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Neu bei uns: Prof. Dr. Thomas Günther – Radioaktive Moleküle gegen Krebs
[27.07.2026] Radioaktivität gilt vor allem als Gefahr. Kontrolliert eingesetzt kann sie jedoch helfen, Tumore frühzeitig aufzuspüren und gezielt zu behandeln. Diesen Ansatz erforscht Prof. Dr. Thomas Günther. Er hat die Professur für ‚Präklinische Radiopharmazie' an der Fakultät für Medizin der UDE / am Universitätsklinikum Essen angenommen.
[Dr. Alexandra Nießen:] Worum geht es in Ihrer Forschung?
[Prof. Dr. Thomas Günther:] Ich entwickle neue radioaktive Moleküle und möchte sie so optimieren, dass sie zielgerichtet an Tumore binden – aber nicht (oder nur geringfügig) an gesundes Gewebe. Durch Bildgebung mittels der Positronenemissionstomographie (PET) beispielsweise lassen sich Tumore sowie Metastasen entdecken und deren Entwicklung überwachen. Für die Therapie wird das diagnostische radioaktive Element gegen ein therapeutisch wirksames ausgetauscht. So bringt das Molekül die Strahlung zielgerichtet zum Tumor, während gesundes Gewebe geschont wird.
Was fasziniert Sie persönlich an Ihrer Arbeit?
Mich fasziniert die anwendungsbezogene Forschung vom Labor bis hin zu (Krebs-)Patient:innen und die Aussicht, ihnen eventuell helfen zu können. Außerdem bin ich vom personalisierten Ansatz in der Medizin überzeugt: Hier wird die Behandlung möglichst genau auf die Eigenschaften der einzelnen Person und ihre Erkrankung abgestimmt. Das unterscheidet sich von Therapien wie vielen klassischen Chemotherapien, die weniger gezielt im Körper wirken.
Weiter bin ich von der Interdisziplinarität auf diesem Gebiet angetan. Hier arbeiten Forscher:innen aus Chemie, Biologie, Biochemie, Physik und Medizin und anderen Bereichen zusammen, um zum ultimativen Ziel zu gelangen.
Zu welchem Thema möchten Sie künftig am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) arbeiten?
Ich möchte ein starkes Forschungsprogramm etablieren, das die Entwicklung neuer Radiopharmaka fokussiert und diese möglichst bis in die klinische Anwendung am UK Essen bringt. Außerdem möchte ich bestehende Zusammenarbeiten vertiefen sowie neue intern und extern starten.
Ebenso ist es mir ein Anliegen, eine starke Lehre im Bereich der Präklinischen Radiopharmazie und Theranostik aufzubauen. Damit möchte ich Nachwuchswissenschaftler:innen für unser Gebiet begeistern und ausbilden.
Welche Erkenntnis aus Ihrer wissenschaftlichen Arbeit hat Sie selbst besonders überrascht?
Mich beeindruckt nach wie vor, wie stark man selbst in einem Nischengebiet wie der Radiopharmazie/Nuklearmedizin die Diagnostik sowie Therapie diverser Krebsarten beeinflussen kann. Dass ein in meiner Doktorarbeit entwickeltes Radiopharmakon von einem globalen Pharmakonzern lizenziert wurde und derzeit in klinischen Studien untersucht wird, fühlt sich für mich immer noch wie ein Traum an.
Welches Missverständnis über Ihr Fachgebiet würden Sie gerne ausräumen?
Dass Radioaktivität nicht per se böse ist. Wenn man lernt, sie zu kontrollieren und richtig einzusetzen, kann man mit ihr etwa auch die Patientenversorgung verbessern. Mir ist bewusst, wie absurd das für Außenstehende klingt. Vor allem, wenn man hört, dass wir Patient:innen radioaktive Medikamente geben und behaupten, dass dies der Behandlung der Krankheit dient. Aber es stimmt tatsächlich, da es mittlerweile viele positive valide Daten gibt, die die Wirksamkeit unseres Ansatzes belegen.
Zur Person: Thomas Günther
Seit Juni 2026
Professor für ‚Präklinische Radiopharmazie‘ am Universitätsklinikum Essen
2023-2025
Postdoktorand im ‚Molecular Imaging Program at Stanford (MIPS)‘ an der Stanford University (USA)
2021-2023
Postdoktorand am Lehrstuhl für Pharmazeutische Radiochemie der Technischen Universität München (TU München)
2016-2021
Promotion an der TU München
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Thomas Günther, Klinik für Nuklearmedizin, Tel. 0201 723-2073, Sekretariat.Nuklearmedizin@uk-essen.de
Redaktion:
Dr. Alexandra Nießen, Redaktionsassistentin, Ressort Presse der UDE, Tel. 0203 37-91487, alexandra.niessen@uni-due.de
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