Meldungen aus der Medizinischen Fakultät

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Erstmals Genderprofessuren an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen

[18.12.2015] Mit gleich drei Anträgen zur nachträglichen Erweiterung bestehender Professuren um eine Genderdenomination ging die UDE im August 2015 ins Rennen.

Alle drei Anträge, zwei davon aus der Medizinischen Fakultät, waren jetzt erfolgreich. Die Professuren von Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch, Experimentelle Psychobiologie unter Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Aspekten, und Prof. Dr. Anke Hinney, Molekulargenetik von Adipositas und Essstörungen unter Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Aspekten werden gefördert.

Ab Januar 2016 unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen ihre Forschungsarbeiten über drei Jahre mit 75.000 Euro pro Jahr. Die Medizinische Fakultät und das Rektorat der UDE haben die Anträge nachdrücklich unterstützt und sich verpflichtet, die Professuren mindestens 6 Jahre mit der beantragten Denomination zu versehen.

Für die Medizinische Fakultät sind dies die ersten Genderprofessuren. Die Fakultät fördert die Integration geschlechterspezifischer Fragestellungen in Lehr- und Forschungsinhalten ihrer Fachbereiche und kooperiert hierzu seit vielen Jahren sehr erfolgreich insbesondere mit dem Essener Kolleg für Geschlechterforschung (EKfG). Die geförderten Wissenschaftlerinnen sind aktive Mitglieder des Essener Kollegs für Geschlechterforschung (EKfG).

Mit der erweiterten Ausrichtung der Professuren von Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch und Prof. Dr. Anke Hinney hat die Medizinische Fakultät Essen bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal im Bereich der neurowissenschaftlichen bzw. medizin-psychologischen sowie der molekulargenetischen Forschung. Beide Ausrichtungen sind in Deutschland bisher einzigartig. „Die vertretenen Forschungs- und Lehrgebiete nehmen somit eine Vorbild- und Leuchtturmfunktion ein“, führt Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch aus. „Diese wird auch auf Ebene der Fachgesellschaften sowie bei der Ausbildung von Medizinstudierenden wichtige Signale setzen“, ergänzt Prof. Dr. Anke Hinney.

Zur Pressemitteilung der UDE: http://www.uni-due.de/de/presse/meldung.php?id=9221

"Experimentelle Psychobiologie unter Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Aspekten“

Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch, Ph.D., Heisenberg-Professor of Experimental Psychobiology am Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie


Gendersensible Forschung bleibt in der Medizin besonders in Deutschland bislang noch immer eher die Ausnahme. Und dies, obwohl insbesondere in den Neurowissenschaften und der Psychologie inzwischen die Sensibilität für den Bedarf innovativer Forschungsansätze an der Grenze zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung hoch ist.

Vor dem Hintergrund der hohen Prävalenz chronischer Schmerzen insbesondere bei Frauen sind Geschlechterunterschiede bzw. -effekte ein aktuelles und zentrales Forschungsthema innerhalb der Schmerzforschung. Dieses hat Implikationen für viele klinischen Bereiche, in denen Schmerzen von Bedeutung sind.

Ein besseres Verständnis der Bedeutung von Geschlechterunterschiede für die komplexen neurobiologischen Mechanismen der Schmerzverarbeitung und -modulation ist essentielle Voraussetzung für die Entwicklung innovativer und personalisierter Strategien zur Vorbeugung und Behandlung. Hierbei spielt die verbesserte Berücksichtigung psychologischer Einflussfaktoren eine entscheidende Rolle.

Durch eine enge Verzahnung und Integration neurobiologischer Aspekte akuter und chronischer Schmerzen in unterschiedlichen Schmerzmodalitäten und verschiedenen Patientengruppen mit psychosozialen Komponenten soll am Universitätsklinikum Essen in enger Kooperation mit angrenzenden Fächern und vernetzten Institutionen ein Forschungsnetzwerk gebildet werden. Im Rahmen interdisziplinärer Projekte wird hier das Thema Geschlecht bzw. Gender im Rahmen interdisziplinärer Projekte in den Mittelpunkt gesetzt wird.

Spezieller Forschungsschwerpunkt von Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch sind viszerale Schmerzen, also Bauchschmerzen, wie sie z.B. beim Reizdarmsyndrom vorkommen, welches überwiegend Frauen betrifft.

http://www.uk-essen.de/medizinische-psychologie

"Analyse des Einflusses genetischer und epigenetischer Varianten, die das Körpergewicht bei Mädchen und Frauen erhöhen, auf die Entwicklung einer Magersucht",

Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Anke Hinney, Leiterin der Forschungsabteilung Molekulargenetik an der Klinik f. Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des LVR-Klinikums Essen, UK Essen


Sowohl für Essstörungen, wie z.B. die Anorexia nervosa (AN), als auch für die Körpergewichtsregulation sind genetische Mechanismen relevant. Mehr als 100 chromosomale Regionen wurden bislang beschrieben, die das Körpergewicht beeinflussen. Trotzdem erklären genetische Faktoren nur einen kleinen Teil der Varianz des Körpergewichts. Es konnten drei chromosomale Loci identifiziert werden, die für AN und die Gewichtsregulation relevant erscheinen. Interessanterweise trägt der relevanteste Locus hauptsächlich bei Frauen zum Körpergewicht bei. Da Frauen ca. zehnmal häufiger von der AN betroffen sind, ist dies Ergebnis interessant. Bislang ist wenig über die Gene bekannt, die dem diesem Befund zugrunde liegen. Bei zweien der Gene wurde eine Interaktion mit einem Neurotransmitter beschrieben, der bereits für einige psychiatrische Störungen diskutiert wird. Diese Gene sollen molekulargenetisch und funktionell näher analysiert werden. Dazu sollen auch bestehende Kooperationen mit nationalen und internationalen Arbeitsgruppen genutzt werden.

Es gibt erste Hinweise auf epigenetische Mechanismen für Anorexia nervosa (AN) und Adipositas. Epigenetische Marker können durch Umweltfaktoren verändert werden. Veränderte epigenetische Profile wurden für adipöse Personen beschrieben. Wir konnten für AN einen methylierten Locus bestätigen, der auch für Adipositas relevant ist. Gemeinsame Analyse epigenomischer Daten in Kombination mit GWAS Daten in verschiedenen funktionalen Ebenen werden unser Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen der AN und der Gewichtsregulation vertiefen. Dadurch könnte langfristig auch die Therapie von Essstörungen verbessert werden. Bei Patientinnen mit Anorexia nervosa, als Modell für massive Unterernährung (Starvation), sollen detaillierte epigenomische Profile analysiert werden. In Kooperation mit weiteren nationalen und internationalen Gruppen sollen die Daten mit denen von adipösen Patienten abgeglichen werden. Ziel ist es, epigenetische Muster der Gewichtsregulation zu identifizieren, die mutmaßlich für das weibliche Geschlecht besonders relevant sind.
http://www.uni-due.de/zmb/members/hinney/overview

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Martin Rolshoven, Dipl.-Medienwirt, Wissenschaftsredakteur, Tel.: +49 (0)201/723-6274, martin.rolshoven@uk-essen.de

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