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2026-01-21
Veranstaltungen

Entscheidungen besser treffen – mit Operations Research und Ökobilanzierung

von FoKo


FIW

MBVT-Kolloquium zum Semesterabschluss

Wie lassen sich Produktions- und Logistiksysteme so planen, dass sie ökonomisch tragfähig und zugleich ökologisch belastbar sind? Dieser Frage widmete sich Prof. Dr. Jutta Geldermann (Lehrstuhl für ABWL und Produktionsmanagement) im letzten Termin des MBVT-Kolloquiums im WS 2025/2026 am 14. Januar 2026. In ihrem Vortrag „Operations Research und Ökobilanzierung“ zeigte sie anhand konkreter Beispiele, wie sich mathematische Optimierung, multikriterielle Entscheidungsunterstützung und Life Cycle Assessment (LCA) zu einem integrierten Instrumentarium verbinden lassen – von der Modellierung bis zur nachvollziehbaren Entscheidungsbegründung.

Operations Research als methodisches Rückgrat datenbasierter Entscheidungen

Im ersten Teil stellte Prof. Geldermann Operations Research (OR) als methodische Grundlage vieler datengetriebener Anwendungen vor. Ziel sei es, mithilfe von Modellen und Algorithmen optimale Entscheidungen zu unterstützen – etwa zur Ressourcennutzung, Kostenminimierung oder Gewinnmaximierung. An typischen Entscheidungsproblemen wie Produktionsplanung (lineare Optimierung) oder Routenoptimierung (Travelling Salesman Problem) wurde deutlich, warum OR in der Praxis besonders dann relevant wird, wenn Restriktionen, Zielkonflikte und Komplexität „gleichzeitig“ beherrscht werden müssen.

Ökobilanzierung: Umweltwirkungen über den gesamten Lebensweg bewerten

Anschließend schlug Prof. Geldermann die Brücke zur Ökobilanzierung (LCA) als international etabliertem Verfahren zur Bewertung von Umweltwirkungen über den Lebenszyklus eines Produkts oder Prozesses. Im Fokus standen dabei zentrale methodische Bausteine wie Ziel- und Untersuchungsrahmen, Systemgrenzen, funktionelle Einheit sowie die Wirkungsabschätzung – inklusive der Einordnung von Normen und Standards.

Gerade in industriellen Transformationsprojekten – etwa bei Dekarbonisierungspfaden oder Kreislaufwirtschaftslösungen – wird LCA zur entscheidenden Grundlage, um technische Optionen nicht nur technisch, sondern auch ökologisch belastbar zu vergleichen.

Praxisbezug: Von digitalen Entscheidungswerkzeugen bis zur Kreislaufwirtschaft

Wie anwendungsorientiert die Verbindung aus OR und LCA sein kann, verdeutlichte Prof. Geldermann anhand von Projekten und Tools aus Forschung und Transfer, darunter:

  • PROMETHEE-Cloud als webbasierte Anwendung zur multikriteriellen Entscheidungsunterstützung, die Transparenz in Zielkonflikten schafft.
  • EMSARZEM (Einsatz von Müllverbrennungs-Schlacke als Rohstoff für die Zementherstellung) als Beispiel für Kreislaufwirtschaft, bei dem ökologische und wirtschaftliche Effekte systematisch bewertet werden.

Damit knüpfte der Kolloquiumsvortrag auch an aktuelle UDE-Forschungsaktivitäten an, in denen die ökonomische und ökologische Bewertung als Voraussetzung für industrielle Umsetzbarkeit dient.

Austausch und Vernetzung im MBVT-Kolloquium

Der Termin bot im Anschluss Raum für Fragen und Diskussionen – insbesondere zur praktischen Einbettung von OR- und LCA-Methoden in ingenieurwissenschaftliche Forschungsvorhaben sowie zur Rolle von Transparenz, Annahmen und Unsicherheiten bei Nachhaltigkeitsbewertungen.

Ausblick: Fortsetzung im Sommersemester 2026

Das MBVT-Kolloquium wird aufgrund der sehr positiven Resonanz im Sommersemester 2026 fortgesetzt. Die neuen Termine und Vortragsthemen werden rechtzeitig bekanntgegeben.