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IAQ zu grenzüberschreitenden Arbeitnehmerprotesten

Gebündelte Aktionen mit Signalwirkung

  • von Claudia Braczko
  • 16.09.2020

In der globalen Wirtschaft fallen Standort-Entscheidungen multinationaler Unternehmen über Ländergrenzen hinweg. Oft kostet das Tausende Arbeitsplätze. Betriebsräte gibt es zwar auch auf europäischer und durchaus auch auf globaler Ebene – ihre Möglichkeiten sind aber begrenzt. Christine Üyük vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der UDE hat untersucht, wie grenzüberschreitende Proteste zustande kommen und was die Arbeitnehmervertretungen multinationaler Konzerne zu gemeinsamen Aktionen motiviert.

Insgesammt wurden 33 Experteninterviews mit Arbeitnehmervertretenden zu acht verschiedenen Protestaktionen in multinationalen Unternehmen geführt. Die Interessenvertretungen auf lokaler, nationaler, europäischer und globaler Ebene benannten vor allem die drastischen Auswirkungen der grenzüberschreitenden Unternehmenspolitik auf die Beschäftigten als zentrales Motiv für die Proteste. Verantwortlich für die Probleme seien aus ihrer Sicht überwiegend Managementfehler wie falsche Investitionsentscheidungen oder Restrukturierungen Zudem kritisierten sie die starke Ausrichtung der Unternehmenspolitik am Shareholder Value und vermissten eine „menschliche Note“ im Umgang mit den Beschäftigten.

„Aus Sicht der Arbeitnehmervertretenden mangelte es auch an der Dialog- und Kompromissbereitschaft des Managements, an Verhandlungspartnern mit Entscheidungsbefugnissen sowie an gemeinsamen Gremien auf europäischer und globaler Ebene“, so Christine Üyük. Insbesondere das Machtungleichgewicht durch die Beschränkung des Europäischen Betriebsrats auf ein Informations- und Konsultationsrecht sowie fehlende rechtliche Grundlagen für eine globale Interessenvertretungsebene trugen dazu bei, dass Konflikte nicht sozialpartnerschaftlich gelöst werden konnten.

Wie schätzten die Befragten die Wirkung vereinzelter Protestaktionen auf die Unternehmenspolitik ein?“ Nicht besonders gut – trotzdem sahen sie die gemeinsamen Aktionen als angemessenes und – eingebettet in eine Gesamtstrategie – auch als erfolgversprechendes Mittel an“, erklärt Christine Üyük. Ihnen ging es vor allem darum, Solidarität zu zeigen, die Kräfte auf europäischer und globaler Ebene zu bündeln und dem Management zu signalisieren, dass Restrukturierungen mit erheblichen Auswirkungen für die Beschäftigten nicht ohne Protest akzeptiert würden.

Weitere Informationen:
https://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2020/report2020-09.php
Christine Üyük, IAQ, Tel. 0203/37 9-1823, christine.ueyuek@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, IAQ, Tel. 0157/71283308, claudia.braczko@uni-due.de

 

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