen zur Kommunikationsstrategie im Sertoriuskrieg“ – Netzwerk-Tagung Toletum III, Hamburg im November 2012.
  • „Weiheinschriften als Ausdruck irenischen Widerstands? Romanisierungsprozesse am obergermanischen Limes“ – Studentisches Kolloquium „Geschichte Reden“ des Historischen Instituts der TU Dresden, Dresden im Juni 2011.

Wissenschaftliche Poster

  • „Praktiken und Paradigmen der Hochwasservorsorge im Römischen Reich. Präventiver Umgang mit Naturrisiken in der Vormoderne?“ – 51. Deutscher Historikertag „Glaubensfragen“ an der Universität Ham-burg, Hamburg im September 2016.
  • „Practices and Paradigms of Flood Management in the Roman Empire“ – Workshop „Water Management“ des Exzellenz Clusters TOPOI, Berlin im Februar 2016.

Mitgliedschaften

  • Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft e.V.
  • Mommsen-Gesellschaft e.V.
  • TOLETUM – Netzwerk zur Erforschung der Iberischen Halbinsel in der Antike / Network para la investigación sobre la Península Ibérica en la Antigüedad

Glückwünsche zur erfolgreichen Disputation

Frau Jasmin Hettinger hat am 11. April 2018 ihre Arbeit erfolgreich verteidigt, wozu ihr alle Mitglieder des Graduiertenkollegs 1919 herzlich gratulieren.
 

Wechsel nach Bremerhaven

Frau Jasmin Hettinger hat nach dem Ausscheiden aus dem Graduiertenkolleg ein Voluntariat beim Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven angetreten. Weitere Angaben sowie Kontaktdaten finden Sie hier.

Projektposter

Das von Frau Hettinger für die DFG-Begutachtung des Graduiertenkollegs im September 2017 erstellte Poster zu ihrem Projekt können Sie hier in höherer Auflösung abrufen

Betreuende Forscher

1. Betreuer:

Prof. Dr. Wolfgang Blösel

2. Betreuer:

Prof. Dr. Ute Schneider