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Durchbrüche in der Behandlung von Patient:innen mit kleinzelligen Lungenkarzinomen und Melanomen

[28.10.2026] Rund 40.000 Teilnehmende aus aller Welt, neueste Erkenntnisse aus der Krebsforschung und wichtige Fortschritte für Patient:innen: Der diesjährige Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) in Madrid war das größte internationale Treffen der Krebsmedizin. Mit gleich zwei Studien war das Westdeutsche Tumorzentrum Essen (WTZ) in der Presidential Session am vergangenen Samstag, dem prominentesten Programmpunkt des Kongresses, vertreten. Beide Forschungsarbeiten wurden parallel im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Lungenkrebs: Kombination verlängert das Überleben deutlich
Das metastasierte kleinzellige Lungenkarzinom ist die aggressivste Form von Lungenkrebs. Trotz einer Behandlung mit Chemotherapie und Immuntherapie erleidet die Mehrzahl der Betroffenen innerhalb des ersten Jahres einen lebensbedrohlichen Rückfall.

Wie sich diese unbefriedigenden Behandlungsergebnisse verbessern lassen, untersuchte die internationale Phase-III-Studie DeLLphi-305 unter maßgeblicher Beteiligung von Prof. Dr. Martin Schuler, Forscher an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen sowie Direktor der Klinik für Medizinische Onkologie und Sprecher des Standorts West des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT West). Die Studie untersuchte 563 Patient:innen mit kleinzelligem Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC), deren Erkrankung nach einer Erstbehandlung mit Durvalumab, einer platinhaltigen Chemotherapie und Etoposid nicht fortgeschritten war. Im Rahmen der Studie erhielten die Hälfte der Patient:innen im Anschluss den T-Zell-Aktivator Tarlatamab in Ergänzung zur Standardtherapie mit Durvalumab.

Das Ergebnis: Mit der Kombination wurde die Überlebenswahrscheinlichkeit in dieser ersten Analyse nahezu verdoppelt. Die Kombination reduzierte das relative Risiko zu versterben um 58 Prozent. Auch die Zeit, in der die Erkrankung nicht weiter fortschritt, verlängerte sich von median 1,9 auf 7,4 Monate. Nach einem Jahr lebten noch knapp 80 Prozent der Patient:innen unter der Kombination, verglichen mit 53 Prozent unter Durvalumab allein. Tarlatamab nutzt Zellen des körpereigenen Immunsystems, um Krebszellen, die das Merkmal DLL3 ausprägen, gezielt zu zerstören.

Für Prof. Schuler, Mitautor der wissenschaftlichen Publikation und der Studienpräsentation, sind diese Ergebnisse der größte Fortschritt für Betroffene mit kleinzelligen Lungenkarzinomen der vergangenen 50 Jahren: „Tarlatamab verwandelt diesen tödlichsten Lungenkrebs bei einer großen Gruppe der Patienten in eine immunologisch kontrollierbare Erkrankung. Wir erwarten, dass der Anteil der langfristig überlebenden Patienten dieser Studie mit zunehmender Nachbeobachtungszeit noch weiter wächst. Es ist zu hoffen, dass diese bahnbrechende Behandlung möglichst bald für die Betroffenen in Deutschland verfügbar wird. Derzeit kann das Medikament Tarlatamab bereits bei Patienten mit Rückfall ihres kleinzelligen Lungenkarzinoms nach einer Chemo- und Immuntherapie eingesetzt werden.“

Schwarzer Hautkrebs: Personalisierte Impfung soll Rückfälle verhindern
Ein weiteres Highlight der Presidential Session war die internationale Phase-III-Studie INTerpath-001 zum Hochrisiko-Melanom, dem schwarzen Hautkrebs. Untersucht wurde eine personalisierte mRNA-Krebstherapie, die nach vollständiger operativer Entfernung des Tumors das Risiko eines Rückfalls senken soll.

Prof. Dr. Dirk Schadendorf, Forscher der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen sowie Direktor der Klinik für Dermatologie und des Westdeutschen Tumorzentrums (WTZ) an der Universitätsmedizin Essen, zählt zu den führenden Experten für die klinische Behandlung und Erforschung des Melanoms. In seiner klinischen und wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt er sich unter anderem mit innovativen Immuntherapien und neuen Behandlungsstrategien gegen Hautkrebs. Die Ergebnisse von INTerpath-001 verdeutlichen, welches Potenzial personalisierte Therapieansätze für die Behandlung des Hochrisiko-Melanoms bieten.

Die in der Studie untersuchte Impfung wird patientenspezifisch anhand der genetischen Veränderungen des jeweiligen Tumors entwickelt. Sie enthält ausgewählte tumorspezifische Merkmale, sogenannte Neoantigene, und soll das Immunsystem darauf vorbereiten, Krebszellen gezielt zu erkennen. In INTerpath-001 wurde sie zusätzlich zur Immuntherapie mit Pembrolizumab eingesetzt. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Vorteil der Kombination: Zwei Jahre nach Behandlungsbeginn waren 82,2 Prozent der Patient:innen in der Kombinationsgruppe ohne Rückfall, gegenüber 70 Prozent unter Pembrolizumab allein. Das relative Risiko für einen Rückfall oder Tod war in der Gruppe mit zusätzlicher Impfung um 42 Prozent geringer.

„Gerade beim Hochrisiko-Melanom ist es ein wichtiges Ziel, Rückfälle nach einer Operation zu verhindern. Die Ergebnisse von INTerpath-001 sind vielversprechend und zeigen das Potenzial, eine etablierte Immuntherapie durch eine individuell auf den Tumor abgestimmte mRNA-Therapie zu ergänzen. Damit könnte ein wichtiger Schritt hin zu einer stärker personalisierten Behandlung des schwarzen Hautkrebses gelingen“, sagt Prof. Schadendorf.

Die Ergebnisse eröffnen möglicherweise neue Perspektiven für die Behandlung nicht nur des Hochrisiko-Melanoms, da vergleichbare Studien auch bei Patient:innen mit anderen Tumorerkrankungen durchgeführt werden. Wann die personalisierte mRNA-Therapie in der klinischen Versorgung beim Melanom eingesetzt werden kann, hängt vom Verlauf des Zulassungsverfahrens und den Preisverhandlungen mit den Kostenträgern ab.

Forschung, die Patientinnen und Patienten neue Perspektiven eröffnen kann
Dass Forschende des WTZ Essen an gleich zwei international beachteten Studien beteiligt sind, unterstreicht die Bedeutung der klinischen Forschung am Standort. Rund 50 Jahre nach seiner Gründung ist das WTZ weiterhin an der Entwicklung neuer Behandlungsansätze beteiligt, die die Versorgung von Menschen mit Krebs signifikant verbessern.

Redaktion:
Achim Struchholz, Leiter Konzernkommunikation, Universitätsmedizin Essen, Tel.: 0201/723-2885, achim.struchholz@uk-essen.de

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