Ressourcenschonendes Bauen am Niederrhein
Wenn Abfall zum Baustoff wird
- 29.05.2026
Die Bauwirtschaft ist ein Rohstoffgigant – und ein Abfallproduzent. Tonnenweise Material fallen beim Rückbau an, ein erheblicher Teil landet noch immer auf Deponien. Dabei steckt in vielem davon ein zweites Leben. Genau hier setzt das Projekt „Circular.NiederRhein“ an: Das Team will aus linearen Stoffströmen im Bauwesen funktionierende Kreisläufe machen. Die Universität Duisburg-Essen ist am überregionalen Projekt mit Expertise im Bereich Logistik und Bau beteiligt.
Was gestern als Bauschutt galt, wird heute als Ressource gesehen. Doch zwischen Idee und Baustelle liegen Hürden: unklare Qualitäten, fehlende Märkte, komplizierte Logistik. Wie also wird zirkuläres Bauen im Alltag eines Betriebs verlässlich und wirtschaftlich?
Am Beispiel von Beton lassen sich die Hindernisse gut erkennen: „Beton aus dem Rückbau lässt sich technisch recyceln. Praktisch scheitert es oft an Vorschriften, an fehlender Sortenreinheit oder daran, dass Angebot und Nachfrage nicht zusammenfinden“, erklärt Prof. Dr. Alexander Malkwitz vom Institut für Baubetrieb und Baumanagement an der Universität Duisburg-Essen. „In der Folge zahlen die Unternehmen für die Entsorgung – und kaufen parallel Neuware“.
„Das Projekt ' Circular.NiederRhein' zeigt, wie aus wissenschaftlicher Zusammenarbeit und regionaler Vernetzung konkrete Lösungen für die Bau- und Logistikpraxis entstehen können. Genau dieser Transfer in die Anwendung ist für die Transformation hin zu einer Circular Economy entscheidend“, sagt Güldilek Köylüoğlu Alabaş vom Zentrum für Logistik und Verkehr der Universität Duisburg-Essen.
Für Unternehmen soll ein praxisnaher Werkzeugkasten entstehen, der zirkuläres Bauen effizient macht: Datenbanken machen regionale Stoffströme sichtbar, Modelle bewerten Wirtschaftlichkeit und Risiken, Workshops bringen die Ansätze in die Praxis.
Darüber hinaus werden die ökologischen Wirkungen des Einsatzes von Sekundär- und Primärrohstoffen systematisch verglichen, etwa beim Ressourcenverbrauch. So entstehen belastbare Grundlagen für Entscheidungen, die ökologische und ökonomische Aspekte verbinden.
„Circular.NiederRhein“ ist Teil des EFRE/JTF-Programms NRW 2021–2027 („Regio.NRW – Transformation“). Es startet im Mai 2026 und läuft bis Ende 2028. Koordiniert wird es von der Duisburg Business & Innovation GmbH. An der Universität Duisburg-Essen richten Prof. Dr. Katharina Glock vom Lehrstuhl für Transportsysteme und -logistik sowie Prof. Dr. Alexander Malkwitz vom Institut für Baubetrieb und Baumanagement den Blick im Projekt auf die Schnittstellen zwischen Logistik und Bau. Das Zentrum für Logistik und Verkehr der UDE ist mit beiden Lehrstühlen beteiligt.
Weitere Informationen:
https://www.uni-due.de/zlv/projekte.shtml
Güldilek Köylüoğlu Alabaş, Zentrum für Logistik und Verkehr (ZLV), Tel. 0203/37 9-1096,gueldilek.koeylueoglu@uni-due.de