VAMPIR untersucht Wirkung von Desinformationen auf Jugendliche
Zwischen TikTok und Täuschung
- von Jennifer Meina
- 20.05.2026
Social-Media-Kanäle wie TikTok sind bei Jugendlichen auch als Nachrichtenkanal beliebt – und deshalb ein attraktives Ziel für Desinformationskampagnen. Falsche oder irreführende Informationen können innerhalb kürzester Zeit viele junge Menschen erreichen. Im Projekt VAMPIR entwickelt ein interdisziplinäres Team Maßnahmen, um Desinformation auf TikTok zu erkennen und einzudämmen. Beteiligt sind neben den Universitäten Duisburg-Essen und Kassel, auch die die Technische Hochschule Köln, die Hochschule der Medien in Stuttgart und das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT*. Das dreijährige Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert
Das Projekt VAMPIR (Videonutzung in der Adoleszenz: Manipulation, Propaganda, Information und Resilienz) bündelt medienpsychologische, kommunikationswissenschaftliche, technische und juristische Perspektiven, um Desinformationen in Videoinhalten ganzheitlich zu untersuchen und geeignete Lösungsansätze zu entwickeln.
Medienpsycholog:innen an der Universität Duisburg-Essen untersuchen hierbei, wie sich videobasierte Desinformation von textbasierter unterscheidet und welche spezifische Wirkung Deepfake-Videos und -Bilder auf Jugendliche zwischen 16 bis 21 Jahren haben. „Die bisherige Forschung legt nahe, dass visuell dargestellte Desinformation eine stärkere Wirkung auf Konsument:innen haben kann als rein textuelle Inhalte. Gleichzeitig zeigen Studien, dass video- und KI-generierte Desinformation für Jugendliche besonders schwer zu erkennen ist“, erklärt Amancay Ancina, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl.
Insgesamt ist die Forschungslage zu Kindern und Jugendlichen in diesem Bereich bislang jedoch noch lückenhaft. Dabei unterscheiden sich junge Menschen hinsichtlich ihrer Mediennutzung, Risikowahrnehmung und kognitiven Entwicklung deutlich von Erwachsenen, so Ancina weiter. Um dies besser zu verstehen, setzt das Team unter Leitung von Prof. Dr. Nicole Krämer auf Befragungen, Labor- und Online-Experimente sowie physiologische Messungen. Gemeinsam mit Schulen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sollen Sensibilisierungsworkshops und Strategien zur Stärkung der Medienkompetenz entwickelt werden.
Forschenden des Fraunhofer SIT analysieren zudem, wie sich Desinformationen und Deepfakes von Randplattformen wie Telegram auf Mainstream-Dienste wie TikTok ausbreiten. Darüber hinaus werden die Forschenden KI-gestützte Verfahren zur Erkennung von Deepfakes, manipulierten Videos und Bildern entwickeln. Schließlich ergänzt die rechtliche Perspektive das Projekt.
Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines umfassenden Werkzeugpakets: Die Erkenntnisse und entwickelten Interventionsmaßnahmen sollen in Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen genutzt werden. Die rechtlichen Empfehlungen richten sich an politische Entscheidungsträger:innen.
* Assoziierte Partner sind die Stiftung Digitale Chancen, die Stadt Duisburg, die Vodafone Stiftung sowie die Bundeszentrale für politische Bildung.
Weitere Informationen:
Hier geht es zur ausführlichen Pressemeldung. https://www.sit.fraunhofer.de/vampir/
Amancay Ancina, Sozialpsychologie: Medien und Kommunikation, Tel. 0203/37 9-6030, amancay.ancina@uni-due.de
Prof. Dr. Nicole Krämer, Sozialpsychologie: Medien und Kommunikation, nicole.kraemer@uni-due.de