Martin Schröder


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    Projektskizze

    Das Reich zieht in den Krieg. Die kursächsische und hannoversche Marschorganisation während des „Großen Türkenkrieges“ (1683-1699) zwischen Schadensabwehr und Möglichkeitserschließung.

    Die Organisation von Märschen bzw. Durchzügen stellt ein militärisch essentielles und diplomatisch sowie gesamtgesellschaftlich heikles Phänomen dar, das bislang kaum systematisch erforscht wurde. Von den verheerenden Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges geprägt, waren einige Reichsfürsten ab der Mitte des 17. Jahrhunderts bestrebt, ihr Sicherheitsbedürfnis durch eine permanent einsatzfähige Armee zu befriedigen. Aus der Aufstellung dieser „Stehende Heere“ resultierten zwangläufig politische, ökonomische und soziale Probleme, die selten vollständig und nur mit großer Mühe innerhalb der Territorien gelöst wurden. Vor umfangreichere Herausforderungen wurden die fürstlichen Administratoren allerdings gestellt, wenn der bewehrte Arm fürstlicher Macht über die heimischen Gegenden hinausgriff.

    An derartigen Truppentransporte mangelte es im friedlosen 17. Jahrhundert nicht. Insbesondere der Dauerkonflikt mit den Osmanen birgt unzählige Beispiele militärischer Verlegungen. Anhand des Verhaltens von Kursachsen und dem Fürstentum Calenberg (ab 1692 Kurfürstentum Hannover) während des „Großen Türkenkrieges“ lassen sich Bestrebungen zur Schadensabwehr ebenso sichtbar machen, wie die Erschließung bisher ungeahnter Möglichkeiten. Allerdings erforderte dies ein geschicktes Management von eigenen oder allzu oft fremden Ressourcen. Dabei vereinen beide Fürstentümer die vermeintlich widersprüchlichen Rollen eines Durchzugsgebietes und eines Durchzüge befehlenden Herrschaftswesens.

    Weit gefasst, kann die Marschorganisation als Symptom einer neuen zukunftsorientierten Sicherheits- und Machtpolitik verstanden werden, da die vormals kaum gekannte Militärpermanenz nun zur Regel avancierte. Welche zusätzlichen Potenzen im Komplex der Transitorganisation schlummern, lässt sich kaum ermessen. Exemplarisch bietet sich die Deutung der Marschdurchführung als steter Aushandlungsprozess von Souveränität an. Damit wird das empirische Abklopfen der Staatsbildungsthese für die entlang der Marschroute gelegenen Gebiete ermöglicht. Im Zuge der Herausbildung vormoderner Staatsstrukturen wird somit nicht nur die binnenterritoriale Perspektive betrachtet, sondern ebenfalls die meist vernachlässigten interterritorialen Auswirkungen der im Wandel begriffen Gemeinwesen. Die Marschorganisation als notwendige Konsequenz, der nun zwar stehenden, jedoch fortwährend bewegten Heere, bezeugt die Zweischneidigkeit des militärischen Sicherheitsinstrumentes. Versagte die Logistik, entblößte die keineswegs gezähmte Bellona zumindest den Obrigkeiten und Verheerten ihre altbekannte Fratze.

    Curriculum Vitae

    Lebenslauf

    • seit November 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg 1919: "Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln" an der Universität Duisburg-Essen
    • seit November 2016 Promotionsfortsetzung an der Universität Duisburg-Essen, Thema: „Das Reich zieht in den Krieg. Die kursächsische und hannoversche Marschorganisation während des „Großen Türkenkrieges“ (1683-1699) zwischen Schadensabwehr und Möglichkeitserschließung“
    • April 2016 - Oktober 2016     Promotion an der Universität Potsdam, Thema: „Das Reich zieht in den Krieg. Durchzugsplanung und Durchführung während des Großen Türkenkrieges 1683-1699“, Betreuer: Prof. Dr. Ralf Pröve
    • Oktober 2013 – März 2016    Masterstudium: Military Studies an der Universität Potsdam (Abschlussarbeit: „Die bewegte Bellona als „Stehende Heere“ in Bewegung. Interterritoriales Durchzugsrecht und Marschorganisation im Alten Reich am Ende des 17. Jahrhunderts.“, Betreuer: Prof. Dr. Ralf Pröve)
    • Oktober 2010 – September 2013 Bachelorstudium: Geschichtswissenschaft, Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Potsdam (Abschlussarbeit: „Fluch und Segen. Die Stadt Groß Salze im Dreißigjährigen Krieg. Rollen städtischen Wohlstandes während des Krieges“, Betreuer: Prof. Dr. Ralf Pröve)
    • Juli 2009 – August 2010 Wehrdienst beim Transporthubschrauberregiment 10 (Faßberg)
    • Juni 2009 Abitur am Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium, Schönebeck (Elbe)

    Veröffentlichungen

    • Fluch und Segen. Städtischer Reichtum während des 30-jährigen Krieges am Beispiel Groß-Salzes, In: Sachsen-Anhalt. Journal für Natur- und Heimatfreunde (2015), S. 24-27.
    • „Mein Herr Bruder“. Napoleon und Friedrich August I., hrsg von Rudolf Jenak, In: NASG 86 (2015), S. 272-273.

    Mitgliedschaften

    • Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V.
    • Arbeitskreis Militärgeschichte e.V.
    • Kirchbauverein Schönebeck-Salzelmen e. V.