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23. Bauthementag am IBB
von FoKo

FIW
Digitale Baudokumentation und visuelles Monitoring im Fokus
Am 26. Februar 2026 veranstaltete das IBB (Institut für Baubetrieb und Baumanagement) der FIW der UDE den 23. Bauthementag. Das IBB wird von Prof. Dr. Alexander Malkwitz geleitet, der zugleich Dekan der FIW sowie Abteilungsleiter der Bauwissenschaften ist. Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand das Thema „Digitale Baudokumentation – visuelles Monitoring“. Damit griff der Bauthementag ein Themenfeld auf, das für die Baupraxis, die wissenschaftliche Forschung und die Ausbildung künftiger Ingenieurinnen und Ingenieure gleichermaßen an Relevanz gewinnt.
Die Veranstaltung brachte Studierende, Forschende und Vertreter:innen aus der Baupraxis zusammen, um aktuelle Entwicklungen, Technologien und Anwendungsmöglichkeiten der digitalen Baudokumentation aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Gerade diese Verbindung aus wissenschaftlicher Einordnung, praktischen Erfahrungen aus realen Projekten und dem direkten Austausch mit dem Publikum macht den Bauthementag seit Jahren zu einem wichtigen Format des IBB.
Digitale Baudokumentation als Schlüsselthema der Baupraxis
Baudokumentation war lange Zeit stark durch analoge oder nur teil-digitalisierte Prozesse geprägt: Papierunterlagen, einzelne Fotos, verstreute Notizen und nicht immer konsistent gepflegte Dokumentationen bestimmten vielerorts den Arbeitsalltag. Im Rahmen des Bauthementags wurde deutlich, wie stark sich dieser Bereich aktuell verändert. Digitale Verfahren schaffen heute die Grundlage dafür, Bauprozesse systematischer, objektiver, reproduzierbarer und datenbasiert zu dokumentieren und auszuwerten. Im Zentrum stehen dabei nicht nur neue Erfassungsmethoden, sondern vor allem die Frage, wie Daten in der Praxis so genutzt werden können, dass daraus ein echter Mehrwert für Projektsteuerung, Qualitätssicherung, Terminverfolgung, Abrechnung und Nachweisführung entsteht. Die Beiträge des Bauthementags zeigten sehr anschaulich, dass digitales Monitoring weit mehr ist als die bloße Sammlung visueller Informationen: Es geht um die Verknüpfung von Erfassung, Auswertung, Modellbezug und Entscheidungsunterstützung.
Wissenschaftliche Perspektive: Qualität von Punktwolken als Grundlage belastbarer Auswertung
Die wissenschaftliche Einordnung des Themas erfolgte durch Ayham Kemand. Sein Beitrag zeigte, dass die Qualität digitaler Auswertungen maßgeblich von der Qualität der zugrunde liegenden Erfassungsdaten abhängt. Im Fokus standen verschiedene Erfassungsgeräte und -verfahren sowie deren jeweilige Eignung für spezifische Anwendungsfälle im Hochbau, Tiefbau und in Bestandsaufnahmen. Vorgestellt wurden unter anderem stationäres Laserscanning (TLS), mobiles Laserscanning auf Basis von SLAM, Drohnen-Photogrammetrie und RTK-gestützte mobile Photogrammetrie. Die Präsentation machte die Unterschiede hinsichtlich Genauigkeit, Mobilität, Erfassungsdauer, Erfassungsrhythmus und Einsatzbereich deutlich. Besondere Aufmerksamkeit galt der Punktwolkenqualität. Anhand einer Vergleichsstudie wurden Kriterien wie Punktdichte, Lagegenauigkeit, Punktrauschen und Intensität erläutert. Dabei wurde gezeigt, dass hochqualitative Punktwolken eine wesentliche Voraussetzung dafür sind, Bauteile zuverlässig zu erkennen, Soll-Ist-Abgleiche mit BIM-Modellen durchzuführen und Abweichungen belastbar nachzuweisen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass nicht jedes Erfassungsverfahren für jede Aufgabenstellung gleichermaßen geeignet ist: Während etwa TLS besonders hohe Genauigkeiten im Millimeterbereich ermöglicht und sich für hochwertige Qualitätsnachweise eignet, bieten andere Verfahren Vorteile bei Geschwindigkeit, Flächenleistung oder Wiederholbarkeit.
Der Vortrag verdeutlichte zudem den Mehrwert der Punktwolke in der Bauauswertung, beispielsweise bei georeferenzierten Flächenabnahmen, Volumenbestimmungen, der Beweissicherung vor Verfüllungen oder beim Soll-Ist-Abgleich zwischen BIM-Modell und realem Bauzustand. Auch Automatisierungspotenziale wurden thematisiert, etwa die automatisierte Identifikation und Lokalisierung diskreter Baustellenobjekte oder semantische Flächenklassifikationen auf Basis von Bilddaten. Damit zeigte der wissenschaftliche Beitrag, dass visuelles Monitoring nur dann belastbar und skalierbar wird, wenn Datenerfassung und Datenauswertung methodisch sauber aufeinander abgestimmt sind.
Praxisperspektive I: Digitale Baudokumentation in großen Tiefbau- und Infrastrukturprojekten
Conrad Schulte stellte die digitale Baudokumentation in der Prozesskette der Hagedorn Unternehmensgruppe vor. Sein Beitrag machte deutlich, wie digitales Monitoring insbesondere in großen Tiefbau-, Flächenentwicklungs-, Rückbau- und Infrastrukturprojekten eingesetzt wird. Die vorgestellte Vision von „Hagedorn digital“ beschreibt einen durchgängigen Ansatz: Leistung erbringen und Daten erfassen, Daten digital analysieren und Entscheidungen vorbereiten sowie Leistungen datenbasiert steuern und abrechnen. Der Ansatz ist dabei ausdrücklich auf digitale, automatisierte, modulare und KI-getriebene Prozesse ausgerichtet. Im Mittelpunkt stand dabei die Plattform DigiSoil beziehungsweise DigiSoil Rockforce, die als digitaler Zwilling für Stoffströme, Bodeneinbau, Verdichtungsnachweise, Dokumentenzugriff und projektspezifische Nachweise dient. Vorgestellt wurden unter anderem Funktionen zur Bestellung und Freigabe, zur Integration von Analytik und Gutachtern, zur Dokumentation des Bodeneinbaus, zur Verdichtungskontrolle nach DIN, zur Dokumentenverwaltung und zum Export sowie zur Erstellung von Lieferscheinen nach EBV. Darüber hinaus wurde hervorgehoben, dass die Plattform als Datengrundlage für Dashboards und Enddokumentation dient. Gerade im Kontext der Ersatzbaustoffverordnung und der Einbaudokumentation zeigte der Vortrag, wie stark digitale Workflows dazu beitragen können, gesetzliche Anforderungen in operative Prozesse zu übersetzen. Als Vorteile wurden unter anderem schnellere Entscheidungen, einheitliche Dokumentation, Live-Daten für die Projektsteuerung, abrechenbarer statt geschätzter Fortschritt sowie eine beschleunigte Abschlussrechnungsstellung genannt. Damit wurde sehr anschaulich demonstriert, dass digitale Baudokumentation in der Praxis längst nicht mehr nur eine ergänzende Dokumentationshilfe ist, sondern ein zentrales Instrument für Steuerung, Nachweisführung und Wirtschaftlichkeit.
Praxisperspektive II: Digitale Baustelle und visuelles Monitoring im Hochbau
Einen weiteren praxisnahen Schwerpunkt setzte Miguel Ebbers, der in seinem Vortrag Einblicke in die Potenziale und Einsatzmöglichkeiten digitaler Baudokumentation aus Sicht der digitalen Transformation in der Immobilien- und Bauwirtschaft gab. Dabei spannte er den Bogen von grundlegenden Anforderungen und veränderten Arbeitsweisen bis hin zu konkreten Anwendungen auf der Baustelle. Seine Präsentation machte deutlich, dass digitale Baudokumentation eng mit BIM-basierten Arbeitsweisen, zentralen Datenplattformen und standardisierten digitalen Workflows verbunden ist. Anhand praxisnaher Beispiele zeigte er, wie digitale Checklisten, Helmkameras, intelligente Bauteilerkennung, Terminplanabgleiche und digitale Bautagebücher eingesetzt werden können, um Bauausführung, Fortschritt und Qualität besser nachzuvollziehen. Zu den hervorgehobenen Mehrwerten zählen unter anderem die digitale Verfügbarkeit von Dokumentationen, die Unterstützung des Mangelmanagements, die Möglichkeit zur Baufortschrittsdokumentation, die Prüfung von Ausführungen auch aus der Distanz sowie die automatisierte oder teilautomatisierte Aktualisierung von Terminplänen. Gleichzeitig wurden auch Herausforderungen benannt, etwa die Akzeptanz neuer digitaler Methoden auf der Baustelle, die Notwendigkeit regelmäßiger Erfassungsroutinen und die Integration verschiedener Systeme über Schnittstellen. Besonders deutlich wurde dabei, dass visuelles Monitoring heute nicht isoliert betrachtet werden kann. Erst durch die Verbindung von Bilddaten, BIM-Modellen, Terminplanung und strukturiertem Reporting entstehen jene Transparenz und Steuerungsfähigkeit, die digitale Baustellenprozesse so wertvoll machen.
Austausch zwischen Forschung, Praxis und Studierenden
Neben den Fachvorträgen war auch der Austausch im Anschluss an die Veranstaltung ein wesentlicher Bestandteil des Bauthementags. Gerade in diesen Gesprächen wurde deutlich, wie fruchtbar der Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Studierenden ist. Die Veranstaltung bot Raum, um unterschiedliche Sichtweisen auf digitale Baudokumentation zusammenzuführen: die Anforderungen der Praxis, die analytische Tiefe der Forschung und die Fragen derjenigen, die sich als Studierende auf ihre späteren Aufgaben in Planung, Ausführung und Projektsteuerung vorbereiten. Der Bauthementag zeigte damit nicht nur den aktuellen Stand technischer Entwicklungen, sondern auch, wie wichtig interdisziplinäres Denken für die Digitalisierung im Bauwesen ist. Digitale Baudokumentation und visuelles Monitoring berühren Fragen der Datenerfassung, Modellierung, Prozessintegration, Auswertung, Qualitätssicherung und Automatisierung zugleich. Genau an dieser Schnittstelle von Technik, Methode und Anwendung setzt die Arbeit des IBB an.
Dank an die Mitwirkenden
Ein besonderer Dank gilt den Referenten Miguel Ebbers und Conrad Schulte für ihre praxisnahen und zugleich zukunftsorientierten Beiträge sowie Ayham Kemand für die wissenschaftliche Vertiefung des Themas. Ebenfalls danken wir Jonas Sevenich, der die Veranstaltung moderierte und die Diskussionen durch den Nachmittag begleitete.
Das IBB bedankt sich bei allen Teilnehmenden für das große Interesse, die engagierten Fragen und die anregenden Gespräche. Der 23. Bauthementag hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Austausch über aktuelle Entwicklungen im Bauwesen ist – und wie groß das Potenzial digitaler Methoden für eine transparentere, effizientere und belastbarere Baupraxis ist.
23. Bauthementag am IBB
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