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Medizinische Fakultät trauert um Prof. em. Dr. rer. nat. Dr. med. h.c. Christian Streffer
[13.05.2026] Am 7. Mai 2026 verstarb Prof. em. Dr. rer. nat. Dr. med. h.c. Christian Streffer im Alter von 91 Jahren. Professor Streffer wurde 1974 zum Universitätsprofessor für Medizinische Strahlenbiologie berufen. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999 war er als Direktor des Instituts für Medizinische Strahlenbiologie tätig, deren Aufbau er am Universitätsklinikum Essen maßgeblich gestaltete. Darüber hinaus war er von 1976 bis 1977 und von 1981 bis 1983 Dekan der Fakultät für Theoretische Medizin und von 1988 bis 1992 Rektor der Universität / Gesamthochschule Essen.
Forschung zu Strahlenwirkung und -risiken
Der aus Schneidemühl in Pommern stammende Streffer schloss 1959 sein Chemie-Studium ab und promovierte 1963 zum Dr. rer. nat. in Biochemie in Freiburg im Breisgau. Während seiner dortigen Assistentenjahre habilitierte er sich 1967 in Molekularer Strahlenbiologie. Anschließend war er dort als Wissenschaftlicher Rat und Professor am renommierten Radiologischen Institut der Universität Freiburg tätig, das von Hanns Langendorff geleitet wurde. 1974 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Medizinische Strahlenbiologie an der Universität Essen, verbunden mit der Leitung des entsprechenden Instituts. Zu seinen Schüler:innen zählten prominente Vertreter:innen der Strahlenbiologie und der Strahlentherapie im In- und Ausland.
Die wissenschaftlichen Schwerpunkte von Prof. Streffer lagen auf grundlegenden Untersuchungen zu Strahlenwirkung und -risiken sowie – in Zusammenarbeit mit klinischen Einrichtungen – auf den experimentellen Grundlagen der Strahlentherapie. Er publizierte seine Arbeiten häufig in enger Interaktion mit nationalen und internationalen Forschungspartner:innen aus der Grundlagenforschung und der klinischen Forschung in über 500 Veröffentlichungen.
Darüber hinaus widmete er sich Fragen aus dem Bereich Wissenschaft und Ethik. Gemeinsam mit Professor Karl-Friedrich Gebmann gründete er 1999 das Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE) als An-Institut der Universitäten Bonn und Universität Duisburg-Essen. Dessen Direktor war er bis 2006. Im Jahr 2000 ernannte der Bundesforschungsminister ihn zum wissenschaftlichen Koordinator der Indisch-Deutschen Zusammenarbeit.
Sein Wirken als Rektor und Dekan
Die Amtszeit von Christian Streffer als Rektor der Universität / Gesamthochschule Essen war von 1988 bis 1992 von dem Bestreben geprägt, die Hochschule stärker in die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen der Region einzubinden. Zugleich setzte er sich dafür ein, das Profil der Universität als anerkannte Institution für Lehre und Forschung zu schärfen und ihre Bekanntheit über die Region hinaus zu steigern. In vielen Bereichen gelang dies erfolgreich. So konnte während seiner Amtszeit durch die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln das renommierte Institut für Experimentelle Mathematik gegründet werden.
Von 1976 bis 1977 sowie von 1981 bis 1983 war Prof. Streffer Dekan der Medizinischen Fakultät für Theoretische Medizin. In dieser Funktion trug er maßgeblich dazu bei, dass die noch junge Fakultät ein klar konturiertes, forschungsorientiertes Profil im Bereich der Theoretischen Medizin entwickeln konnte.
Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 1999 engagierte sich Christian Streffer weiter für die Medizinische Fakultät: Erst im Oktober 2024 initiierte er ein großes Symposium zu „Ionisierenden Strahlen“, das deutschlandweit Beachtung fand.
Noch bis ins hohe Alter pflegt der Wissenschaftler seine Kontakte zu Strahlenbiolog:innen rund um den Globus und unternahm zahlreiche Reisen zu anderen wissenschaftlichen Einrichtungen.
Umfangreiche Beratertätigkeit
Christian Streffer wirkte in zahlreichen, auch internationalen Beratungsgremien mit. Von 1993 bis 1994 war er Präsident der European Society for Radiation Biology und von 2002 bis 2008 deren Ehrenpräsident. Von besonderer Bedeutung für den Strahlenschutz in Deutschland war zudem sein Engagement als Mitglied der Strahlenschutzkommission beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit von 1979 bis 1985 und von 1987 bis 1995. In den Jahren 1984 bis 1985 und 1993 bis 1995 saß er der Kommission vor.
Von 1980 bis 1999 war er Berater beim „United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation“ (UNSCEAR) und von 2001 bis 2006 Vorsitzender der deutschen Delegation dieser Institution. Beim „International Committee on Radiological Protection“ (ICRP) war er 1993 bis 2000 als Mitglied des Komitees I und 2001 bis 2007 als Mitglied der Hauptkommission und Vorsitzender des Komitees II tätig.
Prof. Streffer erhielt zahlreiche Ehrungen
Seine überregionale Anerkennung als Wissenschaftler zeigte sich in zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen seiner wissenschaftlichen Verdienste. So erhielt er unter anderem 1973 den Holthusen-Ring der Deutschen Röntgengesellschaft, 1985 die Röntgenplakette der Stadt Lennep, der Geburtsstadt Röntgens, sowie 1994 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.
1995 verlieh ihm die japanische Universität Kyoto die Ehrendoktorwürde und 1996 erhielt Prof. Streffer den Bacq-Alexander-Award der European Society for Radiation Biology. 2001 verlieh ihm die Polnischen Gesellschaft für Strahlenforschung die Marie-Sklodowska-Curie-Medaille. Außerdem erhielt Prof. Streffer die Friedrich-Dessauer-Medaille des Gemeinschaftsausschusses Strahlenschutz und den Sievert Award der International Radiological Protection Association IRPA (2008). Auch mehrere Ehrenmitgliedschaften in verschiedenen Gesellschaften zeugen von seinem Renommee.
1987 wurde Prof. Streffer zum Beiratsvorsitzenden der Hanns-Langendorff-Stiftung gewählt. Bis 2005 setzte er sich in dieser Funktion tatkräftig dafür ein, das Andenken an seinen akademischen Lehrer auch für die Nachwelt zu wahren. 2007 erhielt er für seine Verdienste die Hanns-Langendorff-Medaille. Christian Streffer engagierte sich zudem gesellschaftlich, unter anderem im Vorstand der Kulturstiftung Essen, als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kliniken Essen-Süd sowie im Vorstand der Stiftung Universitätsmedizin Essen.
Amtsinhaber würdigt früheren Dekan
„Heute erreichte uns die traurige Nachricht vom Tode Professor Christian Streffers, der sich mit großer menschlicher Zugewandtheit durch sein herausragendes wissenschaftliches Wirken und außergewöhnliches Engagement bleibende Verdienste erworben hat. Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von einem herausragenden Wissenschaftler, Kollegen und Freund unserer Fakultät, der mit seiner offenen und kommunikativen Persönlichkeit hochgeschätzt, allseits außerordentlich beliebt und bis zuletzt aktiv war“, so Prof. Dr. Jan Buer, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. „Wir sind Professor Streffer für seine langjährigen und prägenden Verdienste in Forschung, Lehre und Gesellschaftlichem zu großem Dank verpflichtet und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie sowie seinen Freund:innen und Wegbegleiter:innen.“
Redaktion:
Marie-Christine Sassenberg, Leiterin Referat für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Tel. 0201/723-6329, marie-christine.sassenberg@uk-essen.de
Prof. em. Dr. rer. nat. Dr. med. h.c. Christian Streffer (© Prof. em. Dr. rer. nat. Dr. med. h.c. Christian Streffer)
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