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Zusammenarbeit klärt Thrombose nach viralem Infekt auf: Erkältungsvirus führt zu seltenen Blutgerinnseln
[17.09.2026] Adenovirus-Infektionen können durch eine fehlgeleitete Immunantwort Blutgerinnsel auslösen. Ein internationales Forschungsteam, an dem auch Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen beteiligt waren, hat bei einem Kind in Österreich erstmals die auslösende Variante des Adenovirus als Ursache lebensbedrohlicher Blutgerinnsel identifiziert. Die Erkenntnisse dieses Falles wurden nun in einer Studie im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Ein zwölfjähriger Patient entwickelte eine Woche nach Beginn eines Atemwegsinfekts plötzlich lebensbedrohliche Blutgerinnsel in Kombination mit einer niedrigen Zahl von Blutplättchen. Am vierten Tag im Krankenhaus der Medizinischen Universität Innsbruck wurden venöse Thrombosen diagnostiziert, darunter eine tiefsitzende Venenthrombose sowie eine Lungenembolie.
Nachdem die für diese Art von Virus-induzierten Blutgerinnseln typischen Antikörper gegen das körpereigene Protein Plättchenfaktor 4 (PF4) in Kooperation mit dem Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald nachgewiesen wurden, konnte eine gezielte Behandlung erfolgen, woraufhin der Patient sich erholte und heute beschwerdefrei ist. Aus einem Abstrich des Patienten wurde im Institut für Virologie in Innsbruck das für den Infekt verantwortliche humane Adenovirus Typ 3 (HAdV-B3) identifiziert. Die Analyse der HAdV-B3-spezifischen Antikörper erfolgte im Institut für Virologie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen.
„Adenoviren sind sehr wichtige Werkzeuge der modernen Impfstoff-Entwicklung, und ein noch besseres Verständnis ihrer Biologie und der Immunreaktion wird uns dabei helfen, die Sicherheit Adenovirus-basierter Impfstoffe in Zukunft noch weiter zu erhöhen. Es ist daher sehr wichtig, bei diesen seltenen Komplikationen nach einer Adenovirus-Infektion das auslösende Virus zu identifizieren“, sagt Priv.-Doz. Dr. Wibke Bayer vom Institut für Virologie des Universitätsklinikum Essen und Co-Letztautorin der aktuellen Studie.
Das Adenovirus ist so häufig verbreitet, dass nahezu jeder Mensch mindestens einmal im Leben daran erkrankt. Es ist bekannt, dass natürliche Adenovirus-Infektionen in seltenen Fällen durch eine fehlgeleitete Immunantwort Blutgerinnsel auslösen können. Unklar war jedoch bisher, welche Adenoviren genau dafür verantwortlich sind. Besonders wichtig ist diese neue Erkenntnis daher für die Entwicklung und Weiterentwicklung von Impfstoffen. Bei sogenannten Vektorimpfstoffen dienen abgeschwächte und veränderte Adenoviren als Transportmittel. Sie schleusen den Bauplan für ein typisches Merkmal eines anderen Krankheitserregers in menschliche Zellen ein, sodass das Immunsystem dieses Merkmal kennenlernt und einen Schutz gegen den eigentlichen Erreger aufbauen kann. Die verwendeten Adenoviren sind dabei so verändert, dass sie sich im Körper nicht vermehren können.
Die aktuelle Studie fügt sich damit in ein größeres Forschungsprojekt ein: In der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 5,9 Millionen Euro geförderten Forschungsgruppe FOR 5898 „AdBHealth“ erforschen Wissenschaftler:innen verschiedener deutscher Universitäten Adenoviren, ihre Wechselwirkungen mit dem Immunsystem und ihre Nutzung als medizinische Vektoren. Beteiligte aus Greifswald sind Priv.-Doz. Dr. Linda Schönborn und Prof. Dr. Thomas Thiele vom Institut für Transfusionsmedizin sowie Priv.-Doz. Dr. Wibke Bayer von der Universität Duisburg-Essen, die die aktuelle Studie ebenso federführend mit verantwortet.
Link zur Originalveröffentlichung;
Human Adenovirus B3–Induced Immune Thrombocytopenia and Thrombosis
PD Dr. Wibke Bayer, Co-Letztautorin der aktuellen Studie(© Siegfried Moyrer)
Pressekontakt
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