Meldungen aus den Ingenieurwissenschaften

2026-07-30 | Veranstaltungen
Veranstaltungen

Seilrobotik und automatisierte Bauverfahren im Fokus

von FoKo


FIW

MBVT-Kolloquium

Am 22. Juli 2026 fand das letzte MBVT-Kolloquium des Sommersemesters 2026 statt. Zum Abschluss der Reihe sprach Prof. Dr. Tobias Bruckmann vom Fachgebiet für Mechatronik über „Anwendungen von Seilrobotik und automatisierte Bauverfahren“.

Zu Beginn stellte Prof. Bruckmann den Bereich Robotik und Automatisierung am Lehrstuhl für Mechatronik vor, den er seit 2010 koordiniert. Seine Forschung bewegt sich vor allem in Feldern, in denen Arbeiten bislang stark manuell geprägt sind: Etwa im Bergbau, im Bauwesen, bei Baumaschinen oder im Hafenumschlag. Genau dort stellt sich die Frage, wie Automatisierung sinnvoll eingesetzt werden kann: Nicht als Selbstzweck, sondern dort, wo Tätigkeiten gefährlich, körperlich belastend, schwer planbar oder vom Fachkräftemangel betroffen sind.

Anhand verschiedener Projekte zeigte Prof. Bruckmann, wie breit das Anwendungsspektrum der Mechatronik ist. Beispiele reichten von Laderobotern für Elektrofahrzeuge über die Automatisierung hydraulischer Bohrarme bis hin zu robotischen Systemen für den Hafenumschlag. Im Projekt CoboTank geht es etwa darum, den Beladevorgang von Tankschiffen mithilfe teilautomatisierter Robotersysteme zu unterstützen. Der Vortrag machte dabei deutlich, dass technische Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und die Einbindung der späteren Nutzer:innen eng zusammengedacht werden müssen.

Ein Schwerpunkt lag anschließend auf der Seilrobotik. Prof. Bruckmann gab einen Überblick über die Projekthistorie des Lehrstuhls. Unter anderem wurden Arbeiten zu CableBOT, Aufhängungssystemen für Windkanäle, NEMOS sowie Anwendungen im Bereich von Regalbediengeräten beleuchtet. Seilroboter sind besonders interessant, weil sie große Arbeitsräume abdecken können, ohne dass dafür schwere Roboterarme oder massive Führungsstrukturen nötig sind. Damit eignen sie sich für Aufgaben, bei denen klassische Industrieroboter schnell an Grenzen stoßen.

Besonders anschaulich wurde dies im Themenfeld der automatisierten Rohbauerstellung. Prof. Bruckmann zeigte, dass die Bauplanung heute häufig bereits digital erfolgt, beispielsweise über BIM-Modelle. Auf der Baustelle selbst wird jedoch weiterhin vieles manuell umgesetzt. Dadurch gehen Informationen verloren, und digitale Planung kann ihr Potenzial in der Ausführung nicht immer vollständig entfalten. Automatisierte Bauprozesse setzen genau an dieser Schnittstelle an.

Vorgestellt wurden unter anderem Arbeiten zum automatisierten Deckenlegen und zur automatisierten Mauerwerkserstellung. Hintergrund sind aktuelle Herausforderungen im Bauwesen, darunter der anhaltende Wohnungsmangel und der zunehmende Fachkräftemangel. Die Forschung am Lehrstuhl verbindet hierfür BIM-basierte Planungsprozesse, experimentelle Erprobung, Hardware-Entwicklung und Tests nahe am Maßstab 1:1. Dabei geht es nicht nur um den Roboter selbst, sondern auch um die Frage, wie Bauwerke künftig entworfen werden müssen, damit sie überhaupt automatisiert errichtet werden können.

Ein weiterer Teil des Vortrags widmete sich der DFG-Forschungsgruppe FOR5672 „The Information Backbone of Robotized Construction“. Im Mittelpunkt steht dort die durchgängige Verarbeitung digitaler Informationen für robotorgestützte Bauprozesse: Vom Gebäudemodell über Fertigungs- und Prozessmodelle bis hin zu Steuerungsdaten für Robotersysteme. Damit wurde ein zentrales Thema des Vortrags sichtbar: Automatisierung im Bauwesen braucht nicht nur leistungsfähige Maschinen, sondern vor allem passende Datenmodelle, Schnittstellen und Prozessketten.

Neben der Baurobotik gab Prof. Bruckmann auch Einblicke in aktuelle Forschung zur Sicherheit von Seilrobotern. Dazu zählt die DFG-Sachbeihilfe StraDaC, die sich mit Strategien zur Schadensvermeidung nach Seilrissen in parallelen Seilrobotern beschäftigt. Außerdem wurden Anwendungen für den Test von Weltraumrobotern sowie die EXIST-Ausgründung red cable robots GmbH vorgestellt, die aus dem Umfeld des Lehrstuhls hervorgegangen ist.

Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig mechatronische Forschung eingesetzt werden kann: Vom Elektrofahrzeug über den Hafen bis zur Baustelle und zur Raumfahrt. Zugleich wurde deutlich, dass erfolgreiche Automatisierung immer mehrere Ebenen zusammenbringen muss: Mechanik, Sensorik, Regelung, Software, Prozesswissen und den Blick auf die konkrete Anwendung.

In der anschließenden Diskussion wurden viele Anknüpfungspunkte zu anderen Fachgebieten sichtbar. Damit bot auch das letzte Kolloquium des Sommersemesters noch einmal einen lebendigen Einblick in aktuelle Forschung innerhalb der Abteilung Maschinenbau und Verfahrenstechnik.

Mit dem Vortrag von Prof. Bruckmann endet die MBVT-Kolloquienreihe im Sommersemester 2026. Im kommenden Wintersemester wird das Format fortgesetzt. Die Termine und Referent:innen für das Wintersemester 2026/27 werden frühzeitig bekannt gegeben.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, auch im kommenden Semester am fachlichen Austausch teilzunehmen.