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Neu bei uns: Prof. Dr. Basant Kumar Thakur - Was Zellbotschaften über Krebs verraten
[20.08.2026] Winzige Partikel in Blut, Urin und anderen Körperflüssigkeiten können Hinweise auf Krebs und weitere Erkrankungen liefern. Prof. Dr. Basant Kumar Thakur erforscht , wie sich diese Zellbotschaften für eine frühzeitige, möglichst schonende Diagnostik nutzen lassen. Ein besonderes Interesse des 47-Jährigen gilt der Leber und ihrer Rolle bei verschiedenen Erkrankungen. Er hat zum 15. April 2026 die Professur für „Experimentelle molekulare und zelluläre Hepatologie“ übernommen, die an der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie angesiedelt ist.
[Dr. Alexandra Nießen:] Wie würden Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen zusammenfassen?
[Prof. Dr. Basant Kumar Thakur:] Ich erforsche Krebs und seine Behandlung. Aktuell beschäftige ich mich dazu mit extrazellulären Vesikeln. Das sind winzige, von Zellen freigesetzte Partikel, die als Botenstoffe fungieren und Proteine, RNA, DNA und Lipide transportieren. Sie spiegeln den molekularen Zustand ihrer Ursprungszellen wider und liefern so krankheitsspezifische Informationen.
Ich nutze die Vesikel für eine frühzeitige, minimalinvasive Diagnostik über Flüssigbiopsien, also Proben aus Blut, Urin oder anderen Körperflüssigkeiten. Gleichzeitig Wir versuchen, mit dieser Technologie die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen besser zu verstehen. Unser Ziel ist es, die Grundlage für die personalisierte Medizin zu bereichern – mit Diagnosen und Therapien, die auf Patient:innen zugeschnitten sind.
Gibt es Themen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?
Seit über 20 Jahren fasziniert mich die Leber. Ihre außergewöhnliche Regenerationsfähigkeit, die zentrale Rolle im Stoffwechsel und die enge Verknüpfung mit Immunprozessen machen sie besonders interessant. Daher möchte ich gezielt an den Schnittstellen von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung arbeiten. Mein hochgestecktes Ziel ist es, innovative Therapieansätze auf Basis extrazellulärer Vesikel n für mehrere Erkrankungen weiterentwickeln und die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen umfassender zu verstehen: für das hepatozelluläre Karzinom – die häufigste Art von Leberkrebs –, für das akute Leberversagen und vielleicht auch für entzündliche Darmerkrankungen, insbesondere im Kontext der Darm-Leber-Achse.zugleich
Warum haben Sie sich für die UDE entschieden?
Die UDE bietet mit ihren interdisziplinären Forschungsstrukturen ideale Voraussetzungen. Besonders wichtig ist mir die aktive Einbindung in bestehende wie auch entstehende Initativen wie z.B. Active Sites der UDE. Auch die starken regionalen r Kooperationen mit exzellenten Partnern, wie den Fraunhofer-Instituten, dem Max-Planck-Institut in (Dortmund), dem Leibniz Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund und dem ISAS Dortmund ermöglichen es, Innovationen von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung konsequent voranzutreiben.Hervorheben möchte ich auch die One Health Ruhr-Initiative der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr). Diese einzigartige Plattform vernetzt Humanmedizin, Lebenswissenschaften, Umwelt- und Datenwissenschaften und fördert damit ganzheitliche Ansätze für komplexe Erkrankungen.
Auf welches Forschungsergebnis sind Sie besonders stolz?
Ein bedeutender Meilenstein war unsere Entdeckung von DNA in extrazellulären Vesikeln (EV-DNA) im Jahr 2014 und ihr Potenzial als neuartiger Biomarker für die Krebsdiagnostik. Diese Arbeit erweiterte die Möglichkeiten der Flüssigbiopsie für den frühzeitigen und minimalinvasiven Nachweis von Erkrankungen. Dafür wurde ich 2016 mit dem renommierten Hermann-Seippel-Preisder Stiftung Universitätsmedizin Essen ausgezeichnet. Kürzlich konnten wir zudem zeigen, dass EV-DNA von Krebszellen in chromatinisierter Form vorliegt und Empfängerzellen funktionell beeinflussen kann. Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven auf die Rolle extrazellulärer Vesikel in der Zell-zu-Zell-Kommunikation und der Krebsprogression.
Was sollten Ihre Studierenden über Sie wissen?
Mir sind Neugier, kritisches Denken und interdisziplinäres Arbeiten wichtig. Meine Studierenden unterstütze ich aktiv dabei, eigene Ideen zu entwickeln und wissenschaftlich unabhängig zu werden. Auch ist mir ein offenes Arbeitsumfeld wichtig, in dem Teamarbeit im Mittelpunkt steht. Inspiration finde ich in dem Gedanken: „Sei kein Nachmacher, sondern ein Neumacher.“ Ich ermutige junge Forschende, unkonventionelle Ansätze zu verfolgen. Denn echter Fortschritt entsteht nur dort, wo man den Mut hat, neue Wege zu gehen.
Zur Person: Prof. Dr. Basant Kumar Thakur
Seit April 2026:
Professor für Experimentelle molekulare und zelluläre Hepatologie an der Universität Duisburg-Essen
2013 bis 2015:
Dozent an der Weill Cornell Medicine der Cornell University (USA)
2008 bis 2013:
Forschungsassistent an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
2020:
Habilitation „Experimental Hematology and Oncology“ an der UDE
2016:
Hermann-Seippel-Preis – Deutscher Forschungspreis für Kinderheilkunde der Stiftung Universitätsmedizin für ein Projekt zu Hirntumoren bei Kindern mit 200.000 Euro
2007:
Promotion in Biochemie und molekularer Zellbiologie
2004:
Master of Science in Biotechnologie an der Madurai Kamaraj University (Indien)
2001:
Bachelor of Science in Botanik, Zoologie und Chemie an der Ranchi University (Indien)
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Basant Kumar Thakur, Universitätsklinikum Essen, Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Tel. 0201 723-2504, basant-kumar.thakur@uk-essen.de
Redaktion:
Dr. Alexandra Nießen, Redaktionsassistentin, Ressort Presse der UDE, Tel. 0203 37-91487, alexandra.niessen@uni-due.de
Prof. Dr. Basant Kumar Thakur (© UDE/Bettina Engel-Albustin)
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