Moritz Herzog-Stamm

GeiWi/Hist. Inst.
Anschrift
Universitätsstr. 2
45141 Essen
Raum
R09 S03 B83

Funktionen

  • Doktorand/in, Geschichte

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Projektskizze Den Umbruch ordnen, die Zukunft schaffen. Die politischen Beamten Preußens und Badens zwischen Revolutionserfahrung und demokratischem Erwartungshorizont (1918-1932)

Staatsdiener mögen für gewöhnlich keine Revolutionen. Die Reaktion der deutschen Ministerialbürokratie auf die Novemberrevolution 1918/19 stellte in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Selbstzeugnisse der einzelnen Beamten aus dieser Zeit sowie rückblickende Betrachtungen zeichnen mehrheitlich das Bild einer Katastrophe, die den bisherigen politischen Erfahrungsraum sprengte und tiefe Verunsicherung hervorrief. Im selben Atemzug wurde aber zumeist ebenso betont, dass die eigene pflichtbewusste Indienststellung unter die neuen Machthaber eine noch größere Katastrophe verhindert habe.

Das hier vorgestellte Dissertationsprojekt nimmt diese Kontingenzerfahrung der Ministerialbeamtenschaft als Ausgangspunkt und fragt nach den Strategien, mit denen die Akteure versuchten, während und nach der Revolution Handlungsfähigkeit und Deutungshoheit über das Geschehen wiederzuerlangen. Besonderes Augenmerk gilt hierbei der Spitzengruppe der politischen Beamten, für die sich wegen ihrer jederzeitig möglichen vorzeitigen Versetzung in den Ruhestand die Frage nach der Loyalität zum „neuen Staat“ in besonderem Maße stellte. Diese schmale Schicht der Verwaltungselite wurde ab 1918 zwar um einige Quereinsteiger ergänzt, die große Mehrheit der Spitzenbürokratie der Weimarer Republik war aber schon vor der Revolution in den Staatsdienst eingetreten.

Prämisse der Untersuchung ist, dass der „neue Staat“ zumindest innerhalb der politischen Beamtenschaft trotz dieser personellen Kontinuität weit weniger stark ein indiskutables Übel darstellte, als in der älteren Forschung bisweilen vermutet wurde. Die einfachere Austauschbarkeit der politischen Beamten, so die These weiter, ließ eine republikanische Personalpolitik hier eher Wurzeln schlagen. Zwar war das pathetische „Bekenntnis eines Menschen, der stolz darauf ist, durch seine Herkunft seit Generationen von mehr als 150 Jahren in den Traditionen des alten Beamtentums verwurzelt zu sein, aber nicht minder stolz drauf ist, dem neuen Deutschland, der deutschen Republik mit Hingabe dienen zu können“,[1] wie es 1929 der Staatsekretär des Reichsinnenministeriums, Erich Zweigert, artikulierte, nicht der Regelfall. Gleichwohl wurde dem „neuen Staat“ 1918 als Ordnungsversprechen vonseiten der Spitzenbürokratie mit grundsätzlicher Offenheit begegnet. Im weiteren Verlauf eröffneten die postrevolutionären Personalrocharden auch einer ganzen Reihe von Bürokraten der zweiten Reihe neue Karrieremöglichkeiten, wodurch die Republik nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance erfahrbar wurde.

Die Arbeit nimmt somit die Auseinandersetzung der „alten“ Beamtenschaft mit dem „neuen Staat“ als eine Form von Zukunftshandeln in den Blick, das danach trachtete, die postrevolutionäre offene Zukunft durch wechselseitig performative wie epistemische Strategien vom revolutionären Schreckbild in ein positiv gedeuteten Möglichkeitsraum zu verwandeln. Anhand einer prosopographisch angelegten Fallstudie zu den politischen Beamten Badens und Preußens gilt vor allem den unternommen „Synchronisierungsversuchen“ von neuer Staatsform und von der Beamtenschaft als bewahrenswert klassifizierten Traditionsbeständen besondere Aufmerksamkeit. In diesem Kontext gilt es zu fragen, wie das Spannungsverhältnis zwischen tradierter kaiserzeitlicher Behördenpraxis, der neuen Herrschaftsform Demokratie und der Öffnung der Beamtenlaufbahn für bis dahin nicht satisfaktionsfähige Schichten aufgelöst wurde.

 

[1] Erich Zweigert, Der Beamte im neuen Deutschland, in: Harms, Bernhard (Hg.): Volk und Reich der Deutschen. Vorlesungen gehalten in der Deutschen Vereinigung für Staatswissenschaftliche Fortbildung, Bd. 2, S. 460-475, hier S. 461.

Curriculum vitae Lebenslauf

Seit 11/ 2019: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg 1919 „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage: Kontingenzbewältigung durchZukunftshandeln“, Universität Duisburg-Essen

01/2017 - 03/2019: Studium der Geschichtswissenschaft mit dem Epochenschwerpunkt „Geschichte des 19. - 21. Jahrhunderts", Abschluss: Master of Arts

04/2011 - 12/2016: Studium der Fächer Geschichte, Politik und Rechtswissenschaften an der Universität Konstanz, Abschluss: Bachelor of Arts

Praktische Erfahrungen

06/ 2019 – 09/2019: Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Zeitgeschichte, München

04/2018 – 09/2018: Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Zeitgeschichte (Prof. Dr. Sven Reichardt), Universität Konstanz

08/2017 – 10/2017: Praktikant am Institut für Zeitgeschichte, München

10/2016 – 02/2018: Tutor am Fachbereich Geschichte der Universität Konstanz

02/2016 – 04/2016: Praktikant in der Redaktion des Geschichtsmagazins DAMALS

05/2015 – 03/2018: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte und an der Leibnizforschungsstelle für globale Prozesse (Prof. Dr. Jürgen Osterhammel), Universität Konstanz

Vorträge

06/2018: „Etwas Demokratie wagen? Die ‚Republikanisierung‘ der preußischen Polizei 1918-1926“ im Oberseminar des Instituts für Zeitgeschichte im Sommersemester 2018, IfZ München

08/2018: „Wilhelm Abegg und die Demokratisierung der preußischen Polizei“ auf der Konferenz für den wissenschaftlichen Nachwuchs, Thema: „Demokratische Persönlichkeiten in der Weimarer Republik“, Forschungsstelle Weimarer Republik, Universität Jena

Publikationen

Tagungsbericht: Zukunftsorientierung und NS-Vergangenheit. NS-Belastungen im bundesdeutschen Atom- bzw. Forschungsministerium, 1955-1972, 10.10.2017 – 11.10.2017 München, in: H-Soz-Kult, 21.11.2017, online hier.

Betreuende Forscher

1. Betreuer: Prof. Dr. Frank Becker

2. BetreuerIn: Prof. Dr. Markus Bernhardt