Meldungen aus der Medizinischen Fakultät
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Förderung in Millionenhöhe für den Kampf gegen Krebs
[05.02.2026] Am Weltkrebstag, 4. Februar 2026, besuchte Matthias Hauer, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie Vorsitzender des Strategiekreises der Nationalen Dekade gegen Krebs, das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) West. Neben einem Besuch verschiedener Einrichtungen vor Ort stand die Übergabe von zwei Förderbescheiden für eigenständige Forschungsvorhaben der Universitätsmedizin Essen im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs auf dem Programm: Mit zusammen rund 3,6 Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die Projekte „I-CHECK-HEART“ und „BALANCE-ET“. Davon fließen rund 1,6 Millionen Euro an Essener Forschungsteams.
Prof. Dr. Angelika Eggert, Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Essen (UME), sowie Prof. Dr. Jan Buer, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE), begrüßten den Parlamentarischen Staatssekretär gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) an der UME, Stellvertretender Direktor des Westdeutschen Tumorzentrums Essen (WTZ) und Sprecher des NCT West, und Prof. Dr. Jens Siveke von der UME, Sprecher des Partnerstandorts Essen/Düsseldorf im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK). Getragen wird das NCT West von den Universitätskliniken Essen und Köln, den Universitäten Duisburg-Essen und Köln sowie dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Vertreten wurde das DKFZ von Prof. Dr. Michaela Frye, stellvertretende Wissenschaftliche Vorständin des DKFZ Heidelberg. Zudem sprach UDE-Rektorin Prof. Dr. Barbara Albert ein Grußwort.
Auf dem Gelände des Universitätsklinikums Essen verschaffte sich Matthias Hauer unter anderem einen Eindruck des Neubaus der Klinik für Nuklearmedizin. Zudem besuchte er im regen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern des universitätsmedizinischen Standorts Essen ein Krebsforschungs-Labor im Medizinischen Forschungszentrum (MFZ) und besichtigte anschließend am Westdeutschen Protonentherapiezentrum Essen (WPE) eine hochpräzise Protonentherapieanlage zur Krebsbestrahlung.
Gruppenfoto während der Veranstaltung (v.l.n.r.): Prof. Dr. Jan Buer, Prof. Dr. Martin Schuler, Prof. Dr. Michaela Frye, Prof. Dr. Jens Siveke, Prof. Dr. Angelika Eggert und Matthias Hauer (© Andre Zelck)
Rund 1,6 Millionen Euro für Forschung in Essen
Die Übergabe zweier Förderbescheide in Höhe von insgesamt rund 1,6 Millionen Euro für Forschungsprojekte an der Universitätsmedizin Essen, die im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs vom BMFTR gefördert werden, schloss den Aufenthalt des Parlamentarischen Staatssekretärs ab. Prof. Dr. Buer freute sich über die zusätzlichen Mittel für die Forschung: „Förderungen bedeuten für uns nicht in erster Linie finanzielle Ressourcen. Sie sind für unsere Medizinische Fakultät vielmehr ein zentraler Hebel für den nachhaltigen Aufbau von Forschungsstrukturen, unsere wissenschaftliche Exzellenz und die damit verbundene Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit auf internationalem Level. Daher danke ich unseren Essener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und allen Projektbeteiligten, die sich mit viel Engagement erfolgreich um diese Drittmittel des BMFTR beworben haben.“
„I-CHECK-HEART“ erhält Förderung des BMFTR
Prof. Dr. Dr. h.c. Tienush Rassaf, Prodekan für Wissens- und Technologietransfer an der Medizinischen Fakultät und Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie der UME, nahm im Rahmen des Besuchs von Matthias Hauer einen Förderbescheid des BMFTR für „I-CHECK-HEART“ entgegen. Er stellte den Anwesenden das Projekt vor, das vollständig „Immuncheckpoint-Inhibitor assoziierte kardio-onkologische Nachsorge durch Künstliche-Intelligenz-gestützte Technologien“ heißt. Vom 01.03.2026 bis 28.02.2029 wird dieses mit insgesamt knapp 1,8 Millionen Euro unterstützt. Davon stehen für die Forscherinnen und Forscher am Standort Essen rund 1,1 Millionen Euro inklusive Projektpauschale bereit.
KI-gestützte Nachsorge für Patientinnen und Patienten unter Immuntherapie
Im Rahmen von „I-CHECK-HEART“ wollen die Projektbeteiligten die kardio-onkologische Nachsorge von einem reaktiven zu einem proaktiven Ansatz weiterentwickeln. Sie wollen innovative digitale Technologien in einen konkreten klinischen Nutzen überführen und eine KI-gestützte, digitale kardio-onkologische Nachsorgelösung für Patientinnen und Patienten erschaffen, die mit Immuncheckpoint-Inhibitoren behandelt werden.
Immuntherapien haben die Krebsbehandlung grundlegend verändert, führen jedoch zu neuen klinischen Herausforderung: kardiovaskulären Nebenwirkungen. „I-CHECK-HEART“ setzt genau hier an. Durch frühe Erkennung, kontinuierliches Monitoring und eine individualisierte Nachsorge soll die Versorgung von Krebsüberlebenden nachhaltig verbessert werden.
Expertise aus Kardiologie, Onkologie und Palliativmedizin
Die Projektleitung von „I-CHECK-HEART“ liegt am universitätsmedizinischen Standort Essen. Sie vereint die ausgewiesene Expertise aus Kardiologie, Dermatoonkologie und Palliativmedizin. Die Klinik für Kardiologie und Angiologie leitet das Projekt federführend, koordiniert von PD Dr. Raluca Ileana Mincu, PhD, und Prof. Dr. Dr. h.c. Tienush Rassaf. Die Co-Leitung des Projektes hat die Klinik für Dermatologie inne, vertreten durch Prof. Dr. Lisa Zimmer, Prof. Dr. Dr. Alpaslan Tasdogan, MHBA und Prof. Dr. Dirk Schadendorf, die ihre umfassende Expertise in der Immuntherapie einbringen. Die Klinik für Palliativmedizin ergänzt das interdisziplinäre Konsortium mit Prof. Dr. Mitra Tewes, die insbesondere Aspekte der Lebensqualität und patientenzentrierten Versorgung in das Projekt integriert.
Zu den externen Konsortialpartnern gehören Fimo Health (Tim Fellerhoff) zur Konzeptionierung und Entwicklung der I-CHECK-HEART-App, die auf die Wissensvermittlung von Gesundheitskompetenzen und die Verbesserung des Selbstmanagements der Patientinnen und Patienten abzielt, das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme Duisburg (Caroline Ressing, Prof. Dr.-Ing. Karsten Seidl) zur KI-basierten Sensor- und Vitaldatenanalyse sowie das Forschungszentrum Jülich (Prof. Dr. Jürgen Dukart) für die fortgeschrittene KI-gestützte Datenintegration und prädiktive Modellierung. Zudem werden am Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften – ISAS e. V., Dortmund (Prof. Dr. Albert Sickmann) OMICS-basierte Analyseverfahren für patientenspezifische molekulare Profile aus Blutplasma zur Identifikation neuer Biomarker entwickelt.
BMFTR-Förderung für das Konsortium „BALANCE-ET“
Am universitätsmedizinischen Standort Essen hat man gleich doppelt Grund zur Freude: Auch für das Projekt „BALANCE-ET“ übergab der Parlamentarische Staatssekretär Matthias Hauer einen Förderbescheid des BMFTR. Diesen nahm Prof. Dr. Kathrin Thedieck, Leiterin der Abteilung „Metabolism, Senescence and Autophagy“ des Research Center One Health Ruhr (RC-OHR) an der UME entgegen und stellte „BALANCE-ET“ vor. Von Februar 2026 bis Januar 2029 stehen dafür insgesamt rund 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Davon entfallen auf die Forschung am Universitätsklinikum Essen knapp 553.000 Euro.
Die Verbesserung der Versorgung von Langzeitüberlebenden ist ein zentrales Thema der Nationalen Dekade gegen Krebs. Es wurde wesentlich von Patientenvertretern vorangetrieben. Das BMFTR geht es nun mit dem eigenen Förderschwerpunkt „Survivorship“ an, in dessen Rahmen BALANCE-ET gefördert wird. Professorin Thedieck berichtet auf der Internetseite der Nationalen Dekade gegen Krebs in einem ausführlichen Interview zu BALANCE-ET, zu finden unter http://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/brustkrebs-forschung-fuer-mehr-lebensqualitaet-bei-langzeitueberlebenden-19354.php.
Langzeitfolgen von Brustkrebs erforschen und gezielt therapieren
Eine von acht Frauen erkrankt in ihrem Leben an Brustkrebs, die meisten an Hormonrezeptor-positivem (HR+) Brustkrebs. Die Mehrzahl der Betroffenen überlebt ihre Erkrankung. Fast alle Patientinnen erhalten eine endokrine Therapie (ET). Sie ist besser verträglich als Chemotherapie, greift aber in den Hormonhaushalt ein und löst oft Wechseljahresbeschwerden sowie Fatigue, Ängste oder Depressionen aus. Diese schränken die Lebensqualität ein. Hinzu kommen psychische Belastungen durch die Sorge vor einem Wiederauftreten der Erkrankung.
Aktuell gibt es in Deutschland etwa eine Million Langzeitüberlebende, die in den letzten 20 Jahren ET-Medikamente erhalten haben, mit den Langzeitfolgen der Erkrankung und Therapie. Mehr als 20.000 von ihnen erleiden jedes Jahr einen Rückfall. Deshalb sind neue Strategien nötig, um Rückfälle präziser vorherzusagen und Therapiekonzepte besser auf individuelle Bedürfnisse von Patientinnen anzupassen. So sollen Langzeit-Nebenwirkungen der ET-Medikamente frühzeitig diagnostiziert und Therapien auf die individuellen Risiken der Betroffenen zugeschnitten werden.
Mit Systemonkologie zu besseren Vorhersagen und Therapien für Langzeitüberlebende
BALANCE-ET wird Analysen molekularer Bestandteile von Flüssigbiopsien in großen, gut charakterisierten Gruppen von Betroffenen mit langen klinischen Nachbeobachtungszeiträumen durchführen. Die Patientinnen werden zu ihrer Lebensqualität und Langzeitnebenwirkungen befragt. Die daraus resultierenden komplexen Datensätze werden mit Hilfe systemmedizinischer Methoden analysiert, um präzise Vorhersagen über das Rückfallrisiko und das Auftreten unerwünschter Langzeit-Effekte abzuleiten. Zudem untersuchen die Forscherinnen und Forscher die molekularen Mechanismen hinter den Nebenwirkungen in präklinischen Modellen, um klinische Studien für individualisierte Therapiekonzepte vorzubereiten. So sollen die Art und Dauer der Behandlung künftig mithilfe molekularer Biomarker möglichst optimal auf das individuelle onkologische Risiko und die zu erwartenden Langzeitauswirkungen jeder Patientin abgestimmt werden.
Interdisziplinäre Systemonkologie und Kooperation mit nationalen und internationalen Biobanken
Die Projektkoordination von „BALANCE-ET“ liegt beim Uniklinikum Essen, wo Prof. Kathrin Thedieck das Konsortium federführend leitet. Als Projektpartner sind die Standorte Heidelberg (Prof. Christiane Opitz, Dr. Cindy Körner, DKFZ), Berlin (Dr. Saskia Trump, Berlin Institute of Health in der Charité), Dresden (Prof. Jan Dominik Kuhlmann) und Augsburg (Prof. Andreas Raue) sowie die medizinische Universität Innsbruck (MUI, Prof. Daniel Egle, Dr. Heidelinde Fiegl) als assoziierte Partnerin beteiligt. BALANCE-ET ist eine enge Kooperation von interdisziplinär Forschenden aus Tumorbiologie und -medizin, klinischer Epidemiologie, künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen mit den Brustkrebs-Überlebenden Nirma Schomeier (Geschäftsführerin aristocom.Skills), Dr. Anke Pregler (Psychoonkologin) und Dr. Cindy Körner (DKFZ), die aus Patientensicht beraten und BALANCE-ET bei der molekularen Forschung, Patientenkommunikation, Psychoonkologie und Translation in die klinische Praxis aktiv mitgestalten.
Die assoziierte Partnerschaft der MUI ist ein wichtiger Baustein für BALANCE-ET, da die dortige Biobank aufgrund der in Österreich unterschiedlichen klinischen Praxis andere Probenkollektive als deutsche Biobanken beinhaltet. Im Zusammenspiel mit den deutschen Biobank-Standorten Dresden, Essen, Heidelberg, Berlin und Augsburg macht diese Partnerschaft den einzigartigen longitudinalen Forschungsansatz von BALANCE-ET erst möglich.
Gemeinsam nahmen Prof. Dr. Kathrin Thedieck und die BALANCE-ET-Partner Prof. Opitz und Dr. Körner, Dr. Trump, Prof. Raue, Dr. Pregler und Nirma Schomeier die Förderung entgegen. Besonders freute sich auch Prof. Dr. Bernd Sures als Direktor des Research Center One Health Ruhr (RC-OHR) der Research Alliance Ruhr (RAR) über die Förderung durch das BMFTR. Das RC-OHR vernetzt mehrere Fakultäten der Universität Duisburg-Essen, Ruhr-Universität Bochum und TU Dortmund mit dem Ziel, Spitzenforschung zum Thema Gesundheit an der Schnittstelle von Umwelt und Mensch strategisch weiterzuentwickeln und auf höchstem internationalem Niveau sichtbar zu machen. Prof. Thedieck hat vor kurzem die erste RC-OHR Professur an der UME angetreten.
Forschungsstarke Universitätsmedizin Essen
„Der Besuch des Parlamentarischen Staatssekretärs Matthias Hauer und die übergebenen Fördermittelbescheide sind mehr als ein formaler Akt: Sie sind eine wichtige Anerkennung der Forschungsstärke und nationalen Sichtbarkeit der Universitätsmedizin Essen. Als Ärztliche Direktorin erlebe ich tagtäglich, mit welchem Anspruch und welcher Leidenschaft hier in Essen Medizin, Forschung und Pflege erfolgreich Hand in Hand arbeiten. Diese Förderungen ermöglichen nicht nur medizinische Innovation für unsere Patienten, sondern stärken auch Menschen und Ideen. Sie geben uns die Möglichkeit, den Standort Essen und das Ruhrgebiet in seiner Innovationskraft selbstbewusst weiterzuentwickeln und die hervorragende Spitzenmedizin, die hier geleistet wird, noch besser und sichtbarer zu machen“, sagt Prof. Dr. Angelika Eggert, Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Essen.
Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen
Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) ist eine langfristig angelegte Kooperation zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), exzellenten Partnern in der Universitätsmedizin Essen und weiteren herausragenden Forschungspartnern an verschiedenen Standorten in Deutschland. Ziel des NCT ist es, Innovationen in der Krebsforschung in Deutschland zielgerichtet und schnell in Studien zu überführen, um Krebs bei hoher Lebensqualität zu heilen. Das NCT wird finanziert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs sowie den beteiligten Bundesländer.
Mehr zum Weltkrebstag 2026 wird auf der Internetseite der Nationalen Dekade gegen Krebs veröffentlicht unter http://www.dekade-gegen-krebs.de/de/wir-ueber-uns/aktuelles-aus-der-dekade/_documents/weltkrebstag-2026.
(© BMFTR)
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Martin Rolshoven, Dipl.-Medienwirt, Wissenschaftsredakteur, Tel.: +49 (0)201/723-6274, martin.rolshoven@uk-essen.de
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